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Hohenfeld’sches Haus - Der Einbau von neuen Fenstern soll dem Gebäude neben der Farbgebung den letzten Feinschliff geben

„Venezianisch Rot“

Von 
zg
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Das städtische Gebäude Maximilianstraße 99, das sein Erscheinungsbild durch die zum barocken Baustil passende Farbe „Venezianisch Rot“ verändert hat, soll nun durch neue Fenster den letzten Schliff erhalten. © Stadt/Alshuth

Speyer. Abschluss der Außeninstandsetzung am Hohenfeld’schen Haus in Speyer: Das städtische Gebäude Maximilianstraße 99, das sein Erscheinungsbild durch den Ersatz der blauen Farbgebung im Zeitgeschmack der 1980er-Jahre durch die neue, zum barocken Baustil des Hauses passenden Farbgebung „Venezianisch Rot“ im ersten Schritt bereits verändert hat, soll nun durch den anstehenden Einbau neuer Fenster als „Augen des Hauses“ den letzten Schliff erhalten. Sofern es die aktuellen Schwierigkeiten der Baubranche zulassen, ist der Einbau für das vierte Quartal 2022 geplant.

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Das Hohenfeld‘sche Haus, in dem die Dichterin Sophie La Roche und ihre Familie ab 1780 auf Einladung des Domherren von Hohenfeld für einige Jahre wohnten, wurde nach dem Stadtbrand von 1689 als großes herrschaftliches Hofanwesen um das Jahr 1700 neu errichtet. Über Leben und Werk der Dichterin informiert die Sophie La Roche Gedenkstätte im Erdgeschoss des Hauses.

Das Gebäude mit seinen drei repräsentativen Schauseiten und dem stattlichen Mansarddach ist ein typisches Werk der Barockzeit. Diese Stilepoche richtete sich an die Lebensfreude und die Sinneswelt und hatte das Ziel, die Außenwelt des Menschen als Bühne des Lebens zum Gesamtkunstwerk zu gestalten. Nicht nur Kunst, Architektur und Gartengestaltung folgten diesem Ziel, sondern auch die bürgerliche und höfische Lebensweise mit ihren Ritualen, Festen und Theateraufführungen. Italien und insbesondere Frankreich waren in Europa die Vorbilder und setzten die Maßstäbe.

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Veröffentlicht
Von
Susanne Kühner
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Als die Abteilung Gebäudewirtschaft der Stadt Speyer im vergangenen Jahr die Erneuerung des schadhaften Altanstrichs sowie der nicht mehr funktionstüchtigen Bestandsfenster plante, mussten denkmalpflegerische Kriterien wie die Gestaltung nach dem Originalvorbild, stilgerechte Farbgebung und Materialgerechtigkeit in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde der Stadt Speyer berücksichtigt werden.

Eine Restauratorin untersucht

Hierzu wurden zunächst durch eine Restauratorin Farbbefunduntersuchungen vorgenommen, um bei der Farbwahl auf ältere, gegebenenfalls barocke Farbbefunde zurückgreifen zu können. Aufgrund von weitgehenden Ausbesserungen am Außenputz in den zurückliegenden Jahrzehnten konnten jedoch keine zuverlässigen Farbfassungen gefunden werden. Daher wurde eine neue, stilgerechte Farbgebung, die zur Bauzeit des Hauses passt, entwickelt. Bei repräsentativen Bauten des Barock standen die als natürliche Erden vorkommenden ockergelben sowie gebrannten rötlichen Ocker-Farbpigmente zur Verfügung. Diese wurden wegen ihrer Lebendigkeit und Fernwirkung gern verwendet und als Kalkanstriche ausgeführt. Gliederungs- und Zierelemente wurden in hellerer oder dunklerer Farbgebung zur Unterstützung der Wirkung kontrastreich abgesetzt.

Der ausgeführte Farbton „Venezianisch Rot“ ist ein rötlicher Ockerfarbton, der als Mineralanstrich hergestellt wurde. Silikat- Mineralfarben wurden bereits 1878 erfunden, haben ähnliche optische Oberflächenwirkungen und bauphysikalische Eigenschaften wie Kalkanstriche, sind jedoch unter heutigen Bedingungen im Einsatz robuster und weniger empfindlich.

Neben der Frage einer stilgerechten Farbwahl spielte auch die Wirkung des neuen Farbtons im Umfeld von Maximilianstraße, Dreifaltigkeitskirche und Dom eine Rolle. Zur Entscheidungshilfe wurden, wie auch sonst üblich bei der Farbauswahl an Denkmälern oder im Altstadtbereich, Farbmuster am Gebäude vor der Ausführung angelegt.

Die Frage der Gestaltung der neuen Fenster stellte sich beim Hohenfeld‘schen Haus anders als bei dem Stadthaus Maximilianstraße 100. Während im Stadthaus noch erhaltenswerte Originalfenster weitgehend vollständig aus der Bauzeit im Jahr 1903 vorhanden waren und durch innere Isolierglas-Vorsatzfenster ertüchtigt werden konnten, liegen bei Maximilianstraße 99 drei verschiedene historische Fenstertypen vor, die jedoch insgesamt leider nicht mehr funktionstüchtig und erhaltungsfähig sind. Ausgewählt wurde der Fenstertyp spätbarocker beziehungsweise frühklassizistischer Bauart, weil dieser der Bauzeit des Hauses zeitlich und stilistisch am nächsten liegt. Neue Fenster in denkmalgeschützten Gebäuden unterliegen ebenfalls den Kriterien der Stil- und Materialgerechtigkeit.

Energetische Verbesserungen

Sie werden nach dem Vorbild des Fenstertyps 3 wieder als Holzfenster in ähnlichen Rahmen- und Sprossenbreiten sowie in weißer Farbgebung analog zu den Bestandsfenstern ausgeführt, jedoch nach heutigem Standard zur energetischen Verbesserung als denkmalgerechte Isolierglasfenster.

Weitere spannende Einblicke in das Thema Denkmalschutz erhalten Interessierte auch bei zwei Altstadtbegehungen zu einer möglichen Ausweitung der Denkmalzone Speyer zum Stadtdenkmal: Zweite Begehung nördliche Kernstadt am Montag, 27. Juni, von 14 bis 16.30 Uhr; Dritte Begehung südliche Kernstadt am Dienstag, 19. Juli, von 15.30 bis 18 Uhr. Treffpunkt ist jeweils der Rathausinnenhof vor dem Eingang zum Stadtratssitzungsaal. zg

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