Grüne Jugend - Klimawandel – größte Herausforderung für Menschen Wer CO2 einspart, trägt bei zur Weltrettung

Von 
Stefan Kern
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Derzeit besetze das Corona-Virus die öffentliche Wahrnehmung fast komplett. Und natürlich stelle dieses Virus eine Gefahr dar. Doch leider würden dabei einige besorgniserregende Entwicklungen weitgehend unter den Tisch fallen. Der Klimawandel, zurzeit mit einer Randnotiz zu einem Temperaturrekord in der Antarktis abgehandelt, schaffe es kaum in die öffentliche Wahrnehmung. Eine dramatische Unterschätzung – das war die Meinung der rund 20 Teilnehmer des ersten Motto- und Infoabends der Grünen Jugend Kurpfalz-Hardt zum Klimawandel.

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Die damit verbundenen Gefahren seien virulent und werden das Antlitz der Welt stärker verändern, als es der Mehrheit in Deutschland wohl bewusst sei. Wer weiß, spekulierte Alexander Mansel, Sprecher der Grünen Jugend, ob es Hamburg am Ende des Jahrhunderts noch gebe. Aussichten, die es für ihn und seine Mitstreiter Carolin Bögle sowie Ralph Körner mehr als gerechtfertigt erscheinen lässt, den Klimawandel thematisch wieder mehr in den Fokus zu rücken.

Die Form des Abends war klug gewählt. Die Grüne Jugend lud sich mit Staatssekretär Andre Baumann, seit Februar Bevollmächtigter des Landes Baden-Württemberg beim Bund, der Chemikerin Dr. Paula Stehrer-Schmid, Iven Frehsen von der Schwetzinger Gruppe von „Fridays for Future“ und der Geo-Ökologie-Studentin Mia Schobert vier Gäste ein, die als eine Art Dreh- und Angelpunkt für die Diskussion fungierten. Ausgerichtet an der Politik, der Wissenschaft sowie dem Engagement gegen den Klimawandel im öffentlichen Raum und im Zuhause entstand nach Impulsreferaten eine anregend intensive Diskussion.

Engagement des Einzelnen

Der Satz, es habe alles ohnehin keinen Sinn, verlor dort jedenfalls jede Bedeutung. Am deutlichsten machte dies Mia Schobert, die aufzeigte, wie sehr das Engagement des Einzelnen einen Unterschied mache. CO2 entstehe ja nicht im luftleeren Raum, sondern durch das alltägliche Handeln jedes Bürgers. Und so hätten es diese Bürger auch mit in der Hand. Dabei weiß die junge Frau, dass ihr der Zeitgeist trotz allem ins Gesicht bläst. Seit Greta Thunberg im Sommer 2018 erstmals auf die Straße ging, entwickelten sich viele ökologischen Verhaltensparameter in Deutschland ins Minus. Die Fluggastzahlen stiegen in Deutschland von Monat zu Monat, die Buchungen für Kreuzfahrten erlebten einen Boom, SUV-Verkäufe kletterten auf Rekordniveau und der Online-Handel wuchs allein im Jahr 2019 um zehn Prozent und wird im laufenden Jahr wohl die 100-Milliarden-Euro-Grenze überschreiten. Aber aufgeben, das einte alle Teilnehmer des Abends, sei keine Option. Der Menschheit bleibe nichts anderes übrig, als sich mit aller Kraft gegen den Klimawandel zu stemmen. Denn die Folgen des Nichtstuns seien verheerend.

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„Alles, was wir derzeit erleben – von den Bränden in Australien und im Amazonas, den Temperaturrekorden in der Antarktis und der Gletscherschmelze, der massiven Wüstenbildung bis hin zu zunehmenden Extremwetterereignissen sind Alarmsignale in Rot“, warnte Andre Baumann eindringlich. Leider, bedauerte er, habe die Erwachsenengeneration bis dato komplett versagt. Wenn nicht endlich eine Kehrtwende gelinge, „steuern wir auf eine Welt im Hitzestress zu“. Einziges Lichtzeichen seien die Jungen, die ihren Unmut hörbar zum Ausdruck brächten. „Ich kann nur hoffen, dass ihr den Druck hochhaltet.“

Ein Zeichen der Hoffnung

Eine Sichtweise, die Paula Stehrer-Schmid teilte. Auch für die Chemikerin von „Scientist for Future“ sind die jungen Klimaschützer ein Hoffnungszeichen. Vielleicht schaffe es die junge Generation, einen sozialen Wendepunkt auszulösen, der den Klimaschutzbemühungen endlich die nötige Durchschlagskraft verleihe, hoffte sie.

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Es war viel Verantwortung, die da auf Iven Frehsen und Mia Schobert lastete, doch die beiden schien das nicht weiter zu beeindrucken. Die zwei ließen keinen Zweifel daran, dass sie den Wandel angehen wollen. Das Normale sei das neue Radikale, das die Welt für die Menschen zu einem Inferno machen könnte. Und vieles, was anders gemacht werden müsse, fand Schobert, sei gar nicht so radikal: Weniger Fleisch essen, wenig oder gar nicht fliegen, den eigenen Wohnraum nicht ständig vergrößern, das Girokonto bei einer Umweltbank wie der GLS führen – und wenn man etwas Geld zur Verfügung habe in nachhaltige Investments stecken.

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Zu einem interessanten Ausgangspunkt könne ein CO2-Rechner werden. Derzeit weist das CO2-Budget eines Deutschen im Schnitt 11,6 Tonnen auf. „Ziel ist eine Tonne“, führte Schobert aus. Neben vielen kleinen und etwas größeren Maßnahmen im Alltag gehörten auch Kompensationszahlungen zum Instrumentenkasten. Über „Atmosfair“ würden Investitionen gefördert, die die eigenen CO2-Emissionen neutralisierten. Daraus werde so lange kein Ablasshandel, so lange der Einzelne trotzdem alles tue, um seine CO2-Emissionen zu senken.

Es war ein spannender Abend im Grünen-Büro, der sowohl die tatsächliche Dramatik des Klimawandels aufzeigte, als auch Räume zum Engagement öffnete. Das Engagement jedes Einzelnen, betonten alle, mache einen Unterschied. Frei nach dem jüdischen Sprichwort, dass jemand, der einen anderen Menschen rette, die ganze Welt rette, so gelte auch, dass jeder, der CO2 einspare, Teil der Weltrettung werde.

Freie Autorenschaft Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.