Bistum

Ausgaben senken und neue Wege wagen

Sinkende Kirchensteuereinnahmen zwingen zum Umdenken und zur Strukturerneuerung

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Speyer/Ludwigshafen. Wie lässt sich die Vision des Bistums Speyer („Segensort in der Welt sein“) konkret umsetzen? Wie können diese Segensorte gestaltet und langfristig finanziert werden? Um den Haushalt des Bistums mit den deutlich zurückgehenden Mitgliederzahlen und Einnahmen in Einklang zu bringen, müssen historisch gewachsene Einzelpositionen neu justiert werden. In monatelanger Strategiearbeit ist dafür ein Rahmenkonzept entwickelt worden, das jetzt in einer Diözesanversammlung beraten, nachjustiert und mit klarer Mehrheit (73 Jastimmen, sieben Enthaltungen, eine Gegenstimme) verabschiedet wurde.

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zeigte sich sehr dankbar für dieses eindeutige Votum, für die konstruktive Zusammenarbeit, für Kritik, Klarheit und „die Ehrlichkeit beim Mitreden und Mitentscheiden“. In seinen Dank schloss er die Vorsitzende der Diözesanversammlung, Gabriele Kemper, als „wesentlichen Motor des Prozesses“ ein.

Das Konzept enthält jetzt einen zusätzlichen Innovationsetat in Höhe von rund einer Million Euro. Hinzu kommen die Personalkosten für Innovationsprojekte, die auf rund zwei Millionen Euro pro Jahr geschätzt werden. Auf vielen Ebenen suchen Haupt- und Ehrenamtliche nach neuen Wegen, wie und wo die Segensorte-Vision Wirklichkeit werden kann, damit sich die Kirche im Bistum Speyer auch als Werkstatt für kreative Experimente versteht. Der Innovationsetat soll dazu ermutigen, solche neuen Ideen zu erproben, damit Kirche in einer sich rasch verändernden Gesellschaft präsent bleibt. Gemeinschaften und Gemeinden, die am Wachstum von Kirche mitwirken wollen, sollen mehr Möglichkeit bekommen, neue Formen zu entwickeln und zu erproben.

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Prognosen zeigen, dass die Zahl der Katholikinnen und Katholiken bis zum Jahr 2060 um 54 Prozent zurückgehen könnte – durch demographische Faktoren, die geringere Zahl von Taufen sowie durch Kirchenaustritte. Im gleichen Zeitraum dürften die Kirchensteuereinnahmen um etwa 20 Prozent sinken. Der Diözesansteuerrat hat eine Einsparvorgabe von 30 Millionen Euro (pro Jahr) gemacht, die bis 2030 erreicht werden soll. Das Rahmenkonzept empfiehlt Einsparungen in der Bistumsverwaltung, bei den Kirchengemeinden sowie bei Tagungshäusern, die wirtschaftlicher geführt werden müssen.

Der prozentuale Anteil der Zuschüsse an die Caritas- und Fachverbände im Bistumsetat soll – trotz der Sparvorgaben – leicht steigen. Zudem signalisiert das Bistum die Bereitschaft, trotz sinkender Einnahmen auch in Zukunft zehn Millionen Euro im Jahr in Kindertagesstätten zu investieren – die Refinanzierung der darüber hinausgehenden Kosten müsse durch die Kommunen gesichert werden. Katholische Kindertagesstätten (Kitas) sollen gestärkt werden und zu Familienzentren heranwachsen. Das Bistum verantwortet derzeit 235 katholische Kitas mit 16 000 Plätzen. Wie aus den strategischen Zielen hervorgeht, will das Bistum die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche der Pfalz vertiefen.

Obschon die Ausgaben bis 2030 kräftig gesenkt werden müssen, will das Bistum auch künftig in der Lage sein, Menschen in Not zu helfen. So hatte es im Oktober einen Sonderetat von eineinhalb Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um von der Energiepreiskrise und Armut besonders betroffene Menschen im Winter zu unterstützen. Die Hilfen sollen über die acht Caritas-Zentren (Germersheim, Landau, Speyer, Neustadt, Ludwigshafen, Kaiserslautern, Pirmasens, Homburg) ausgezahlt werden. Die Aktion soll bis ins Frühjahr 2023 laufen – bei Bedarf will das Bistum diesen Sonderetat sogar noch weiter aufstocken. is