Nachruf

Zum Tod von Wolfgang Gaber: Menschenfischer mit viel Humor

Wolfgang Gaber hat die Seelsorgeeinheit geschmiedet und liebte seine Heimat sehr. Gerne hätte er noch seinen 75. Geburtstag in großer Runde gefeiert.

Von 
Jürgen Gruler
Lesedauer: 
Gern gesehener Gast in der Redaktion: Chefredakteur Jürgen Gruler und Wolfgang Gaber mit leckerer Münsterschokolade. © Bauroth

Schwetzingen. Besonders schwer ist es für die Menschen, die bleiben, jene gehen zu lassen, die immer für jenes Leben gesorgt haben, das wir so sehr brauchen, um glücklich zu sein. Jene, die lachen, die einen mitreißen und die voller Empathie und Mitgefühl sind. Wer Wolfgang Gaber näher gekannt hat – und das sind sehr viele hier bei uns in der Kurpfalz – der weiß aber auch, dass er mit einem Lächeln zu Gott geht und zu allen, die dort im Himmel schon auf ihn warten und denen er selbst den letzten Segen erteilt hat. Wie hat er mir erst kürzlich bei seinem Besuch am 9. April in unseren neuen Redaktionsräumen gesagt: „Ich werde dann eben nochmals befördert.“

AdUnit urban-intext1

Zur Person

Wolfgang Gaber wurde am 9. Mai 1948 in Heidelberg geboren. Er wuchs in Oftersheim auf, machte Abitur in Schwetzingen und studierte Theologie in Freiburg und Würzburg.

Die Priesterweihe erfolgte 1973 im Freiburger Münster, die Primiz in Oftersheim. Nach Kaplanstellen in Kippenheim, Bühl und Freiburg war er 21 Jahre Pfarrer im Freiburger Stadtteil Landwasser.

Von 2001 bis 2011 leitete er die Seelsorgeeinheit Schwetzingen und war seit 2007 Dekan für 27 Pfarrgemeinden mit 95 000 Katholiken.

Von 2011 bis 2018 war er Münsterpfarrer und Dekan in Freiburg, zog 2018 nach Günterstal und war Hausgeistlicher der Benediktinerinnen. jüg

Damals hat Wolfgang Gaber schon gewusst, dass er seinen 75. Geburtstag wahrscheinlich nicht mehr feiern kann. Er hat offen darüber gesprochen, dass sein Professor ihm geraten habe, von jenen Abschied zu nehmen, die ihm wichtig waren in seiner Zeit als Pfarrer, Dekan und Mensch. Wir haben zusammen eine Schinkenplatte aufgemacht, die er am Freiburger Münsterplatz auf dem Wochenmarkt gekauft hat. Denn Wolfgang Gaber kam nie mit leeren Händen in die Redaktion: Münsterschokolade, ein Fläschchen Sekt, jetzt der Schinken – schließlich hat uns die Liebe zum Freiburger Wochenmarkt mit seinen leckeren Münsterwürsten, die man auch schon samstagsmorgens um neun mit Zwiebeln und Senf essen konnte, kulinarisch verbunden.

Der Krebs hat ihn besiegt

Trauer

Langjähriger Schwetzinger Pfarrer Wolfgang Gaber verstorben

Veröffentlicht
Bilder in Galerie
10
Mehr erfahren

Die Krankheit – ein unheilbarer Bauchspeicheldrüsenkrebs – hatte Wolfgang Gaber schon gezeichnet. Er hing regelrecht im Sakko, sagte selbst, er müsse sich zum Essen zwingen, ihm fehle jede Lust und jeder Geschmack. Aber seine Fröhlichkeit war ihm erhalten geblieben – und seine Herzlichkeit. Und wenn dieses vermaledeite Corona es nicht verhindert hätte, dann wären wir abends nochmals in großer Runde im Brauhaus gesessen und hätten Anekdoten eines Priesterlebens gelauscht, die nur er so schön erzählen konnte. Tröstlich ist, dass er hier in der Kurpfalz, daheim in Oftersheim, sterben durfte und dass ihn sein Nachfolger Uwe Lüttinger, den er sehr mochte, auf seinem schwersten Weg begleiten konnte.

Mehr zum Thema

Trauer

Langjähriger Schwetzinger Pfarrer Wolfgang Gaber verstorben

Veröffentlicht
Bilder in Galerie
10
Mehr erfahren
Trauer um den langjährigen Stadtpfarrer

Gott hat Wolfgang Gaber zu sich gerufen

Veröffentlicht
Von
jüg
Mehr erfahren
Auszeichnung

„Die Zeit in Oftersheim ist mein Lebenselixier“

Veröffentlicht
Von
Anette Zietsch
Mehr erfahren

Bei seinem Besuch im April habe ich ihn gefragt, ob er nicht hadere bei dem Gedanken, so früh sterben zu müssen, obwohl er doch so viel für die Kirche und für seine Mitmenschen getan hat. „Ich hätte es schon noch eine Weile ausgehalten und hatte noch sehr viel vor, aber ich glaube daran, dass es nach dem Tod weitergeht“, sagte Wolfgang Gaber mit einem Lächeln. Hoffentlich behält er recht.

AdUnit urban-intext2

Wolfgang Gaber war ein Menschenfischer. Nie war St. Pankratius so voll wie bei ihm, nie kamen so viele Menschen zum Pfarrfest, nie wurde so viel geklatscht, so laut gesungen und sich so herzlich an den Händen gefasst wie in seinen Festgottesdiensten. Nie habe ich die Beatles besser auf einer Kirchenorgel gehört als von Wolfgang Gaber gespielt. Und nie habe ich jemanden erlebt, der so überzeugt ist, etwas schier Unmögliches möglich zu machen. Als es darum ging, die Orgel in St. Pankratius zu erneuern und da ein sechsstelliger Betrag aufgerufen wurde, der aus Spenden aufzubringen war, sagte er: „Das Geld ist da, es ist nur noch nicht bei uns.“ Dann wurden die Ärmel hochgekrempelt und wenig später lief schon der Einbau der Orgel an. Natürlich war er der Erste, der darauf spielte.

Wolfgang Gaber hatte eigentlich alles erreicht, fühlte sich in der Heimat wohl, als Erzbischof Zollitsch ihn nach Freiburg berief, um den Papst-Besuch zu organisieren und den gestrauchelten Vorgänger abzulösen. Er wurde Ehrendomherr, Münsterpfarrer und Stadtdekan und er genoss das neue Großstadtleben mit tollen Bildungsangeboten und Begegnungen in der städtischen ersten Reihe. Bewusst suchte er sich den Alterssitz in Günterstal („Das ist wie in der Toskana“) und er hätte es noch lange dort ausgehalten.

AdUnit urban-intext3

Am Freitag, 18, Juni, wird ab 18.30 Uhr aus dem Freiburger Münster ein Requiem übertragen, am Montag, 21. Juni, um 11 Uhr wird er in Oftersheim beigesetzt (auch mit Liveübertragung). Wegen der Vorschriften können leider nur geladene Gäste persönlich dabei sein.

AdUnit urban-intext4

Mehr zum Thema

Digitaler Neujahrsempfang

Gäste verfolgen Rede von Bürgermeister Jens Geiß im trauten Heim

Veröffentlicht
Von
Volker Widdrat
Mehr erfahren
Arbeiterwohlfahrt

Überraschungsbesuch bei Wolfgang Gaber

Veröffentlicht
Von
zg
Mehr erfahren
Ruhestand

Dekan Gaber lässt es bald ruhiger angehen

Veröffentlicht
Von
Jürgen Gruler
Mehr erfahren
Jubiläum

Auf ungewohntem Platz

Veröffentlicht
Von
mann
Mehr erfahren
Posaunenchor

Einmaliges Klangerlebnis im Freiburger Münster

Veröffentlicht
Mehr erfahren
325 Jahre Kirchenmusik in St. Oswald

"Musik verbindet die Menschen"

Veröffentlicht
Mehr erfahren
Nachgefragt

"Freiburg ist auch ein Stück meiner Heimat"

Veröffentlicht
Von
Jürgen Gruler
Mehr erfahren
Kirche

Pfarrer Gaber sendet Messegewänder in Region

Veröffentlicht
Mehr erfahren
Frühstücken bei Pfarrer Wolfgang Gaber

Weißwurst kann keine Sünde sein!

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren

Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.