Stellungnahme

Brennholz ist keine Lösung

Der Stadtverband der Grünen warnt vor dem Verheizen der Baumbestände und plädiert für mehr Bewusstsein

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zg
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Speyer. In einer Stellungnahme äußern sich die Speyerer Grünen zur aktuell steigenden Nachfrage nach Brennholz: „Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die kalten Herbst-/Wintermonate stehen vor der Tür. Der Bedarf und Wunsch nach einem lauschig warmen Zuhause wird in diesem Jahr aufgrund einer möglichen Gasmangellage und den damit einhergehenden massiv steigenden Energie- und Heizkosten getrübt. Es scheint daher naheliegend auf Holz als wärmebringenden Brennstoff zurückzugreifen“, heißt es in der Stellungnahme.

Dass dies zu kurz gedacht sei, hätte mehrere Gründe: Der Waldzustand sei dramatisch und die Wälder hätten noch nie dermaßen gelitten wie derzeit. Dürreperioden, sommerliche Extremtemperaturen und damit verbunden ein struktureller Wassermangel der Wälder hätten zu Absterbeprozessen und schweren Schädigungen des Ökosystems Wald geführt.

Verschärft werde die dramatische Lage des Waldes durch einen enormen Druck auf die Rohstoffreserve Holz. Im Bereich der Wärmeenergie entstehe ein teilweise irrationaler Run auf Brennholz, obwohl sich die Preise binnen Jahresfrist etwa verdoppelt hätten.

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dpa
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„Die Strategie zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Waldökosysteme muss eine Erhöhung des Holzvorrates, einschließlich des Totholzanteils und eine Dichthaltung der Waldbestände zur Folge haben. Nur bei Wiederherstellung des Waldinnenklimas kann der Wald seine Funktion als große Klimaanlage und als Kohlenstoffspeicher erfüllen. Bildlich gesprochen: Die Anforderungen des Waldes und die Gier nach Rohstoffen, insbesondere nach Brennholz stehen sich wie zwei Boxer in der Ringecke gegenüber. Wir können unseren Wald nicht gesunden lassen und ihn gleichzeitig weiter als Rohstofflager strapazieren“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Zudem sei die Verfeuerung von Holz nicht klimaneutral, wie es landläufig kommuniziert wird. Diese trage deutlich zum Treibhauseffekt bei, unabhängig davon, ob die Verbrennung in Form von Waldbränden oder am heimischen Kamin erfolgt. Der über Jahrzehnte im Holz angesammelte Kohlenstoff werde mit einem Schlag als das Klimagas Kohlendioxid freigesetzt, bemängelt der Stadtverband.

Weiter wird klargestellt: „Holz wächst nur an Holz, daher die von uns bestaunte Jahrringstruktur des Rohstoffes. Verheizen wir diesen Rohstoff, verliert der Wald auf viele Jahrzehnte seine Fähigkeit, Kohlenstoff zu binden. In unseren Wäldern gibt es keinen Rohstoff Holz, der noch frei verfügbar wäre. Mittelfristig müssen wir uns von dieser archaischen Form der Holznutzung vollständig verabschieden. Dabei ist es unerheblich, ob die Verbrennung in kleinen Öfen oder in Biomasse- Heizkraftwerken erfolgt. Selbst das im Rahmen der Kalamitäten angefallene Holz wird dringend im Waldökosystem als Nährstoffreserve, als Startkapital für die nächste Waldgeneration und als Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten dringend benötigt.“

Auch die künstliche Verknappung sehen die Speyerer Grünen kritisch: „Der Brennholzboom der vergangenen Wochen zeigt einige Parallelen zur ,Toilettenpapierkrise‘ in den Anfängen der Corona-Pandemie. Die vermeintliche Knappheit führt zu Hamsterkäufen, die das Produkt tatsächlich verteuern. Eine kurzfristige Bereitstellung zur Befriedigung der hohen Nachfrage wäre weder möglich noch sinnvoll. Brennholz sollte mindestens zwei besser drei Jahre gelagert und getrocknet werden, damit die Holzfeuchte unter 20 Prozent absinkt“.

Werde es dennoch vorher verfeuert, führe dies zu steigenden Abgaswerten und das Holz verbrenne unter Freisetzung von Feinstaub und dem für den Menschen gefährlichen Gas Kohlenmonoxid.

Waldbrandgefahr steigt

In der Stellungnahme wird ebenfalls auf eine „nicht zu unterschätzende Waldbrandgefahr“ eingegangen: „Ja, es wird immer wieder vorgetragen: das Totschlagargument mit der Waldbrandgefahr. Daher noch ein kurzer Faktencheck zur Auffassung: Ein aufgeräumter Wald vermindert die Waldbrandgefahr. Es gibt in Mitteleuropa keine Waldbrände, sondern Forstbrände in Nadelwaldbeständen, in denen Stoffe wie Baumharze und Terpene fast explosionsartig verbrennen, so immer wieder in den Trockengebieten von Brandenburg. Das absterbende Holz hat noch immer eine Holzfeuchte von 50 bis 60 Prozent, auch wenn es noch so trocken aussieht. In intakten Waldökosystemen Mitteleuropas wird die Ausbreitung eines Feuers vom Wald selbst verhindert (anders sieht die Gefahr in den Wäldern der Taiga oder der Mittelmeerregion aus). Das Aufräumen des abgestorbenen Holzes schwächt die Vitalität des Waldes und trägt nicht zu einer höheren Widerstandsfähigkeit gegen Waldbrände bei.“

Die Belastung für den Stadtwald mache dem Stadtverband ebenfalls Sorgen. So werde ein großer Teil des Holzeinschlages aus dem Stadtwald verfeuert. Die Stadtwerke Speyer würden Brennholz zur Verfeuerung in Brennöfen in Quartiersheizungen verkaufen. „Nach den Ergebnissen des Forsteinrichtungswerkes ist der Speyerer Wald ohnehin sehr arm an Holzvorräten. Im Sinne einer Klimastrategie und nach den Anforderungen des Artenschutzes muss der Speyerer Wald älter und reicher an Holzvorräten werden. Dies erfordert einen deutlich reduzierten Einschlag gegenüber den bisherigen Hiebsätzen“, wird in der Stellungnahme gefordert.

Es stelle sich somit nicht die Frage, ob zusätzlich Brennholz aus den Waldbeständen bereitgestellt werde, sondern die Frage, wie der „Ausstieg aus der archaischen Nutzung von Holz“ beschleunigt werden kann. Übergangsweise sei die Bereitstellung aus dem Einschlag gebietsfremder Baumarten Robinie, Roteiche oder Götterbaum denkbar, so ein Vorschlag des Grünen-Stadtverbands.

Brennholz sei also keine Lösung für die Wärmekrise. „Wie also reagieren auf den vielleicht anstehenden Wärmemangel? Brennholz ist sicher nicht die richtige Antwort auf den entstehenden Mangel. Einsparung des Konsums, teilweise Verzicht auf Komfort und der rasche Umstieg auf regenerierbare Wärmequellen sind die einzige Alternative. Wälder sind viel zu schade zum Verheizen“, zieht der Stadtverband der Grünen nicht nur als Fazit seiner Stellungnahme, sondern beendet diese noch mit einem Plädoyer für mehr Bewusstsein im Umgang mit endlichen Ressourcen. zg