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Bündnis 90/Die Grünen - Dr. Michael Rittmann führt zu bedeutenden Stationen jüdischer Geschichte in Schwetzingen

„Wir müssen wachsam bleiben“

Von 
zg
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„Spuren jüdischer Geschichte in Schwetzingen“ – unter dieser Überschrift veranstaltete der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen eine Exkursion durch die Stadt. Anlass waren das nationale Gedenken an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland und an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, ganz besonders aber auch der zunehmende Antisemitismus. Die Führung übernahm Stadtrat und Vorstandsmitglied der Grünen Dr. Michael Rittmann, zusammen mit Albrecht Lohrbächer Autor der Geschichte der Schwetzinger Juden „Sie gehörten zu uns“, heißt es in einer Pressemitteilung.

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Seit 1698 lebten nachweislich Juden in Schwetzingen. Ihre Zahl sei langsam gewachsen, habe aber nie mehr als 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung erreicht. Beim Rundgang durch die Innenstadt führte Rittmann zunächst zu den ehemaligen Gebetsräumen der jüdischen Gemeinde im nördlichen Zirkel des Schlosses, in der Invalidengasse (bis 1934 Synagogenstraße), in der Dreikönig- und Heidelberger Straße.

In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte er die Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung ab 1933. Er zitierte aus Briefen ehemaliger jüdischer Schülerinnen und Schüler, in denen sie berichten, wie sie damals ausgegrenzt, von MitschülerInnen geschlagen und am schulischen Fortkommen gehindert wurden. Ebenfalls mit Zitaten dokumentierte Rittmann die Hetze der Nazi-Zeitung „Der Stürmer“, dessen Ausgaben in einem Schaukasten an der alten Mälzerei in der Carl-Theodor-Straße – dem „vielleicht schönsten Stürmerkasten in Deutschland“ – ausgehängt waren.

In diesem Kampfblatt der NSDAP wurden nicht jüdische Schwetzinger öffentlich beschimpft, wenn sie noch Umgang mit jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern unterhielten. In einer Hetzkampagne voller Lügen und mit gestellten Fotos verleumdete der Stürmer die jüdische Gemüsehändlerin Bertha Stein aus der Herzogstraße; die Frau kam daraufhin ins Gefängnis und verlor Geschäft und Lebensunterhalt.

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Am Beispiel der Schwetzinger Zeitung demonstrierte Rittmann die Methoden der Nationalsozialisten bei der sogenannten Arisierung, der unrechtmäßigen Aneignung jüdischen Besitzes. "Die jüdischen Eigner, Albert und Guido Moch, mussten Zeitung und Verlag nach öffentlicher Diffamierung und Drohung durch die SA und nach Inhaftierung des Seniorchefs für einen Spottpreis verkaufen."

An Pogromnacht erinnert

Die Schrecken der Pogromnacht 1938 schilderte Rittmann exemplarisch vor ehemals jüdischen Häusern in der Heidelberger Straße, am Ort des letzten Gebetsraums, und am Schlossplatz. Der erschütternde Brief den die fast 80-jährige Jüdin Fanny Lorch damals noch ganz unter dem Eindruck der Geschehnisse geschrieben hatte, wurde vorgelesen. Darin berichtete sie, wie der Mob ihre Wohnung am Schlossplatz aufbrach, alles kurz und klein schlug und die wertvollen Gegenstände entwendete; unter der Drohung, dass man sie ins KZ Dachau schicke, wurde sie gezwungen, ihr Haus weit unter Wert zu verkaufen. Zwei Jahre später – mit dem Transport aller in Baden verbliebener Juden in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich und später von dort nach Ausschwitz – fand die Geschichte der Schwetzinger Juden ein furchtbares Ende.

Am Ende des Rundgangs verlas Dr. Michael Rittmann die Namen der 22 ehemaligen Schwetzinger Juden, die im Holocaust ermordet wurden, im KZ umkamen oder in Osteuropa verschollen sind. Er fügte hinzu: „Ihr Leiden und Schicksal sollen uns stets Mahnung sein. Wir müssen wachsam bleiben und alles dafür tun, dass nie wieder eine menschenverachtende rassistische Ideologie in Deutschland an die Macht kommt.“ zg

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