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Kunstverein - Peter Riek hat Straßenzeichnungen zu reizvollen Ausdrucksformen verarbeitet

Urbanität und Kunst

Von 
Nikolaus Meyer
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Peter Riek zeigt die Ausstellung „Drinnen und Draußen“ – hier posiert er mit seiner Installation „Deutschlandfahrt“. © Venus

Speyer. Der Kunstverein lädt zu einer Ausstellung ein, die ab Donnerstag, 8. Juli, im Kulturhof Flachsgasse zu sehen ist. Eine Vernissage findet wegen Corona nicht statt. Unter dem Titel „Drinnen und Draußen“ werden bis 5. September Werke des 1960 in Heilbronn geborenen und dort lebenden Künstlers Peter Riek gezeigt. Bei Riek handelt es sich um einen Kunstschaffenden, der von der expressiven Malerei kommt und sich inzwischen ausschließlich mit der Sparte Zeichnung als uralter Ausdrucksform der Menschheit beschäftigt. Gegenwärtig gehört er zu den wichtigsten Vertretern dieses Genres. Riek studierte Kunst und Kunsterziehung an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und absolvierte mehrere Semester eines Geografie-Studiums. Seit 1963 stellt er national und international aus. Für sein Wirken wurde er mit Stipendien der Kunststiftung Baden-Württemberg, der Cito des Arts Paris und der Bartels-Stiftung Basel sowie mehreren Kunstpreisen ausgezeichnet.

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Das variantenreiche Spektrum umfasst Zeichnungen auf Papier und Holz, Wand-, Teppich-, Eisen- und Straßenzeichnungen sowie raumbezogene Installationen. Im Kunstverein präsentiert Riek Arbeiten auf Papier und Wolle. Einen Schwerpunkt bilden 40 mit Ölpastell auf Papier gefertigte Werke aus der Folge „acres time“, wobei es sich um Zeichnungen aus den 1990er Jahren handelt, die er in den letzten fünf Jahren überklebt und überzeichnet hat. Die ausgeschnittenen und in anderen Blättern als Collage verarbeiteten Teile laden zur Spurensuche ein, was alt und was neu ist. Die Beschäftigung mit den fast 30 Jahre alten Arbeiten war für den Künstler eine spannende Erfahrung. Sah er sich doch mit sich selbst konfrontiert, weshalb die Exponate dieser Werkgruppe auch als persönliche Erfahrungs- und Zeitkapseln zu verstehen sind.

Während die Serie „acres time“ „Drinnen“ verortet ist, lässt sich eine 18 Stationen umfassende und mit „Deutschlandfahrt“ betitelte Fotoserie dem „Draußen“ zuordnen. Zu sehen sind Fotos aus Berlin, Leipzig, Erfurt oder Würzburg, die von Zeichnungen belebt werden, die Riek vor Ort auf den Boden aufbrachte und die Kombination Urbanität und Kunst mit der Kamera eingefangen hat. Die Frage, ob die Zeichnung den räumlichen Kontext einbezieht oder umgekehrt, lädt zu Interpretationen ein.

Zudem gibt es Arbeiten, die auf langen Wanderungen, Fahrradreisen oder Erkundungen basieren. Als Grundlage sind Exkursionen, bei denen Riek die Wegstrecke als „Open Air-Atelier“ versteht, unverzichtbar.

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Große Teile der Ausstellungsfläche waren beim Aufbau mit schwarzen oder weißen Strickdecken aus Merinowolle belegt. Denn der Künstler hat abstrakte Motive mit der Strickmaschine zu Decken verarbeitet. Ausgangspunkt der minimalistischen und die monochromen Decken belebenden Kunstwerke waren wiederum Straßenzeichnungen mit Kreide, die fotografiert und als digitale Datei in die Strickmaschine eingegeben wurden.

Besonders interessant ist eine 18 Meter lange Dokumentation, bei der 18 Zeichnungen und Texte im Direktdruck auf 50 mal 70 Zentimeter große Kartontafeln aufgebracht wurden. Das wie ein Leporello faltbare Kunstwerk enthält Zeichnungen, die Riek an verschiedenen Orten auf den Asphalt malte, fotografierte und auf Tafeln druckte. Die Kunstschau wird durch Installationen, Direktdrucke auf Bütten und ein 2,80 Meter hohes Objekt in Form einer Figur abgerundet, die Riek für ein Kammerorchester fertigte.

Gemeinsam ist allen Arbeiten ein abstrakt-organischer Formenkanon, der von Vergänglichkeit und Melancholie erzählt, in seiner Reduktion und Bewegung aber auch den Reiz abstrakter Schönheit widerspiegelt. Zeichnung ist für Riek elementarer als Malerei, ursprünglicher, schneller, und vergänglich wie das Menschsein.

Info: Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt bis 5. September donnerstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet (mit Maske). Vorausbuchungen montags bis mittwochs von 8 und 13 Uhr und während der Öffnungszeiten unter Telefon 06232/14 23 99.

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Freier Autor 1993: Beginn journalistische Tätigkeit als freier Journalist und ständiger Mitarbeiter der Speyerer Tagespost. Nach Einstellung der traditionsreichen Zeitung am 31. Dezember 2002 verzugsloser Wechsel als ständiger Mitarbeiter zur Schwetzinger Zeitung. Verfasser mehrerer Sonderserien. Unter anderem: Chronik der Speyerer Luftfahrtgeschichte und 4-teilige Serie 40 Jahre Bundeswehrgarnison Speyer mit militär-historischem Rückblick. Ferner Reiseberichte Litauen und Lettland. Sonderseite Geschichte, Brand und Wiedereröffnung Anna Amalia Bibliothek Weimar. Exklusiv-Interviews mit bekannten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wie Ex-Staatspräsident Lech Walesa, Kaiserliche Hoheit Prinzessin Alix Napoleon, Schauspieler Mario Adorf, Ministerpräsident a. D. Dr. Bernhard Vogel, Weltschiedsrichter Markus Merk. Ungeachtet dessen bilden kommunale Ereignisse der Stadt Speyer den Schwerpunkt der Berichterstattung. Sonstiges: Autor des 2006 erschienenen Buches „Höhepunkte der Speyerer Stadtgeschichte in Versen, Texten und Bildern“.

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