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Seelsorge - Im Gespräch mit Thomas Stephan zur Lage der Kinder

Schule sollte integrierend sein

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Speyer. Für die Kinder und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz hat ja schon das Schuljahr begonnen. Die Schulseelsorger sind besonders nah dran an den Erfahrungen, Befürchtungen und Hoffnungen der jungen Menschen. Thomas Stephan, Leiter der Abteilung Lernkultur und Schulseelsorge im Bistum, spricht über die aktuelle Situation zu Pandemiezeiten.

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Seit über einem Jahr bestimmt die Corona-Pandemie das Geschehen. Was macht das mit Kindern?

© stp_Interview Schulseelsorge

Thomas Stephan: Ihnen geht es nicht viel anders als Erwachsenen, sie wollen Normalität, Freiheit und ein möglichst unbeschwertes Leben. Einschränkungen jeglicher Art stressen sie und vor allem die Begrenzung sozialer Kontakte hat besonders gravierende Folgen, da diese einen wichtigen Beitrag zur Identitätsbildung leisten. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche gewesen, die schon vor der Pandemie familiären, psychischen und psychosoziale Belastungen ausgesetzt waren. Viele sind in dieser Zeit abgetaucht und erst mit der Öffnung der Schulen hat sich ein erstes Bild der Lage ergeben. An dieser Stelle ist Schulseelsorge in Kooperation mit der Schulsozialarbeit und dem schulpsychologischen Dienst besonders gefordert.

Zweimal waren die Schulen für längere Zeit geschlossen, die Schüler und Lehrkräfte mussten auf Fernunterricht per Video ausweichen. Was hat das für die Kinder und Jugendlichen bedeutet?

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Stephan: Der anfängliche Reiz des Neuen, des Auslotens der technischen Möglichkeiten, ist relativ schnell einer Ernüchterung gewichen. Die Grenzen und Anfälligkeit der Technik wurden offensichtlich, vor allem aber ist deutlich geworden, dass das Erlernen von neuen Inhalten im Fernunterricht und per Video um ein vielfaches schwieriger ist als im realen Präsenzunterricht. Dadurch wurde das Elternhaus bei der Vermittlung von Unterrichtsinhalten entscheidend, was zu einer zusätzlichen familiären Belastung geführt hat und nicht selten zu einer Überforderung wurde. Hieraus erwuchsen nicht selten innerfamiliäre Konflikte, die die Situation der Kinder negativ beeinflusst haben.

Das Festhalten am Präsenzunterricht wird von vielen Bildungsexperten als zentral eingeschätzt. Warum ist der Präsenzunterricht so wichtig?

Stephan: Der Präsenzunterricht ermöglicht ein umfangreiches und mehrdimensionales Lernen. Wichtig ist das Wissen um die verschiedenen Lerntypen, die in jeder Klasse vorzufinden sind. Hierzu zählen der auditive, visuelle, kommunikative, kognitiv-intellektuelle und motorische oder haptisch-kinästhetische Lerntyp. All diese Lerntypen wollen unterschiedlich angesprochen und bedient werden. Ein möglichst breites Spektrum an Zugangs- und Lernmöglichkeiten ist entscheidend für den Lernerfolg. Außerdem spielen das Lernklima, die Präsenz der Lehrkraft, das Miteinander und der Austausch mit Klassenkameraden eine nicht zu unterschätzende Rolle. Nur der Präsenzunterricht kann dauerhaft diesen komplexen Prozessen Rechnung tragen. Außerdem besteht während des Präsenz-unterrichts leichter die Möglichkeit pädagogischer Interventionen, wenn schulische und persönliche Problemlagen zur Sprache kommen.

Die Impfkommission hat eine Impfempfehlung für Kinder ab 12 Jahren ausgesprochen. Was bedeutet das für die Schulen?

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Stephan: Diese Empfehlung kann zu einer herausfordernden Situation führen. Im System Schule, in dem es schnell zu gruppendynamischen Prozessen kommt und es für den Einzelnen nicht immer leicht ist, sich zu behaupten und seinen Platz zu finden, besteht die Gefahr der Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen, die sich aus welchen Gründen auch immer nicht impfen lassen. Die Meinung und Einstellung des Elternhauses kann zu spürbaren negativen Konsequenzen für das Kind führen, was von schulischer und schulseelsorglicher Seite dringend unterbunden werden muss. Der Sinn und Zweck von Schule kann nicht eine polarisierte „Zweiklassengesellschaft“ sein, die sich ablehnend gegenübersteht. Wir müssen unserer integrierenden Funktion gerecht werden und auf alle eingehen, sodass trotz unterschiedlicher Einstellungen beim Impfen ein gutes Miteinander möglich ist. is

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