„Gewann Entenpfuhl“ - Wolfgang Giersdorf hat vor 50 Jahren dort die Sämlinge eingepflanzt und so zur Begrünung beigetragen / Kiesabbau macht ihn wütend und traurig „Wir waren die Gründer des Waldes“

Von 
Janina Hardung
Lesedauer: 
Sämlinge für die Aufzucht: 1969 hat Wolfgang Giersdorf den „Entenpfuhl“ mit aufgebaut – heute läuft er immer gerne entlang des Mischwaldes. © Hardung

Schwetzingen/Ketsch. „Damals, da haben wir nach unten geschaut. Und jetzt, da müssen wir unseren Kopf in den Nacken legen, um die ganzen Bäume zu sehen.“ So beschreibt unser Leser Wolfgang Giersdorf die Entwicklung des Gewanns „Entenpfuhl“. Damals: Das war 1969. Da hat das Forstamt Schwetzingen die Bürger aufgerufen, in diesem Gebiet bei der Aufzucht mitzuhelfen. Zu dieser Zeit sei Egbert Gihr Forstamtsleiter gewesen. „Ich war gerade mit dem Abitur fertig und habe mich in der Schule sehr für Botanik und Fauna interessiert“, erklärt der jetzt 73-Jährige.

AdUnit urban-intext1

Zusammen mit zwei Frauen aus Ketsch und dem Forstamtmitarbeiter sei er ein eingespieltes Team gewesen. „Ich kann mich sogar noch an die Nachnamen erinnern. Frau Stoner und Frau Dietrich, der Forstmitarbeiter hieß Halbhuber. Die Vornamen weiß ich leider nicht mehr, dafür ist es einfach zu lange her“, erklärt er schulterzuckend.

Sämlinge von den Saatschulen

Zwischen dem Feld und dem Wald geht er auf dem Kiesweg entlang. Sein Blick schweift von links nach recht – in Gedanken versunken. Er bleibt stehen und geht ein paar Schritte zu den Bäumen. „Das sind Kiefern, Buchen, Eichen und falsche Akazien“, zählt der Schwetzinger auf. „Wir waren sozusagen Gründer des neuen Waldes“, sagt er. Sein Blick geht zu Boden, er schüttelt den Kopf. Von den Schwetzinger Saatschulen haben sie 1969 Sämlinge bekommen. „Wir saßen dann auf einem Traktor, dort war eine Vorrichtung, die die Erde immer ein bisschen zusammengeschoben hat. Dann haben wir die Sämlinge Stück für Stück eingepflanzt. Natürlich ist der Traktor ganz langsam gefahren“, erinnert er sich zurück.

Teile, die schon besamt waren, mussten sie pflegen. „Da haben sich dann auch Quecken breitgemacht. Und wenn schlecht gearbeitet wurde, waren sie in wenigen Wochen wieder da.“ An sandigen Stellen habe es auch Brombeersträucher gegeben, ähnlich wie auch heute noch. Giersdorf geht einen Schritt in den Wald und greift nach den Sträuchern. „Die mussten auch weg, dass die Schösslinge gerade wachsen.“ Es sei eine sehr anstrengende Arbeit gewesen, die nicht nur Schweiß gekostet, sondern auch ab und an blutende Hände zur Folge hatte.

AdUnit urban-intext2

„Wenn es kalt wurde, haben wir uns bei der Wohnung des Forstmitarbeiters aufgewärmt, die süd-westlich des Gewanns stand. Dort war ein Ofen in der Nähe“, sagt er und sieht sich das Gebäude an, das noch am selben Platz zu finden ist.

Wildtiere verjagt

„So viele Erinnerungen. Und jetzt soll das alles abgeholzt werden. 42 Hektar, das sind 58 Fußballfelder. Das hat mich richtig verärgert“, sagt er. So viele Tiere seien dort gewesen. Fasane, Mäuse, Rehe. „Man hatte die volle Palette von Wildtieren. Ihnen nimmt man den Lebensraum. Wo sollen sie denn hin? Das ist so gedankenlos“, sagt Giersdorf. Seine Stimme wird lauter, der Ärger macht sich breit. „Ich habe für ein gesundes Klima gearbeitet – und jetzt soll das alles zunichtegemacht werden. Ich wünsche mir, dass der Menschenverstand einsetzt.“ Die Folgen, die dieser Kiesabbau haben wird, seien nach Ansicht von Giersdorf nicht abzusehen. „Es ist ein wunderschönes Stück Wald, was nicht verdorben werden darf.“ Giersdorf sieht in die Ferne entlang des „Entenpfuhls“, reibt sich die Stirn, als würde er nachdenken. Als würde er sich überlegen, wie er all das aufhalten kann. Dann steigt er ins Auto und fährt zu seiner Wohnung, wo er sich eine grüne Oase aufgebaut hat.

Mehr zum Thema

Gewann „Entenpfuhl“ Kiesabbau zwischen Klimaschutz und Bauboom

Veröffentlicht
Von
Stefan Kern
Mehr erfahren

Kiesabbau Wird der „Entenpfuhl“ zum Sündenpfuhl?

Veröffentlicht
Von
cp/zg
Mehr erfahren

„Entenpfuhl“ Ketsch: Kiesabbau doch nicht vom Tisch

Veröffentlicht
Von
Marco Brückl
Mehr erfahren

Redaktion Redakteurin für Print und Online in Schwetzingen.