Einzelhändler in Speyer appellieren mit Video an Bundesregierung

Von 
Jürgen Gruler
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Die Gilgenstraße an einem Samstag weitgehend menschenleer – ein Plakat im Schaufenster von Zweirad Stiller weist auf die Misere der Speyerer Händler hin. © Venus

Speyer. „So kann es nicht mehr weitergehen“, darüber sind sich die Einzelhändler in Speyer einig. Keiner kann sich eine Fortsetzung des Lockdowns bei ausbleibenden Hilfen mehr leisten. Viele sind verzweifelt, einige haben bereits ihre Mietverträge gekündigt und müssen aufgeben.

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Jetzt hat die Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“ eine Aktion gestartet und fast alle Händler machen mit und hängen auffällige gelbe Plakate in ihre Schaufenster - der Tenor: „Hilfe! Wir können nicht mehr! Innenstädte erhalten! Einzelhandel und Gastronomie liegen am Boden. Wir brauchen jetzt Hilfe, die ankommt!“

Vorsitzender Peter Bödeker hat zudem zusammen mit seinen Söhnen ein Video gedreht, das sich direkt an die Bundesregierung richtet und in dem die Forderungen der Händler auch breite politische Unterstützung finden. Er fragt: „Sehr geehrte Bundesregierung, wissen Sie wie es ist, wenn man nicht nur um seine eigene Existenz bangt, sondern auch um die seiner Mitarbeiter und deren Familien? Wenn ihre Umsätze auf null gehen und sich trotzdem noch Berge von Rechnungen monatelang häufen und sie schon gar nicht mehr auf ihr Konto schauen wollen? Wenn die Ware vom Winter voll am Lager liegt und sie keine Chance haben, diese zu verkaufen?“

Axel Haubrock vom Modehaus Kissel unterstreicht das, berichtet davon, dass man als seriöser Speyerer Einzelhändler natürlich Rücklagen gebildet habe, diese aber nach vier Monaten Lockdown aufgebraucht seien. Willi Reichardt vom „Haartrend“ berichtet von den großen Investitionen in Trennwände, Luftreinigungsgeräte und Hygienemaßnahmen, an Schulungen für Mitarbeiter, die alle nichts genutzt hätten, weil man trotzdem zwangsweise geschlossen wurde.

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Unterstützung gibt’s auch von regionalen Politik. CDU-Landtagsabgeordneter Michael Wagner fordert, dass „dringend die finanzielle Unterstützung kommen muss“. SPD-Landtagskandidat Walter Feiniler sagt: „Wir brauchen jetzt eine Zukunftsperspektive, wie wir in Speyer nach dem 7. März wieder öffnen können.“

Sogar Domkustos Dr. Christoph Kohl spricht von einer „dramatischen Lage, die für viele existenzbedrohend“ sei. Er habe sich beim Einkauf in den Fachgeschäften sicher gefühlt, alle hätten die Maßnahmen streng eingehalten. Michael Schmitt vom gleichnamigen Modehaus für Männer betont, dass man nicht zu den Corona-Leugnern gehöre, aber die Politik jetzt öffnen müsse, wenn sie die Innenstädte noch retten wolle: „Wir können unsere Kunden sicher bedienen, das haben wir bewiesen“, so Schmitt. „Die versprochenen Hilfen müssen in diesen Bereichen jetzt ankommen, es ist nicht fünf vor zwölf sondern fünf nach zwölf“, bestärkt Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler ihre Händler.

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Das Video sehen Sie hier.

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Eine Grafik mit den aktuellen Corona-Zahlen gibt's hier:

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Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.