AdUnit Billboard
Kulturbeutel - Vom Mathetest bis zum vergessenen Einkauf wird hier alles auf der Bühne verarbeitet

Eine Bügelszene – in Horror und Fantasy

Von 
Daniela Geis
Lesedauer: 
Beim Kulturbeutel nimmt das „Drama“ seinen Lauf: Aliki Hirsch und Benedikt Crisand von der Theatergruppe „Drama Light“ mit ihrem Improvisationstheater, für das sie sich Anregungen aus dem Publikum holen. © Venus

Speyer. Auf der Bühne des Alten Stadtsaals stehen nur ein Klavier und zwei Stühle. Mehr brauchen die Spielerinnen und Spieler von „Drama Light“ nicht, um das letzte Wochenende des Theater und Kleinkunstfestivals Kulturbeutel einzuläuten. Musiker Danny Jaffé betritt als erster die Bühne und nimmt seinen Platz am Instrument ein. Von dort wird er die ganze Improvisation musikalisch begleiten.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Einige stimmungsvolle Takte später betreten die Schauspieler Aliki Hirsch und Benedikt Crisand die Bretter und begrüßen voller Elan das Publikum. Es gäbe keinen Text, erklären sie allen Impro-Neulingen, alles was auf der Bühne passiere, geschehe spontan und einmalig. Und da sie nichts vorbereitet hätten, müsse das Publikum mithelfen.

Sie halten ihr Versprechen. Gleich bei der ersten Szene werden die Zuschauer aufgefordert die erzählte Geschichte klanglich zu untermalen. Bald pfeift und zwitschert es überall im Saal, zischt und plätschert. Nur unter Kamelgeräuschen kann sich das Speyerer Publikum so richtig nichts vorstellen. Nachdem so die erste Schüchternheit überwunden war, konnte es richtig losgehen.

Locker und symphatisch wenden sich die Künstler an einzelne, ein wenig überforderte Zuschauer. Sie fragen nach Namen, Berufen, Wünschen, Hobbys und Alltagsenttäuschungen, scherzen und nehmen sich Zeit für die Antworten. Denn diese Antworten bieten Stoff für ihre nächsten Szenen, die humorvoll vom unangekündigten Mathetest bis zu den vergessenen Einkäufen des Mannes alle Anekdoten des Publikums aufgreifen.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Der Wiedererkennungseffekt

Die meisten Befragten lachen laut, als sie ihre Geschichten unerwartet auf der Bühne wiedererkennen. Auch nach einer kurzen Pause hält die gute Laune ungebremst an und die Akteure warten mit einem Repertoire an klassischen oder leicht abgewandelten Impro-Theaterspielen auf. Ein Verbrechen wird aufgedeckt, bei dem zur Abwechslung sogar mal der Kommissar weiß, was passiert ist und der Täter ist schnell ermittelt. Alltagsszenen werden schneller gespielt oder wechseln ganz das Genre. Während der Musiker schaurige Klänge produziert und tief in das Klavier greift, mordet man auf der Bühne mit dem Bügeleisen. Besonders das gelungene Zusammenspiel von Schauspiel und Musik machen diesen „Genre-Replay“ einer Bügelszene in Horror und Fantasy zum Erfolg.

In einem Solo beweist Pianist Jaffé seine beeindruckende Flexibilität, indem er nach Wunsch des Publikums Pippi Langstrumpf scheinbar mühelos in ein Klassik-, ein Jazz- und ein Swing-Stück verwandelt. Er erntet dafür begeisterten Applaus.

Die Spielfreude der Darsteller und die feinfühlige Musik, die die Stimmungen auf der Bühne gekonnt einfängt oder eigene Impulse setzt, ergänzen sich zu einer gelungenen Vorstellung für jeden, der sich gerne überraschen lässt und keine Scheu hat.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1