Straßennamen: Stadtarchiv soll problematische Bezeichnungen auf historischen Gehalt überprüfen Unrühmliche Geschichte wird aufgearbeitet

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Von Redaktionsmitglied

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Thorsten Langscheid

Mannheim. Folgt Mannheim dem Vorbild zahlreicher anderer Städte und schafft seine nach dem erwiesenen Rassisten, Antisemiten und Mörder benannte Karl-Peters-Straße in Rheinau-Süd ab? Das Stadtarchiv - Institut für Stadtgeschichte soll jetzt jedenfalls Mannheimer Straßennamen nach ihren historischen Gehalten analysieren, um eine "politische Entscheidungsgrundlage" zu schaffen. Und wenn das Stadtparlament schon mal dabei ist, sollte es dann nicht gleich auch andere Täter, Mittäter oder Mitläufer aus den Zeiten des Kolonialismus und Nationalsozialismus aus dem Stadtbild entfernen? "Auf den ersten Blick ist außer der Karl-Peters-Straße keine andere so gravierend problematisch", schätzt Dr. Hanspeter Rings vom Stadtarchiv die Lage vorsichtig ein.

"Spannend, aber viel Arbeit"

Der alte Ortskern von Rheinau-Süd hat außer Karl Peters belastete Figuren wie Lüderitz und Leutwein, Nachtigal, Hedin und Filchner zu bieten. Doch Rings warnt: "Man muss in der Beurteilung sehr vorsichtig sein und sich die historischen Biographien genau ansehen." Ein Projekt, das der Gemeinderat auch auf ganze Straßen-Taufbezirke ausweiten möchte. Denn neben dem als IG Farben-Siedlung in den 1930er Jahren gegründeten und erst 1944 zu Mannheim eingemeindeten Rheinau-Süd bestehen mindestens drei weitere, in der Straßenbezeichnung historisch vorbelastete Stadtquartiere. Es sind dies die alten Elsässer Straßennamen in Friedrichsfeld, die - inzwischen historisch erledigten - Straßennamen aus der ehemaligen DDR (Torgauer, Dresdner Dessauer Straße) auf der Vogelstang sowie auf der Schönau die an die ehemaligen preußisch-deutschen Ostgebiete erinnernden Straßen wie Tilsiter, Memeler, Danziger Straße.

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Doch Rings sieht echten Handlungsbedarf - übrigens genauso wie Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Alexander Müller - zunächst nur bei Karl Peters: "Diese Bezeichnung ist absolut inakzeptabel." Ein umfassendes Projekt zur Aufarbeitung der Straßennamen hält er dennoch für "höchst interessant". Um schnell zu einem Ergebnis zu kommen und vor allem den zahlreichen Anwohnern im Stadtteil keinen komplizierten Adressenwechsel zuzumuten, könnten sich Historiker Rings und Politiker Müller mit dem "Berliner Trick" anfreunden. Per Zusatztafel - so in der Hauptstadt 1986 bereits praktiziert - könnte die Straße demnach künftig auf einen unbescholtenen Namensvetter des berüchtigten Peters umgewidmet werden.