Literatur - Monika Helfer eröffnet die Reihe Speyer.Lit verspätet

Saga in drei Teilen

Von 
Uwe Rauschelbach
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Speyer. Josef und Maria leben am Rand eines österreichischen Bergdorfs. Hier lässt Monika Helfer die Geschichte ihrer Familie beginnen: Mit dem Briefträger, der Josef den Stellungsbefehl überbringt, womit der Erste Weltkrieg seine schleimigen Tentakel bis in die hintersten Winkel dieser bäuerlichen Land-idylle ausstreckt.

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Ihren Roman „Bagage“ setzt Monika Helfer wie ein mit Kohlestiften gemaltes Bild in Szene. Ein Bild, das die Schriftstellerin gleichsam entwirft, wie selbst betrachtet. „Bagage“ ist der erste Teil einer Romantrilogie, die mit „Vati“ in diesem Jahr eine Fortsetzung gefunden hat und mit „Löwenherz“ über den Bruder Richard sein Schlussstück erhalten soll, wie Helfer bei ihrer Lesung in Speyer ankündigt.

In Zusammenarbeit mit dem Spei’rer Buchladen startete jetzt verspätet die städtische Reihe Speyer.Lit mit Autorin Monika Helfer. © Venus

Kultur-Fachbereichsleiter Matthias Nowack hatte zuvor die pandemisch arg gebeutelte Reihe Speyer.Lit neu angestoßen, nachdem sämtliche neun für Februar und März geplanten Lesungen hatten abgesagt werden müssen. Einige der Autoren werden nun über das Jahr verteilt und im kommenden Frühjahr zu erleben sein. Am Dienstag, 15. Juni, ist die aktuelle Trägerin des Deutschen Buchpreises, Anne Weber, zu Gast.

Schmucklose Staffage

So bildhaft Monika Helfer ihre Szenen entwirft, so authentisch wirken sie in ihrer schmucklosen, beinahe kargen Staffage. Mag die Schriftstellerin ihre Familiengeschichte fiktional angereichert haben, wie sie mit Blick auf das eher unzuverlässige Erinnerungsvermögen einräumt, so bekommen die Leser und Hörer davon nichts mit.

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Doch der auf Verknappung beruhende und von Larmoyanz völlig befreite Sprachwitz geht beim Hören verloren. Auch jene Passagen aus ihrem aktuellen Roman „Vati“ gibt die Autorin mit heiserer, artikulationsarmer Stimme zum Besten, ohne Interesse an einer plastischen Vermittlung des Textes erkennen zu lassen.

Zum Schreiben habe sie sich erst entschlossen, als die meisten Mitglieder ihrer Familie nicht mehr am Leben gewesen seien. Sie habe sie nicht beschämen wollen, erklärt Monika Helfer nach dem offiziellen Teil ihrer Lesung. Ihre beiden Romane sind gleichwohl frei von indiskreten, zumindest peinlichen Bekenntnissen und halten damit die Balance an der Grenze zwischen Biografie und Roman.

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In Speyer hätte man über all das gerne noch mehr erfahren; doch von der Möglichkeit, Autorin Monika Helfer noch zu befragen, wollte das wegen der Hygieneregeln kühl auf Abstand gehaltene Publikum keinen Gebrauch machen.

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Info: Mehr Fotos von der Lesung auf www.schwetzinger-zeitung.de

Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).