Hilfe für Schlossgartentiere

Wenn die Kanadagansmama hinkt . . .

Karin Franz verkauft am Samstag nach langer Pause wieder Mistelzweige – der Erlös wird für Behandlungen oder Medikamente verwendet

Von 
Andreas Lin
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Seit Jahren kümmert sich die Schwetzingerin Karin Franz unter dem Dach des Tierschutzvereins um kranke oder verletzte Tiere im Schlossgarten. Die Schwetzingerin hat schon Gänse, Störche, Tauben, Pfauen, Enten oder Igel unter ihren Fittichen gehabt. Mögliche Bergungs-, Arzt- oder Pflegekosten hat sie bis 2018 unter anderem durch den Verkauf von Mistelzweigen auf dem Weihnachtsmarkt finanziert – seitdem war mangels Material und wegen Corona Pause. In diesem Jahr kann sie endlich wieder an den Start gehen.

Das ist für sie auch immer der Zeitpunkt, um auf das Jahr zurückzublicken, in dem es immer wieder neue Herausforderungen für die Tierwelt im Park gibt – auch aufgrund des Klimawandels: Weil durch Wärme und Sonneneinstrahlung, Wasserpest, Fadenalgen und Wasserlinsen viel zu schnell wachsen, was manchmal auch den Tieren zum Verhängnis wird – auch wenn der Weiher und die Kanäle jährlich abgemäht werden. So sei ein Jungstorch in den Kanal der Orangerie gestürzt: „Er konnte an Land gezogen werden, wo ich seine Beine von Fadenalgen befreite“, erzählt Karin Franz, dass der Vogel bald wieder stand. Doch wenig später war er im großen Weiher gelandet, ging unter und tauchte nicht wieder auf. „Zu dieser Zeit war das Wasser noch total grün von Algen und sicher konnte er deshalb Wasser und Land nicht unterscheiden.“

Auch um ihr Wohl kümmert sich Karin Franz seit Jahren. © Franz

Gefreut hatte sie sich, dass durch den Einsatz des neuen Gartenbaumeisters erreicht wurde, dass das Schilf an den Uferrändern später im Jahr abgemäht wird, um so die Bodenbrüter wie Enten und Teichhühner in der Brutzeit nicht zu stören. So hätten die Entenmütter mehrere Küken durchgebracht, aber eine Vergrößerung der Population sei nicht zu erkennen gewesen, obwohl die Störenfriede Kanada- und Nilgänse sehr rar seien. Bless- und Teichhühner gebe es seit Jahren kaum noch. „Auch an der Fauna merkt man den Klimawandel. Wasservögel, die früher hier nicht heimisch waren, vermehren sich stark und verdrängen die Alteingesessenen.“

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Bei einer Kanadagansmutter, die mit ihren Hybridkindern zu einem Besuch gekommen war, musste Karin Franz eingreifen: „Ich bemerkte, dass sie stark hinkte. Damit sie ihren Kindern noch etwas erhalten bleibt, behandelte ich sie auf Rat eines Tierarztes mit Cortison, was tatsächlich Wirkung zeigte.“

Kritisch sieht die Schwetzingerin die zahlreichen Großveranstaltungen im Schlossgarten, auch wenn sie Verständnis für die Notwendigkeit zeigt, Einnahmen zu generieren. Doch es gibt ihrer Meinung nach zu wenig Achtung des Lebensraums der Wildtiere. Deshalb wünscht sie sich statt des Abbrennens der „unsäglichen Feuerwerke“ andere Möglichkeiten der Unterhaltung, zum Beispiel eine Lasershow. ali

Infos zur Aktion

Der Verkauf von Misteln aus dem Schlossgarten zugunsten der Tiere im Schlossgarten findet am Samstag, 26. November, ab 10.30 Uhr bei der Spargelfrau auf dem Schlossplatz statt – solange der Vorrat reicht.

Wer für die Schlossgartentiere spenden möchte: IBAN DE57 6725 0020 0009 1552 01; BIC SOLADES1HDB. ali

Autor Stv. Redaktionsleiter + Lokalsportchef Schwetzinger Zeitung