Stadthalle - Zehn Narren bekommen den Goldenen Löwen verliehen / Karnevalisten sind in den Vereinen fest verwurzelt Fasnacht liegt ihnen im Blut

Von 
Susanne Kühner
Lesedauer: 

Speyer/Region. Der Sonntag war für 329 aktive Fasnachter ein besonderer Tag. In der Stadthalle wurden sie mit der zweithöchsten Auszeichnung der Vereinigung badisch-pfälzischer Karnevalvereine ausgezeichnet. Über den Tag verteilt erhielten Frauen und Männer aus der Vorder- und Westpfalz sowie aus Mittel- und Nordbaden den Goldenen Löwen.

AdUnit urban-intext1

Gleich zweimal wurde ein Mutter-Tochter-Gespann vom Vereinigungs-Präsidenten Jürgen Lesmeister auf die Bühne gerufen. Bei Anneliese Strottner war es Tochter Stefanie gewesen, die den Weg zum Plankstadter Carneval Club „Blau-Weiß“ 1969 klar gemacht hat. Die „Klackerschuhe“, in denen die Tänzerinnen damals unterwegs gewesen sind, haben den Ausschlag gegeben.

„Steilschuhe hat sie die immer genannt“, erinnert sich Anneliese Strottner. Während die Tochter tanzte, wurde die Mutter zunächst Betreuerin der Garde, bevor sie selbst trainierte. Bis zum Damen- und Herrenballett ging der Einsatz. „Jetzt hab ich meiner Mutter alles abgenommen“, wirft Stefanie Strottner ein.

„Das ist schon kein Hobby mehr, sondern gehört zum Leben“, meint die 29-Jährige. Anneliese Strottner (55) wird konkreter: „Das ist eine Lebensauffassung. Wir wollen das Brauchtum hochhalten.“ Gemeinsam den Goldenen Löwen entgegenzunehmen, war für die beiden etwas Besonderes.

AdUnit urban-intext2

Annemie (54) und Lisa-Marie (25) Ramm sind in der Schwetzinger Carneval-Gesellschaft fest verwurzelt. „Ich habe selbst getanzt und als meine Tochter geboren wurde, war klar, dass die Leidenschaft an sie übergeht“, sagt Annemie Ramm. Schon mit drei Jahren stand Lisa-Marie auf der Bühne, offiziell gewertet wurde ihr Einsatz ab dem Alter von sechs Jahren. „Mit 13 habe ich zum ersten Mal ein Tanzpaar trainiert“, informiert sie. Bis heute leitet Lisa-Marie Ramm – mittlerweile Cheftrainerin der SCG – dieses an.

Während es bei ihr der Tanzsport ist, der die Fasnacht ausmacht, zählt bei ihrer Mutter zusätzlich die viele Freude im Verein. „Ohne ihn geht nichts mehr. Er ist ein Teil vom Leben“, betont sie.

Tochter Melissa ist Prinzessin

AdUnit urban-intext3

Fasnacht im Blut hat die 46-jährige Jeanette Huck (kleines Bild) vom Carneval Club Blau-Weiß Hockenheim 1989. Die Oma stand noch mit über 80 Jahren bei den „Stichlern“ in Mannheim-Sandhofen in der Bütt, die Tante war dort Prinzessin. Die Ehre wurde Huck 2006/07 in Hockenheim zuteil und aktuell ist sie stolz auf Tochter Melissa, die im November zur fünften Hoheit der Rennstadt gekürt wurde.

AdUnit urban-intext4

Ansonsten hat Huck alles durchlaufen, was die Fasnacht so zu bieten hat. Elferrat, Bütt, Tanz, sieben Jahre als Vorsitzende – überall brachte sich die jetzige Vize-Präsidentin mit Leidenschaft ein. „Mir gefällt die Gemeinschaft mit den ganzen Leuten, dass man Freundschaften schließt – manchmal fürs ganze Leben“, erklärt Huck. Als Riesenfreude bezeichnete sie die Verleihung des Goldlöwen. Dass für ihr außergewöhnliches Engagement zwischen schmutzigem Donnerstag und Aschermittwoch zu Hause „alles außer Kontrolle“ gerät, nimmt sie von Beginn ihrer Karnevalskarriere an gerne auf sich.

Von der Tanzsportgarde Plankstadt wurde Sarah Meister (kleines Bild) ausgezeichnet, die sich stolz darauf äußerte, ihrem Hobby so lange treu zu sein, dass das nun mit dem Goldenen Löwen belohnt wird. Im Karnevalclub Nußloch startete sie mit Gardetanz, wechselte 2014 nach Plankstadt, um auf Turniere gehen zu können. „Wir waren mit den ,Roten Funken’ mehrfach auf der süddeutschen Meisterschaft und haben bei Gardebällen oft einen Treppchenplatz geholt“, berichtet sie. Das Tanzen generell ist es, das Meister nach wie vor an der Fasnachtszeit begeistert.

Unverhofft wurde Bernd Büchner (kleines Bild) von einer karnevalistischen Welle mitgerissen. „1998 hat mich der damalige Präsident angesprochen. Fasnacht war eigentlich nicht meine Welt“, denkt er zurück. Überzeugen ließ sich Büchner und stieg als Senator beim Fasnachts-Komitee „Die Luxe“ 1996 Altlußheim ein. Das Ergebnis laut Büchner: „Ein Jahr später wurde ich in den Vorstand gewählt, fünf Jahre lang war ich zweiter Vorsitzender und elf Jahre lang habe ich mich um den Wagenbau gekümmert.“

Für fünf Umzüge pro Saison mussten die Festwagen ausgerichtet sein. Den Goldenen Löwen zu erhalten, empfindet Büchner als Ehre. „Den bekommen Senatoren nicht immer einfach so“, weiß der 66-Jährige.

Als sehr persönliche Auszeichnung sieht Uwe Götz (64) vom Karnevalverein „Rohrhöfer Göggel“ den Orden. Auslöser dafür, in den Verein einzusteigen, sei der Schwiegervater gewesen. „Er war im Senat und gleichzeitig der Betreiber der Gaststätte, die als Vereinslokal genutzt wurde“, lässt Götz wissen. Er selbst ist gerne als Senator mit und für seinen Verein unterwegs, auch auf anderen Veranstaltungen. „Für mich steht die Fasnacht weiterhin im Vordergrund“, versichert er.

Immer noch stetig dabei

Der Karnevalverein Reilingen „Die Käskuche“ war ebenfalls mit Abordnung in die Stadthalle gekommen, um Brigitte Träutlein und Stefan Zeilfelder (54) bei der Verleihung zu begleiten. Beide neuen Löwenträger haben jeweils durch die Töchter die fünfte Jahreszeit kennengelernt. Zeilfelder begann als Beisitzer, wurde stellvertretender Vorsitzender und Präsident und ist nun im aktiven Ruhestand. „Aber ich bin immer noch stetig dabei“, betont er. Stolz ist Zeilfelder auf den Goldenen Löwen, der etwas Besonderes sei.

Träutlein (62) kam über den CC Blau-Weiß Hockenheim zu den „Käskuche“, trainierte die Jugendgarde und zog vor sieben Jahren den Elferratskittel an. „Ich bin glücklich, den Goldenen Löwen zu erhalten“, unterstreicht Träutlein. Bilder: Kühner