Erinnerung - Begegnung mit Überlebender aus dem Konzentrationslager beeindruckt unseren Leser nachhaltig „Wie sollen wir die Zukunft gestalten, wenn wir hassen?“

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Gastbeitrag von Thomas Proft
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Ich besuchte am 8. April 2017 die Gedenkstätte des Konzentrationslagers (KZ) Buchenwald bei Weimar in Thüringen. Diesen Tag werde ich aus zweierlei Gründen nie vergessen.

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Erstens hat mich dieser KZ-Besuch zutiefst innerlich sehr emotional aufgewühlt, erschüttert und berührt, mir aber auch ganz deutlich klar und bewusst gemacht, was Menschen Menschen antun können und zu welchen menschenverachteten, perversen, grausamen und perfiden Verhalten und Taten Menschen fähig sind.

Zweitens: Am gleichen Tag vor drei Jahren fand in Weimar eine Zeitzeugen-Veranstaltung statt. Anlass war der 72. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. Dort durfte ich – auch persönlich – eine außergewöhnliche Frau kennenlernen: die 92-jährige Alina Dabrowska, KZ-Überlebende von Auschwitz und Buchenwald. Sie erzählte sehr ausführlich über die Hetze, Diffamierung, Verfolgung, menschenverachtende, würdelose Behandlung und über ihr grausam Erlebtes in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald sowie über ihre Flucht. Mit das Bemerkenswerteste an diesem Abend war aber, dass sie auf die Frage eines Zuschauers, „ob sie denn keinen Hass, Wut oder Groll gegenüber den Deutschen, ihren Peinigern und den Menschen hege, die ihr das alles angetan haben“, antwortete: „Wie sollen wir die Zukunft gestalten, wenn wir hassen ?“

Dieser prägende Satz ist für mich nicht nur Sinnbild einer göttlichen Gabe des Verzeihens. Er bedeutet mehr. Er ist Grundlage gemeinsamen Lebens, Mahnung und Wachrütteln zugleich. Denn solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit dürfen sich nie mehr wiederholen. Diese Frau und ihre Aussage haben mich bis heute tief beeindruckt und fasziniert. Ich danke ihr sehr.

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Thomas Proft aus Schwetzingen ist Leser dieser Zeitung. Er schrieb uns seine Erinnerungen um an die Befreiung des KZ Buchenwald zu erinnern, die sich am 11. April zum 75 Mal jährte.