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Kirchenmusik (mit Fotostrecke) - Neue Chororgel der Gedächtniskirche eingeweiht

Das leise Säuseln der Aeoline

Von 
Uwe Rauschelbach
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Vor dem Konzert führt Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger interessierten Be-suchern die neue Orgel im Altarraum der Gedächtniskirche vor. © Venus

Speyer. Das Programm ist ungewöhnlich. Und die Interpretationen sind es nicht minder. Das erste offizielle Konzert und der Auftakt einer Reihe von Aufführungen an der neuen Chororgel der Speyerer Gedächtniskirche verdeutlichen den Stellenwert dieses Instruments aus der Werkstatt des Bonner Orgelbauers Klais.

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Speyer

Chororgel in der Gedächtniskirche eingeweiht

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Zwar hat die Gedächtniskirche der Protestation mit ihrer Hauptorgel aus dem Hause Kleuker ein durchaus repräsentatives und vielfältig einsetzbares Pfeifenorchester zur Verfügung; doch verhilft die neue, hinter dem Altar installierte Chororgel der Musik zumindest im liturgischen Kontext zu einer deutlich stärkeren Präsenz.

Kammermusikalisch differenziert

Erfahrbar wird das im Konzert, als Christoph Bossert von der Chor- an die auf der Empore postierte Hauptorgel wechselt. Allerdings nutzt der schwäbische Orgelprofessor und Kirchenmusikdirektor das großzügige Klangvolumen dort nicht in der vielfach üblichen Weise, um Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in D-Dur (BWV 532) Gravität und Mächtigkeit zu verleihen, sondern um es vielmehr durch häufige Registerwechsel kammermusikalisch auszudifferenzieren. Auch die verdichtete Klangkomplexität eines Max Reger – so in der e-Moll-Passacaglia – wird in ihrer Monumentalität aufgefächert und gemäß ihrer prozesshaften Entwicklung transparent gemacht.

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An der Chororgel hat Bossert zuvor demonstriert, welch feinen Sinn er für subtile Ausdrucksnuancen und eine klanglich adäquate Umsetzung besitzt. Neben Choralvorspielen von Friedrich Wilhelm Markull („Freu dich sehr, o meine Seele“) und Gottfried August Ritter („In dir ist Freude“) hatte Bossert eigene Bearbeitungen von Klavierwerken Felix Mendelssohn Bartholdys und Franz Schuberts aufs Programm gesetzt. Den romantischen Grundton stattete der Organist mit satten, warmen Farben aus. Selbst im Pianissimo besaß die Chororgel noch genügend Präsenz und offenbarte dabei so etwas wie ein zärtlich-liebevolles inneres Leuchten.

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Dekan Markus Jäckle hatte in einer Ansprache zuvor den Anteil von Landeskirche, Bauverein und Spendern am Bau der neuen Chororgel gewürdigt. Das Instrument weist auf zwei Manualen und einem Pedalwerk 26 Register auf, die durch Koppeln auf insgesamt 34 erweiterbar sind. Dank Untersatz können Bässe eine 32 Fuß-Tiefe erreichen, der höchste Ton lässt sich mit der Rauschpfeife auf dem ersten Manual anspielen. Oboe, Horn sowie Posaune und Trompete verleihen der Orgel solistische Kantabilität, lassen sich aber auch im hymnisch-feierlichen Tutti-Klang gewinnend einsetzen.

Modernste Digitaltechnik

Die Eigenschaften der Chororgel reichen „vom leisen Säuseln der Aeoline bis zum vollen Werk“, wie die Autoren im Programmheft zur Einweihung der neuen Chororgel vermerken. Modernste Digitaltechnik ermöglicht zudem eine individuelle und unaufwendige Steuerung des Instruments. Sie wird per Chip in Gang gesetzt – sofern dieser erkannt wird. Diesbezüglich musste Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger beim Demonstrieren der Technik bereits erste Dissonanzen in Kauf nehmen. Den Musiker zeichnet aus, dass ihn das in keiner Weise an der neuen Orgel zweifeln ließ.

Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).

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