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Friedhofsentwicklung - Mehr als die Hälfte sind inzwischen Urnenbestattungen / Neue Formen der Grablege kommen bei den Angehörigen gut an / Besonderheiten pflegen

Letzte Ruhe unterm großen Baum finden

Von 
Susanne Kühner
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Die Friedhofskultur in Deutschland ist nun „Immaterielles Kulturerbe“. 140 Jahre nach der ersten Bestattung wurden jetzt auf dem Speyerer Friedhof einige Schilder dazu installiert und enthüllt. Hier gibt es sogar runde Gräberfelder rings um einen Baum. © Klaus Venus

Speyer. Unter 13 verschiedenen Grabformen können Angehörige inzwischen auf dem Speyerer Stadtfriedhof wählen. Erweitert wird das Angebot nun an Baumgräbern. Neu hinzugekommen ist ein Gartengrabfeld, das als naturbelassene Oase die Struktur des Gottesackers aufweicht. Der erste Bauabschnitt dazu ist fertig. 800 Quadratmeter sind dafür bearbeitet worden. Höhen wurden durch Erdhügel geschaffen, geschwungene Wege vor einem halben Jahr angelegt. Der gesamte Bereich zeigt sich zurzeit als blühende Pracht – dank der Wildblumenmischung.

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Speyer

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Hartmut Jossé, der Leiter des Speyerer Standesamtes und damit auch zuständig für den Friedhof, spricht begeistert vom jüngsten Bestattungsbereich, der angelegt wurde. „Landschaftsgärtnerisch soll der etwas zu bieten haben“, merkt er an. In diesem Bestreben ist das Friedhofsteam übrigens von Fachmann Steffen Schwendy aus der Abteilung Stadtgrün unterstützt worden.

Die ersten Anfragen sind schon da

„Hier sind sowohl Erd- als auch Urnenbestattungen möglich“, so Jossé: „Erste Anfragen gibt es schon.“ Für die zuständige Beigeordnete Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) ist die Entwicklung positiv. „Es ist richtig gut, dass nicht nur die Biodiversität gelebt wird, sondern es wird hier auch etwas fürs Auge geboten.“

Stark nachgefragt sind seit mehreren Jahren die Baumhain- und die Baumgräber. Deshalb wurde gerade eine weitere Fläche vorbereitet, auf der Verstorbene unter vier stattlichen Stämmen beigesetzt werden können. „Optisch wollen wir hier neue Wege gehen“, merkt Jossé an. Statt eines Kreises wie bisher soll nun eine U-Form entstehen. „In der Mitte wird dann eine Bank aufgestellt in 360-Grad-Form“, ergänzt er.

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An einer anderen Stelle auf dem Friedhof sind zwei weitere runde Baumgrabstandorte eingerichtet worden. Wie groß der Bedarf ist, zeigt das Beispiel einer Stelle, die 2018 angelegt worden ist. Binnen zwei Jahren waren 60 Plätze belegt. Modifiziert wurde die Ausfertigung, so Jossé: „Wir haben ein Grabkammersystem eingerichtet.“

Das bedeutet: Im Vorfeld von Bestattungen sind bereits Rohre unter den vorgesehenen Grabstellen in die Erde eingelassen worden. „So verhindern wir, dass durch Erdbohrungen das Wurzelwerk von Bäumen geschädigt wird“, so Jossé. Über 2000 Bäume sind auf dem Friedhof zu finden. Den Bestand, vor allem die historisch gewachsenen Riesen wie Mammutbäume, gelte es zu schützen und zu erhalten.

Grundsätzlich spricht Jossé von einem kontinuierlichen Anstieg an Urnenbestattungen. 271 – also 55,7 Prozent aller Trauerfälle – sind es im vergangenen Jahr gewesen. Damit liegt Speyer unter dem Landesdurchschnitt von inzwischen fast 70 Prozent. „Die Erdbestattungen werden bei uns durch die Nonnen- und Pfarrergräber und durch die Bestattungen von Sinti und Roma hochgehalten“, gibt Jossé zu bedenken.

1181 Sterbefälle wurden 2020 insgesamt in Speyer beurkundet, davon 486 auch hier bestattet. Das entspricht etwa dem Durchschnitt von rund 100 Toten pro Monat. Der stärkste Sterbemonat war der Dezember, so Jossé. An die Kapazitätsgrenze habe dieser das Friedhofsteam bei den Kühlzellen gebracht. Die sind – ebenso wie die Trauerhalle – in den zurückliegenden Monaten renoviert und umgestaltet worden. Im derzeitigen 140. Jahr des Bestehens des Speyerer Friedhofs konnte außerdem eine besondere Auszeichnung an den Eingängen angebracht werden. Beworben hat sich die Stadt um das Label „Immaterielles Kulturerbe“ bei der Unesco. Erst im März 2020 beschloss die Kommission, die Friedhofskultur in diesen Bereich mit aufzunehmen. „Wir waren einer der ersten Friedhöfe, die die Auszeichnung erhalten haben“, berichtet Jossé. Unter anderem soll damit die Vielfalt der Trauerkultur repräsentiert werden.

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Stillstand gibt es auch weiterhin nicht: Geplant ist eine Vortragsreihe verschiedener Dienstleister in der Trauerhalle und virtuelle Führungen zu besonderen Grabstätten oder auch als Hilfestellung zur Auswahl der persönlichen Grabart.

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