Volkshochschule - Beim Infotag „Frau und Beruf – Ihre Chancen im Rhein-Neckar-Kreis“ präsentieren sich zwölf Institutionen und Agenturen den Besucherinnen „Wichtig ist, selbst aktiv zu werden“

Von 
Sabine Zeuner
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Viele Frauen unterschiedlichen Alters nutzten die vielfältigen Angebote beim Infotag „Frau und Beruf - ihre Chancen im Rhein-Neckar-Kreis“. © Zeuner

Wie viele Männer arbeiten in Teilzeitjobs? Eine der Fragen, die den Infotag „Frau und Beruf – Ihre Chancen im Rhein-Neckar-Kreis (RNK)“ einleiteten. Die Offerte von zwölf Institutionen und Agenturen aus dem RNK, die im Volkshochschulgebäude Frauen in allen Lebenssituationen Möglichkeiten für Aus- und Fortbildung, für das Selbstständigmachen oder den Wiedereinstieg in den Beruf anboten, war gut besucht.

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Petra Bölle (kleines Bild), die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit, stellte klar: „In Deutschland arbeiten 46,3 Frauen und nur 8,3 Prozent der Männer auf Teilzeitstellen.“ Allzu verbreitet sei zudem, bei allen Anreden nach wie vor die weibliche Form zu vernachlässigen: „Das kann ihren Töchtern etwa assoziieren, dass sie sich erst gar nicht für den Beruf des Elektronikers sondern eher für den der Frisörin interessiert, weil hier automatisch die weibliche Form gewählt wird.“ Ein Tipp, der bei den anwesenden überwiegend Müttern auf fruchtbaren Boden fällt.

Detaillierte Angaben notwendig

Dass Mut, Kraft und Ausdauer dazugehören, als Frau Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, aber man auf jeden Fall selbst aktiv werden müsse, um die eigene berufliche Zukunft zu sichern, schickte sie einem abwechslungsreichen Vortragsprogramm voraus. Rege wurde darauf an den Infotischen nach Material geschaut, erste Gespräche entwickelten sich.Barbara Blake ist bereits Sprachenlehrerin an der Volkshochschule, Mutter einer Vierjährigen und möchte den Schritt in eine Teilzeiteinstellung gehen. Kristina Blaha-Brouwer, Gründungsberaterin bei der IHK, hat einige Vorschläge parat, die interessant klingen: „Wir beraten intensiv, aber brauchen auch detaillierte Angaben zu den Wünschen und den Voraussetzungen der Frauen.“

Für die Selbstständigkeit ist ein genaues Durchleuchten, das Auflisten der Basics sowie ein Businessplan elementar. Ob es das Richtige für sie ist, war sich Blake noch nicht sicher. Im Vortrag „erfolgreich wieder einsteigen“, notierte sie sich Tipps und Tricks, die Referentin Katharina Brunner von der Heidelberger Dienste gGmbH vorstellt. Rund 20 Frauen hörten sich das an, legten dar, weshalb sie gekommen waren. Es ging um finanzielle Unabhängigkeit, Anerkennung, Partner entlasten und die Altersvorsorge als Gründe.

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Wie man die Erziehungszeit und die darin erworbenen Kompetenzen, „es sind echte Kompetenzen, die man in der Familie erwirbt“, unterstrich Brunner, in einer Bewerbung anbringt führte sie aus. Daraus ließen sich hohe Belastbarkeit, Zeitmanagement und Organisationstalent ableiten ebenso wie Verhandlungskompetenz und Frustrationstoleranz. Viele der Frauen führten den Anschluss ans mediale Zeitalter an, der ihnen vermeintlich fehle: „Dafür gibt es Aus- und Weiterbildungen, etwa bei der Volkshochschule.“

Petra Disch von der Volkshochschule Schwetzingen bestätigte das breite Angebot, dem aktuell Webinare zugefügt wurden. „Hierbei können etwa Alleinerziehende online von zuhause aus viele Themen bearbeiten, sich mit Online-Dozenten und Mitlernenden austauschen und am Ende eine Prüfung bei der VHS ablegen“, markierte sie einige der Vorteile.

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Emily Kaiser hat sich den Vortrag genau angehört, ist gekommen, weil sie netzwerken möchte, sich mit anderen in ähnlicher Situation austauschen: „Ich hatte einen guten Job, aber mein Arbeitgeber ist in einen anderen Ortsbereich umgezogen, es gab kein erreichbares Angebot mehr für mich“, sagt die Verwaltungsassistentin mit Sprachenkenntnissen, dass sie Antworten auf viele Fragen finden möchte. Mit 49 Jahren ist sie, wie die Mehrzahl der Anwesenden, in einem Alter, das den Raum für Neues bietet: „Weil die Kinder groß und selbstständig sind“, das bestätigen alle.

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Ayana Goethe (Bild unten) ist 34 Jahre jung interessiert sich für Weiterbildungsangebote, die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern sollen: „Ich habe Sprachwissenschaften studiert und bereits als Sprachlehrerin gearbeitet“, das bringt sie mit. Wie sie mit diesen Voraussetzungen eine Anstellung finden kann, dabei können sie gleich mehrere Institutionen beraten, stellt sie fest.

Die Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit, Petra Bölle, haben wir gefragt, wie es für junge, gut ausgebildete Frauen stehe, die im „gebärfähigen“ Alter nach qualifizierten Stellen suchten und überwiegend mit Langzeitpraktika konfrontiert werden: „Zumindest sind die meisten Praktika mittlerweile mit dem Mindestlohn bezahlt, früher konnte man gerne unentgeltlich Praxiserfahrung sammeln und bekam dann doch keinen Job“, erklärte sie.

Frage nach Zukunftsplan

Nach wie vor sei zu beobachten, dass Arbeitgeber bei jungen Frauen – anders als bei männlichen Bewerbern gleicher Qualifikation – ganz genau nachfragten, wie der Zukunftsplan aussehe. Bei Wiedereinsteigerinnen nach der Elternzeit sei oft der Wunsch nach einer Teilzeitanstellung Grund dafür, dass der ursprüngliche Vollzeitjob nicht mehr erfüllt werden kann, „weil die Aufgaben in Teilzeit nicht erledigbar sind“, sagte die Fachfrau.

Fest stehe, dass Männer im vergleichbaren Alter um die 40 bis 55 Jahre bereits ganz anders beruflich aufgestellt wären, sagt Bölle. Die Agentur für Arbeit biete für Zurückkehrer Fortbildungen und Weiterbildungen an, Petra Bölle motivierte: „Unbedingt selbst aktiv werden, dann gibt es viele Möglichkeiten.“