Synagoge

Das Wunder der Begegnung

Ensemble „La Rosa Enflerece“ stellt seine erste CD-Aufnahme vor und überzeugt

Von 
Uwe Rauschelbach
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Das Ensemble in der Synagoge Beith-Schalom mit Daniel Spektor (v. l.), Almut-Maie Fingerle, Johannes Vogt und Almut Werner. © Venus

Speyer. Den Dialog zwischen den Kulturkreisen des Orients und des Okzidents hat das Ensemble „La Rosa Enflerece“ („Die erblühende Rose“) bereits in zahlreichen Konzerten inszeniert. Nun lässt sich die künstlerische Überwindung jener Grenzen und Unterschiede zwischen Ost und West, die in der Geschichte bis heute immer wieder zu notvollen Entwicklungen geführt haben, auch zu Hause nachvollziehen: Die vier in der Region beheimateten Musiker und Musikerinnen legen mit „Dialogo – Orient und Okzident“ ihr erstes Album vor.

Beim Konzert in der Speyerer Synagoge Beith-Schalom präsentieren Almut-Maie Fingerle (Sopran), Almut Werner (Blockflöten), Daniel Spektor (Barockvioline) und Johannes Vogt (Theorbe) Teile der CD. Finanziert wurde die Aufnahme unter anderem über ein Stipendium des Landes Baden-Württemberg. Das einstündige Programm spiegelt die Struktur des Albums wieder – es ist in thematische Blöcke gegliedert, in denen es auf instrumentale wie gesangliche Weise um das Glück der Begegnung geht.

Dabei nimmt die Liebe in all ihren Spielarten natürlich einen breiten Raum ein. Die schmerzliche Sehnsucht nach der Geliebten lässt sich im sephardischen Lied „La Rosa enflerece“, das dem Quartett seinen Namen gab, nacherleben. Die erotische Liebe zu einer Schäferin findet in der „Sonata quinta“ des frühbarocken italienisch-jüdischen Komponisten Salomone Rossi ihren Widerhall. Und im türkischen Lied „Esmerim“ wird dem brünetten Frauentyp gehuldigt.

Ohne befremdende Nebenwirkung

Die Lieder und Instrumentalstücke aus unterschiedlichen Zeiten und Kulturkreisen werden vom vierköpfigen Ensemble auf eine Weise miteinander verzahnt, die jegliche stilistischen Abstoßungseffekte eliminiert. So entsteht ein künstlerisch niveauvoll arrangiertes musikalisches Geflecht, in dem gattungsspezifische Charakteristiken auf scheinbar natürliche Weise miteinander amalgiert werden, ohne dass sich befremdende Nebenwirkungen einstellen. Östliche, europäische und afrikanische Einflüsse finden auf diese Weise völlig unverkrampft zueinander, als seien sie Klangbilder jener Eine-Welt-Vision.

Begegnungen und Dialoge, wie sie in den Stücken vor allem zwischen Mann und Frau geschildert sind, werden im Ensemble denn auch musikalisch nachvollzogen. Immer wieder reizvoll ist hierbei vor allem das Zusammentreffen zwischen Almut Werner, die ein stattliches Arsenal an unterschiedlichen Blockflöten bespielt, und Daniel Spektor, der auf seiner Violine den tänzerisch beschwingten Weisen Schwung gibt, aber auch stilsicher den elegischen und melancholischen Ton trifft.

Johannes Vogt stattet die Arrangements an der Theorbe mit feinsinnigem Spiel aus, während Almut-Maie Fingerle den Liedern dank ihrem hellen und temperamentvollen Sopran ein authentisches, zwischen Folklore und Klassik changierendes Kolorit verleiht. Einprägsam besonders das Lied über ein ägyptisches Mädchen namens Miserlou mit seiner aufsteigenden Tonfolge im Refrain. Ein regelrechter Schlager, dem das Ensemble das sephardische Lied „Adio Querida“ folgen lässt: „Leb’ wohl, Geliebte“.

Ein Lebewohl, das ein vor unterschiedlichen Temperamenten sprühendes Konzert beendet und zugleich ein Wiedersehen verspricht. Mit ihrem ersten Album ermöglicht das Ensemble „La Rosa Enflerece“ das Wunder der Begegnung zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Ort. Eine künstlerische Meisterleistung, die den humanitären Aspekt des zwischenmenschlichen Dialogs mit großer Selbstverständlichkeit in den Mittelpunkt rückt.

Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).

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