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Bistum - Pastoralbesuche in allen Pfarreien / „Hören auf das, was die Gemeinden in Corona-Zeiten bewegt“ / Dank an alle Haupt- und Ehrenamtlichen für ihren Einsatz und ihre Kreativität

Unverzichtbarer Wert persönlicher Treffen deutlich sichtbar

Von 
zg
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Dr. Karl-Heinz Wiesemann (v. l.) und Weihbischof Otto Georgens haben mit ihren Mitarbeitern allen 70 Pfarreien des Bistums einen Besuch abgestattet. © Venus

Speyer. Wie geht es den Pfarreien und den Gläubigen in der Corona-Pandemie? Mit welchen besonderen Herausforderungen sehen sie sich konfrontiert und welche Wege werden gegangen, um kirchliches Leben zu gestalten und mit Menschen in Kontakt zu bleiben? Darum ging es bei den Pastoralbesuchen von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Weihbischof Otto Georgens, Generalvikar Andreas Sturm, Ordinariatsdirektorin Christine Lambrich und Domkapitular Franz Vogelgesang in allen 70 Pfarreien des Bistums.

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Diese fanden von Februar bis Oktober teils als Videokonferenz, teils in Form von Begegnungen statt. Mit ihnen wollten der Bischof und seine engsten Mitarbeiter in einer Zeit tiefer Verunsicherung und Umbrüche ihre Verbundenheit mit den Gemeinden zeigen und mit Haupt- und Ehrenamtlichen über die Situation sprechen.

Neues ausprobieren

Weihbischof Georgens zeigt sich beeindruckt von vielen neuen Gottesdienstformaten: „Corona war für viele Pfarreien ein Anlass, ausgetretene Pfade zu verlassen und Neues auszuprobieren. Auch wenn manches davon aus der Not heraus geboren worden ist, wollen viele Pfarreien auch nach Corona an den neuen Gottesdienst- und Verkündigungsformaten festhalten. Dazu kann ich nur ermutigen.“ Georgens dankt vor allem den vielen Ehrenamtlichen: „Nur durch ihren hohen Einsatz und ihre Kreativität sind Gemeinden trotz Abstandsgebot und Kontaktbeschränkungen lebendig geblieben, konnten Kinder und Jugendliche auf die Sakramente vorbereitet werden und haben Alte und Kranke erfahren, dass sie nicht alleine und vergessen sind.“

Der Weihbischof weiß auch um die negativen Auswirkungen der Pandemie: „In vielen Pfarreien haben sich Jugendgruppen und Chöre seit eineinhalb Jahren nicht mehr getroffen und es ist fraglich, ob sie überhaupt weiterbestehen werden. Auch die Gremienarbeit war unter Corona-Bedingungen oft schwierig oder kam zeitweise ganz zum Erliegen.“

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„Vor allem die Bestattungen im kleinen Kreis und auf Distanz waren nicht nur für die Angehörigen, sondern auch für Seelsorger sehr belastend. Ebenso, dass Besuche in Altenheimen, Krankenhäusern und Kindertagesstätten nur unter erschwerten Bedingungen oder gar nicht möglich waren.“ Von diesen und anderen Herausforderungen berichtet Christine Lambrich, die Leiterin der Personalabteilung, und dankt allen pastoralen Mitarbeitern: „Die Behauptung, die Kirche sei in der Pandemie nicht sichtbar gewesen, kann ich so nicht teilen. Unsere Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten haben alles daran gesetzt, mit Menschen in Kontakt zu treten und Trost aus dem Glauben zu schenken.“ Immer wieder, so Lambrich, wurde bei den Pastoralbesuchen auch von „positiven Nebenwirkungen“ der Pandemie erzählt: „Bei nicht wenigen hat Corona dazu geführt, sich wieder stärker auf das Wesentliche des Glaubens zu konzentrieren. Viele Haupt- und Ehrenamtliche haben in dieser Zeit den Wert des Gebets, die Bedeutung der Stille und das Miteinander im Pastoralteam oder in pfarrlichen Gruppen neu schätzen gelernt.“

Generalvikar Sturm freut sich, dass die Angebote des Bistums von den Pfarreien dankbar aufgegriffen worden sind: „Bei den Pastoralbesuchen wurde mir immer wieder gesagt, wie wertvoll die Hausgebete und die Impulse zu Katechese, zur Arbeit mit Senioren oder zur Trauerpastoral waren.“ Sturm dankt deshalb allen Mitarbeitern im Bischöflichen Ordinariat, die diese Angebote erstellt haben. Sturm zufolge hat Corona in vielen Pfarreien einen „regelrechten Digitalisierungsschub“ ausgelöst: „Gestreamte Gottesdienste, Bibelteilen online oder Gremiensitzungen per Videokonferenz. All das hat Nähe trotz Abstandsgebot ermöglicht.“

Doch hat Corona, wie Sturm betont, zugleich den unverzichtbaren Wert persönlicher Begegnungen deutlich gemacht: „Gerade die Erstkommunion- und Firmfeiern im kleineren Kreis wurden von vielen als wertvoll und dichter als sonst erlebt.“ Bei den Pastoralbesuchen kamen dem Generalvikar zufolge aber auch Konflikte zur Sprache, etwa wegen Corona-Regelungen: „Viele Pfarreien waren einerseits dankbar für unsere Dienstanweisungen und Hygienekonzepte, auch dafür, dass wir ihnen gewisse Spielräume für Anpassungen gelassen haben. In manchen Gemeinden hat aber gerade diese Freiheit zu Spannungen geführt. Etwa wegen der Frage, ob trotz hoher Inzidenzwerte Gottesdienste gefeiert werden sollen oder doch besser abgesagt werden müssen.“

Mehr Aufmerksamkeit für Familien

„Mit den Pastoralbesuchen wollten wir auch den Blick der Pfarreien über den eigenen Kirchturm hinaus weiten“, beschreibt Domkapitular Vogelgesang ein weiteres Ziel der Pastoralbesuche: „Jeder Besuch war mit einer Begegnung im Sozialraum verbunden, ein Großteil davon führte uns in die Kindertagesstätten. Dort haben uns Erzieherinnen, Eltern und Trägervertreter von ihren Herausforderungen und Sorgen berichtet.“ Viele Pfarreien, so der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, haben in der Pandemie ihre Kitas neu schätzen gelernt und den Familien noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Auch die Begegnungen bei pfarrlichen Jugendgruppen, in Einrichtungen der Caritas oder in sozialen Brennpunkten waren für Vogelgesang wertvoll. In all dem, so Vogelgesang, ist Kirche zum „Segensort“ geworden, zu einem Ort, „an dem Menschen in ihrer konkreten Not gesehen werden“.

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Wiesemann, der wegen einer längeren Krankheit nur wenige Pfarreien besuchte, fasst die Rückmeldungen der Pfarreien und seine Eindrücke zusammen: „Wir müssen uns eingestehen, dass wir manche, vor allem ältere Menschen in dieser Zeit zu sehr aus dem Blick verloren haben, etwa weil ihnen die technischen Voraussetzungen für digitale Begegnungen fehlen. Gleichzeitig ist vieles Wertvolle gewachsen, etwa die Empfangsdienste an den Kirchentüren, auf das wir in Zukunft nicht mehr verzichten wollen.“

Für Wiesemann haben die Pastoralbesuche gezeigt, dass die Kirche nach Corona nicht mehr so sein wird wie früher. Und er fügt hinzu: „Wir können und sollen das Rad nicht zurückdrehen. Es gilt, das beizubehalten, was wir in dieser Krise schmerzhaft neu oder tiefer gelernt haben: Das Bewusstsein der eigenen Verwundbarkeit, den unschätzbaren Wert konkreter Hilfsbereitschaft und globaler Solidarität, und die Bereitschaft, im Vertrauen auf Gottes Geist neue Wege des Kirche-Seins zu gehen.“ zg

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