Missbrauch - Speyerer Bischof kommt während der Aufarbeitung immer wieder an die Grenzen seiner persönlichen Belastbarkeit Bischof Karl-Heinz Wiesemann nimmt Auszeit

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Stephan Alfter
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Speyer. Während der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im Bistum Speyer muss der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit von zwei Monaten nehmen. Wie der 60-Jährige zum Abschluss der digitalen Diözesanversammlung am Samstag mitteilte, sei er schon seit einiger Zeit gesundheitlich etwas angeschlagen. Wörtlich sagte er: „Die letzten Monate waren sehr kräftezehrend für mich. Ich bin immer wieder an die Grenzen meiner persönlichen Belastbarkeit gekommen. Ich bin Ihr Bischof, doch ich habe wie alle Menschen meine persönlichen Stärken, Schwächen und auch Grenzen dessen, was ich ertragen kann.“

Bischof Karl-Heinz Wiesemann hat der Missbrauchsskandal offensichtlich zugesetzt: Er nimmt eine Auszeit von zwei Monaten. Das Bild stammt von 2017. © Jens Schulze/epd
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Während Bischof Wiesemann sich an einem ruhigen Ort außerhalb der Diözese erholen will, soll Generalvikar Andreas Sturm die Leitung des Bistums und Weihbischof Otto Georgens die bischöflichen Amtshandlungen übernehmen. Wiesemann bat die Versammlung, die beiden in den kommenden Wochen nach Kräften zu unterstützen. Niemand solle sich allzu viele Sorgen um ihn machen. Westfalen (Wiesemann stammt aus Herford) hätten ein robustes Naturell. Er spüre, dass er tief drinnen die Kraft habe, auch mit dieser Krise konstruktiv umzugehen. Er brauche nun etwas Zeit, die Quellen wieder freizulegen.

Unter Druck

Das Bistum ist in den vergangenen Wochen und Monaten in verschiedener Hinsicht unter Druck geraten. Neben den Vorwürfen eines heute 63-jährigen Missbrauchsopfers, in einem Speyerer Kinderheim in den 60er und 70er Jahren hundertfach von dem hochrangigen Geistlichen Rudolf Motzenbäcker vergewaltigt worden zu sein, plagen die Katholische Kirche zunehmend Geldsorgen. Bis zum Jahr 2023 muss das Bistum etwa 24 Millionen Euro einsparen. Das liegt vor allem an geringeren Einnahmen aus der Kirchensteuer, wie die Jahrespressekonferenz in der vergangenen Woche deutlich machte. Mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum soll sich eine eigene Kommission befassen, die sich im Frühjahr konstituieren soll.

Als Mitglieder für die Aufarbeitungskommission stehen demnach folgende Personen fest: Bernhard Scholten, ehemaliger Abteilungsleiter im rheinland-pfälzischen Sozialministerium, Anne Sandhöfer, die frühere Vizepräsidentin des Saarländischen Oberlandesgerichts, Mareike Ott von der Organisation „Wildwasser“ und Notruf Ludwigshafen sowie Karl Kunzmann als Vertreter des Katholikenrats im Bistum Speyer. Hinzu kommen nach Angaben der Diözese zwei Mitglieder des Betroffenenbeirats sowie ein weiteres Mitglied, das durch das Bistum benannt wird. Insgesamt werden der Aufarbeitungskommission sieben Personen angehören.

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Das Bistum hatte am 16. Januar die Initiative „Sicherer Ort Kirche“ gestartet. Diese soll Kindern, Jugendlichen und hilfebedürftigen Erwachsenen Schutz vor sexuellem Missbrauch bieten. Einrichtungen, Verbände und Pfarreien sollen nach Darstellung des Bistums institutionelle Schutzkonzepte entwickeln. Deren Ziel ist es, einen Kulturwandel zu mehr Wachsamkeit und Achtsamkeit zu bewirken. Generalvikar Andreas Sturm betonte in der Diözesanversammlung den Zusammenhang von Aufarbeitung und Prävention: „Wir wollen aus den Erfahrungen der Betroffenen lernen, wie wir Kinder, Jugendliche und schutzbedürftige Erwachsene wirksamer schützen können.“ Zugleich warb er für eine differenzierte Betrachtung: „Nicht jeder, der beschuldigt wird, ist auch ein Täter.“

In der Aussprache artikulierten die Mitglieder der Diözesanversammlung tiefe Betroffenheit, aber auch die klare Zustimmung zur Haltung der Offenheit und Transparenz. Angeregt wurde, auch den geistlichen Missbrauch in den Blick zu nehmen und die Sprachfähigkeit zum Thema Missbrauch auf allen Ebenen zu stärken. Betont wurde der Zusammenhang mit dem Synodalen Weg: „Er muss zu sichtbaren Reformen führen. Nur darüber zu reden, ist zu wenig“, machte ein Teilnehmer seine Erwartungen deutlich.

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Redaktion Reporter in der Metropolregion Rhein-Neckar