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Konzert - Musik zum Totensonntag mit der Speyerer Kantorei sowie Clara und Marie Becker / Respektable Darbietung von Brahms „Deutschem Requiem“

Tapfere Ewigkeitshoffnung und großes Geläut

Von 
Uwe Rauschelbach
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Speyer. Der Tod ist kein Mysterium. Sondern ein Vorgang, der alles, was lebt, einmal ereilt. Mit dem Schnitter, der die Blumen mit dem Messer abschneidet, wird er im Gedicht eines Unbekannten zu Beginn des 17. Jahrhunderts verglichen. Zu einer Zeit, da der große Krieg wütete und der Schnitter mehr als genug Arbeit hatte. In der Speyerer Gedächtniskirche hallte das von Johannes Brahms vertonte Memento Mori in aller Nüchternheit, aber eben auch mahnend nach.

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Damit war das Thema dieses letzten Sonntags im Kirchenjahr, des Totensonntags, intoniert. Die Speyerer Kantorei ließ vier Strophen des Liedes „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“ unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger in ausdrucksvollen Stimmregistern erklingen.

Zuversicht statt Totenklage

Unterdessen ist der 1943 entstandene Zyklus „Visions de l’Amen“ von Olivier Messiaen als Lamento über die Schrecken des Krieges zu verstehen, aber auch als Hinführung zur Sphäre des Göttlichen, weshalb das für zwei Klaviere geschriebene Werk weniger einen Charakter als Totenklage denn als Dokument einer von Hoffnung durchströmten religiösen Glaubenshaltung besitzt. Beim Konzert in der Gedächtniskirche wirkte der Aspekt der Zuversicht umso glaubhafter, als der Abschnitt über Jesu Todeskampf gestrichen wurde.

Von den ersten Takten an ließen Clara und Marie Becker den mysteriösen Zauber dieses Werkes spürbar werden. Die schillernden Glockentöne im Diskant, das Kreisen der Planeten, das Tirilieren der Vögel – all das wurde von den Zwillingsschwestern an zwei Flügeln in schimmernden Klangfarben auf eine imaginäre Leinwand gebracht, wo sie erstrahlten.

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Die hallige Akustik in der Gedächtniskirche würdigten die beiden jungen Pianistinnen ebenso mit Sorgfalt wie mit der Betonung auf Prägnanz und Transparenz. Zuweilen schienen dynamische Verläufe und artikulatorische Nuancen ein wenig zu verdunsten, was den schillernden impressionistischen Klangvaleurs freilich eine umso geheimnisvollere Aura verlieh. Mit dem großen Glockengeläut, das an diesem Abend zu besonderer Bedeutung gelangen sollte, fanden die beiden ausgezeichneten Interpretinnen zur mächtigen finalen Steigerung.

„Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms stand im Mittelpunkt dieses Konzerts, das der Tatsache der zeitlichen Begrenztheit menschlichen Lebens aus biblischer Perspektive mit tapferer Ewigkeitshoffnung entgegentritt. Die Kantorei wurde dabei von den beiden Pianistinnen begleitet, die eine Bearbeitung für zwei Klaviere von August Grüters zu Grunde legten. Zuweilen hätte die Begleitung etwas markanter und dynamischer klingen können, sind die stimmlichen Herausforderungen für einen solchen Chor doch ohnehin beträchtlich und wachsen diese mit dem Verzicht auf eine tragende Orchesterbegleitung noch erheblich.

Abgesehen von einigen intonatorischen Schwächen, einem zahlenmäßig etwas schwachen Bassfundament und gelegentlichen Verzögerungen in den Einsätzen – etwa in den schwierigen fugierten Passagen – bewältigte die Kantorei ihre anspruchsvolle Aufgabe mit einer überaus respektablen Darbietung. Dem standen Agelika Lenter (Sopran), erst recht aber Timothy Sharp (Bariton) in nichts nach.

Zum Schlussgesang „Selig sind die Toten“ gesellte sich langanhaltendes Abendgeläut – als harmonische Provokation an die Leistungsbereitschaft des Chores wie als feierliche Untermalung.

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Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).

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