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Ehrungen - Schimper auf der „Kurpfälzer Meile der Innovationen“

Ein genialer Naturforscher

Von 
Peter W. Ragge
Lesedauer: 
Freuen sich über die Gedenkplatte für Karl Friedrich Schimper in Mannheim: Edgar Erdfelder (v. l.) Roswitha Henz-Best, Markus Sprengler, Ernst Pernicka, Wilfried Rosendahl und Fritz-Jochen Weber auf der Innovationsmeile. © Thomas Tröster

Mannheim. Direkt vor dem Mannheimer Schloss, in der Bismarkstraße, ist er jetzt verewigt: Der Name von Karl Friedrich Schimper, 1803 in Mannheim geborener und 1867 in Schwetzingen völlig verarmt verstorbener Naturforscher und Geologe, steht nun auf einer Bronzetafel der „Kurpfälzer Meile der Innovationen“. Ihm ist die 26. von 42 geplanten, im Gehweg eingelassenen Platten gewidmet, mit denen Erfindungen und Erfinder aus Technik wie Kultur und Gesellschaft gewürdigt werden.

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Manchmal, so gestand Edgar Erdfelder, eile er an diesen Platten einfach vorbei. „Aber dann sind sie doch ein Gravitationspunkt, der einen unweigerlich anzieht“, so der Prorektor der Universität Mannheim. „Es ist faszinierend zu sehen, welche Vielfalt an ganz unterschiedlichen kreativen Ideen ihren Ursprung in der Kurpfalz hat“, so der Psychologieprofessor.

Dabei sei gerade Schimper ein „herausragendes Beispiel für kreatives und interdisziplinäres Denken“, was ja auch heute an den Universitäten gefordert sei, sagte Erdfelder. Wenn an derartigen Pioniergeist und wissenschaftlichen Mut direkt vor den Toten der Universität erinnert werde, könne und solle dies auch und gerade für Studenten ein „stetiger Motivator“ sein, begrüßte er die Idee der „Kurpfälzer Meile der Innovationen“.

Sie geht auf den früheren Lehrer und ehemaligen Mannheimer CDU-Stadtrat Paul Buchert zurück, der schon in den 1990er Jahren eine bessere Würdigung der Region für ihre Erfinder anmahnte. Daraus entwickelte sich die 2016 Idee zu dem „Mannheimer Walk of Fame“, wie mal Roswitha Henz-Best, ebenso Mannheimer Altstadträtin, unter Anspielung auf Los Angeles sagte, wo im Boden verlegte Sterne aus altrosafarbenem Terrazzo großen Stars gewidmet werden. Gerade die Nähe zu Schloss und Universität solle helfen, dass Touristen wie auch Studenten das wahrnehmen.

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Anerkennung lange versagt

Umgesetzt wird die Idee von einem eigens dazu gegründeten Verein mit Fritz-Jochen Weber an der Spitze und Roswitha Henz-Best als Stellvertreterin. Mit der Stadt Mannheim einigte sich der Verein auf bis zu 42 im Boden verlegten Bronzeplatten mit den Maßen 42 auf 42 Zentimeter. Da hier aber nur wenige Informationen und ein Bild Platz finden, gibt es einen QR-Code, über den weiterführende Angaben auf einer eigens dazu angelegten Internetseite aufrufbar sind.

Zudem ist auf den Tafeln ein Verweis auf die Metropolregion Rhein-Neckar sowie Platz für Name oder Logo von einem oder mehreren Sponsoren. Schließlich kostet eine Platte mit Verlegung und Versicherung für eventuelle künftige Schäden 5500 Euro. Und die Gewinnung von Sponsoren erweist sich oft als nicht so einfach.

Für Schimper standen aber schnell zwei Paten fest: die Curt-Engelhorn-Stiftung für die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen und das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie. „Es ist einfach ganz wichtig, seine Leistung für die Wissenschaft sichtbar zu machen“, begründete das Wilfried Rosendahl, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen. Die Metropolregion müsse „viel mehr mit ihren Pfunden wuchern“, wofür die „Meile der Innovationen“ ein gutes Beispiel sei und die Mannheimer Bundesgartenschau 2023 auch eine gute Gelegenheit böte.

Früh das Klima studiert

„Zeugnisse der Vergangenheit geben Informationen für das Verständnis von Morgen“, wies Rosendahl auf die von den Wissenschaftlern des Curt-Engelhorn-Zentrums betriebene Klimaforschung hin. Auch die Reiss-Engelhorn-Museen bemühten sich ja bewusst um eine Vernetzung von Kultur und Natur, so Rosendahl. Dafür dankte ihnen der Mannheimer Stadtrat Markus Sprengler (Grüne), der in einem Grußwort im Namen des Oberbürgermeisters das Engagement des Vereins würdigte, der ehrenamtlich die „Kurpfälzer Meile der Innovationen“ vorantreibt.

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Dabei ist es immer die stellvertretende Vorsitzende Roswitha Henz-Best, die das Leben und Werk der zu ehrenden Personen aufarbeitet. Vor der offiziellen Enthüllung der Bronzetafel zeichnete sie das Leben des Karl Friedrich Schimper nach, der die Blattstellungslehre entwickelte, der 1837 den Begriff „Eiszeit“ prägte und auf den die frühe Klimaforschung ebenso zurückgeht wie die Entdeckung, dass die Alpen durch Auffaltungen der Erdkruste entstanden sind.

„Doch er war nicht dazu zu bewegen, seine Erkenntnisse als wissenschaftliche Abhandlungen zu veröffentlichen – er fasste sie lieber in Gedichte“, so Henz-Best. „Arglos“, wie die frühere Stadträtin sagte, habe der „geniale Naturforscher“ auch seine Forschungsergebnisse zur Eiszeit einem Freund zur Verfügung gestellt – der sie dann unter seinem Namen publizierte.

Die wissenschaftliche Anerkennung sei ihm daher versagt geblieben. 1849 zog er aus dem von den Wirren der Badischen Revolution erschütterten Mannheim nach Schwetzingen, zunächst in eine Dachkammer vom „Pfälzer Hof“. Später bewilligte ihm der Großherzog eine Pension und stellte ihm eine kleine Wohnung im Schloss zur Verfügung. Dort starb er, durch einen Überfall schwer verletzt, 1867.

Die Reiss-Engelhorn-Museen und das Historische Institut der Universität Mannheim haben am Donnerstag ein Symposium zu Ehren Schimpers abgehalten.

Redaktion Chefreporter

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