Schmerz statt Freude

Jürgen Gruler hält wenig von automatischen Erinnerungen

Von 
Jürgen Gruler
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Gratuliere Matthias zu 23 Jahren im Technik Museum. Als ich gestern früh diese Erinnerung des sozialen Netzwerks LinkedIn in meinen E-Mails fand, gefror mir mein Lächeln förmlich im Gesicht und eine Träne drückte sich aus dem rechten Augenwinkel. Denn mein Freund Matthias ist nun schon fast vier Jahre tot. Und mir fehlt das verschmitzte Lachen des „gemütlichen Dicken mit Herz“, der alles wusste, was das Speyerer Technik Museum und dessen Exponate so ausmacht, sehr. Schade, dass er nicht mehr bei uns ist.

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Und blöd, dass das Internet nichts vergisst, eben auch die einmal eingegebenen Jahres- und Geburtstage nicht. Deshalb halte ich ehrlich gesagt wenig vom wilden hin- und hergratulieren zu Geburtstagen, nur weil einen das soziale Netzwerk daran erinnert. Auch nicht davon, dass ich mit Facebook-Freunden gerade bei bunt fliegenden Luftballons den Jahrestag unserer Freundschaft feiern soll. Denn Freundschaft bedeutet mehr, als Posts auf Plattformen zu teilen. Freundschaft bedeutet privat für mich persönlich in Kontakt sein, sich die Hand zu geben, sich zu umarmen, wenn man sich sieht, auch mal unverhofft einen dicken Schmatz ins Gesicht zu bekommen – und das wird hoffentlich bald wieder möglich sein, weil es mir fehlt.

Einige Freunde sind leider nicht mehr dabei beim nächsten Gartenfest, sie geistern nur noch durch die virtuelle Welt von LinkedIn und Co. Mich hat der Hinweis jetzt dran erinnert, mal wieder einen Spaziergang über den Friedhof zu machen und ihnen ein paar Blümchen hinzustellen. Dann hatte diese Erinnerung ja doch noch einen Sinn.