Kinder- und Jugendtheater - „An der Arche um acht“ als tiefgängig-leichtfüßige Weihnachtsproduktion Taube und drei Pinguine überflügeln Ochs und Esel

Von 
Matthias Mühleisen
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Ärger auf der Arche: Die Taube (Véronique Weber) regt sich über die Pinguine (Oliver Fobe, Denis Bode und Johannes Haus, nicht im Bild) auf, weil die die Löwen aufgeweckt haben. Zumindest entdeckt sie so nicht, dass ein Vogel zu viel an Bord ist. © Venus

Speyer. Taube und Pinguine statt Ochs und Esel, ein Schiff anstelle einer Krippe, kein Tannenzweig, sondern einen vom Ölbaum – und das soll ein Weihnachtsstück sein? Und ob! In „An der Arche um acht“ wird beim Kinder- und Jugendtheater zwar keine Geburt gefeiert, sondern die Rettung vorm Ertrinken, ersetzt eine schwankende Glühbirne den heimeligen Kerzenschein, und trotzdem ist das Werk von Ulrich Hub eine einzige frohe Botschaft. Und die wird mit so viel Esprit und guter Laune vermittelt, dass Julis „Geile Zeit“ den weitaus passenderen Soundtrack liefert als „Stille Nacht“ und Co.

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Mit verblüffender Leichtigkeit behandelt Ulrich Hub, laut Theaterleiter und Regisseur Matthias Folz der meistgespielte Autor des Jahres, eine ganze Reihe von existenziellen Fragen: Gibt es Gott? Ist Gott ein Mann oder eine Frau? Mag er/sie Käsekuchen? Wann ist der Pinguin gut und gottgefällig – und was passiert, wenn nicht?

Es menschelt gewaltig am Südpol: Drei Pinguine (befrackt und spielfreudig: Denis Bode, Oliver Fobe und Johannes Hauser) kriegen sich ständig in die Haare, belehren sich gegenseitig mit ihrem Halbwissen, spielen sich auf, machen einander runter – doch wenn es darauf ankommt, halten sie zusammen und tun das Richtige.

Dann nämlich, als die Taube (herrlich wichtigtuerisch überdreht: Véronique Weber) die Sintflut verkündet und die letzten beiden Tickets für die Arche verteilt. Im Trubel des Ablegens im strömenden Regen gelingt es den Pinguinen, ihren dritten Mann in einer Seekiste an Bord zu schmuggeln und mit Chuzpe trotz mancher Tollpatschigkeit vor den strengen Augen (und der empfindlichen Nase) der Taube zu verbergen.

Amüsant ungleiches Vogelpaar

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Die ist mit ihrer Aufseherrolle zunehmend überfordert, da sich nicht nur die schwarz-weißen Wasservögel danebenbenehmen. So entdeckt sie deren Schwindel erst am 40. Tag der unfreiwilligen Seereise. Und an dem steht bekanntlich mit der Entdeckung festen Bodens anderes im Vordergrund als die Abstrafung blinder Passagiere. Zumal der forsche Vogel vor lauter Verantwortung ausgerechnet für seine eigene Gattung vergessen hatte, für ein zweites Exemplar zu sorgen und nun auf einen verkleideten Pinguin angewiesen ist, um sich vor Noah (Norbert Franck) nicht zu blamieren.

Das Stück, das großteils im Bauch der Arche spielt, der mit Hilfe eines Freiwilligenteams der BASF mit dicken Holzbohlen perfekt in die Heiliggeistkirche eingebaut wurde, reiht ein wichtiges Thema ans nächste, ohne dabei Plattitüden zu bemühen. Von den erfrischenden Schauspielern über die findigen Kostüme (Nicole Schneider) bis hin zur Musik Bernhard Sperrfechter ist „An der Arche um acht“ ein ebenso leichtfüßiges wie tiefgängiges Vergnügen.

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Info: Infos: www.theater-speyer.de. Mehr Bilder vom Stück unter www.schwetzinger-zeitung.de

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Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer