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Landesbibliothek

Eine „asoziale“ Pfälzer Familie

Buchvorstellung und Podiumsgespräch zur Stigmatisierung in der NS-Zeit

Von 
zg
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Das Cover zeigt die von Stigmatisierung betroffene Familie. © Llux-Agentur & Verlag

Speyer. Eine Pfälzer Familie erfährt während der Weimarer Republik und in den Jahren unter der nationalsozialistischen Herrschaft ihren sozialen Abstieg. Alfons L. Ims stellt am Mittwoch, 21. September, um 19 Uhr in der Pfälzischen Landesbibliothek sein Buch „Eine ‚asoziale‘ Pfälzer Familie. Wie in der NS-Zeit aus einem Sozialfall moralische Minderwertigkeit gemacht wurde“ vor. Die Buchvorstellung ist in ein Podiumsgespräch eingebettet. Mit Dr. Walter Rummel und Dr. Ulrich Baumann sind ausgewiesene Experten zu den Themen „Nationalsozialismus in der Pfalz“ und „als ‚Asoziale‘ und ‚Berufsverbrecher‘ verfolgte Menschen im Nationalsozialismus“ vertreten.

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Autor Ims (73) ist übrigens das jüngste Mitglied der betroffenen Familiengeneration und er zeichnet deren Schicksal in einer einzigartigen Studie nach. Er beschreibt, wie die Familie bereits in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Weimarer Republik zum Sozialfall wird. Eine dramatische Entwicklung erfährt sie mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Der Familie wird aufgrund ihrer sozialen Situation und früherer politischer Tätigkeit des Vaters ein Teil der kärglichen staatlichen Unterstützung entzogen.

Entsprechend der rassenhygienischen Ideologie und der daraus resultierenden „Asozialenpolitik“ der Nazis werden die Familienmitglieder als „asoziale Volksschädlinge, moralisch minderwertig und angeboren schwachsinnig” behandelt. Die Folge: Die Mutter wird zwangssterilisiert, die Kinder entgehen teils nur durch Zufall der Vernichtung in den Euthanasieanstalten.

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Umfangreiches dokumentarisches Material zeichnet auch den weiteren Verlauf des Schicksals der Familie nach. So zum Beispiel das Schicksal zweier Halbgeschwister, die Anfang 1939 vom Jugendamt Kaiserslautern zur „Fürsorgeerziehung“ in die Diakonissenanstalt Speyer gebracht werden und erst Weihnachten 1951 zurück nach Hause kehren können. Noch heute hat ein Teil der Familie mit Stigmatisierung und Milieuverhaftung zu kämpfen.

Die Diakonissen Speyer haben die Recherche des Autors unterstützt, indem sie die Akten aus dem Mutterhausarchiv zugänglich gemacht haben. Dadurch wurden Recherchen in anderen Anstaltsarchiven möglich. Darüber hinaus unterstützen die Diakonissen Speyer die Publikation auch finanziell.

Alfons L. Ims ist 1949 in Kaiserslautern geboren, der Diplom-Mathematiker war vor seinem Ruhestand in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit tätig. Er ist seit etwa zehn Jahren in verschiedenen Gremien und Gruppen zu den Themen Euthanasie, Zwangssterilisation und „Asozialenpolitik“ der Nationalsozialisten engagiert. Der Autor der Familienbiographie lebt in Neckargemünd.

Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. zg

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