Dom - Umfassende Sanierungsarbeiten sind abgeschlossen / Besucher dürfen nach über einem Jahr wieder hinein Vorhalle ist wieder geöffnet

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zg
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In der Domvorhalle im Westportal des Domes sind die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen. Somit kann dieses historistische Gesamtkunstwerk, das erstmals seit der Fertigstellung 1858 in größerem Maßstab instandgesetzt wurde, mit seinen zahlreichen Standbildern in neuem Glanz bewundert werden. © Venus

Speyer. Die Vorhalle des Domes ist nach rund einem Jahr vollständig restauriert – und ab dem 1. Mai auch wieder für Besucher zugänglich. Die Öffnung erfolgt im Zusammenhang mit den generellen Lockerungen im öffentlichen Leben und der Wiederzulassung von Gottesdienstfeiern durch die rheinland-pfälzische Landesregierung. Am 3. Mai ist im Dom der erste öffentliche Gottesdienst geplant. Weiterhin gelten im Dom und der Vorhalle die Sicherheits- und Hygieneregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie, heißt es in einer Pressemitteilung des Domkapitels.

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Klaus Venus
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Wie vorgesehen wurde die Restaurierung der Vorhalle bereits am 31. März erfolgreich abgeschlossen. Was nicht geplant war, waren die Umstände, unter denen dieses große Restaurierungsprojekt zu Ende gebracht wurde. Die Corona-Krise habe zwar die Arbeiten in ihrem Fortgang nicht behindert, aber das öffentliche Leben und damit auch den Besucherverkehr am Dom stark eingeschränkt. Daher sei dieser Bereich nicht – wie zunächst geplant – am 1. April wieder für die Öffentlichkeit geöffnet worden. Und auch die feierliche Einweihung mit dem Bischof und den Förderern dieser Maßnahme muss ersatzlos entfallen.

Die Gesamtkosten in Höhe von 891 000 Euro wurden aus Mitteln des Denkmalschutz Sonderprogramms VII der Bundesregierung, der Förderung durch das Land Rheinland-Pfalz und aus Haushaltsmitteln des Domkapitels bestritten. Land und Bund steuerten jeweils je 356 000 Euro bei. Letztere wurden durch Fördermittel von der Europäischen Stiftung Kaiserdom ergänzt, die zu diesem Zweck Projektmittel von der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung zur Verfügung gestellt bekam. Einen weiteren Beitrag leistete der Dombauverein, der die Instandsetzung mit jährlichen Zuwendungen fördert.

Aller Mühen wert

Das nun in seiner Gesamtheit wahrnehmbare Restaurierungsergebnis war alle Mühen wert, sagt Domdekan und Domkustos Dr. Christoph Kohl: „Endlich wird sichtbar, welch ein Kleinod die Vorhalle ist und dass der Raum als historistisches Gesamtkunstwerk vom Architekten durchkomponiert wurde.“

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Auch Dombaumeisterin Hedwig Drabik freut sich über den gelungenen Abschluss der Arbeiten. „Die Vorhalle stellt sich dank der Restaurierung als ganz neuer Raum dar. Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis und haben von unserem wissenschaftlichen Beirat dafür bereits hohes Lob erhalten“, so Drabik. „Zuletzt haben wir noch die Bodenplatten überarbeitet, die Beleuchtung fertiggestellt und die Taubenabwehr installiert. Glücklicherweise konnten die Fachbetriebe diese Arbeiten auch während der Corona-Krise fristgerecht fertigstellen“, sagt die Dombaumeisterin.

Der neoromanische Westbau, der 1858 durch Heinrich Hübsch fertiggestellt wurde, gehörte vormals zu den eher „ungeliebten“ Teilen des Doms, da er im Verhältnis zum romanischen Baukörper viel jüngeren Datums und neueren Stils ist. Dabei wurde lange übersehen, dass es sich um ein historistisches Gesamtkunstwerk handelt, das jetzt erst vollends zu Geltung kommt. Verschmutzungen hatten vor allem den Skulpturen und den Vergoldungen stark zugesetzt, so dass sich die Eingangshalle des Doms zuletzt in keinem sehr einladenden Zustand präsentierte.

Bestmögliches Ergebnis erzielt

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Da die Vorhalle seit der Fertigstellung 1858 nicht umfassend gereinigt worden ist, bestand der erste Schritt der Sanierungsmaßnahme in der Ausführung einer Heißdampfreinigung, die oberflächlichen Schmutz und Staub entfernte. Die Nischenfiguren in der Vorhalle, die die im Dom beigesetzten Kaiser und Könige in acht Wandnischen zeigen, wurden berührungsfrei durch ein Laserverfahren gereinigt. Helle Flächen reflektieren den Laserstrahl, so dass nur die tatsächlichen Verschmutzungen abgetragen werden.

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Man entschied sich für dieses Verfahren, da es die bestmöglichen Ergebnisse erzielte, schadensfrei funktionierte und im Gegensatz zu anderen Reinigungsverfahren – wie etwa die Reinigung durch Sandstrahlen – keinen Substanzverlust zur Folge hatte. Die Reinigung einer Nischenfigur umfasste je nach Detailheitsgrad eine Arbeitszeit von etwa ein bis eineinhalb Wochen. Neben den Nischenfiguren wurden sowohl die Lünettenreliefs an der südlichen und der nördlichen Wandfläche als auch der Kenotaph Rudolf von Habsburg mit dem Laser gereinigt. Sämtliche ehemals vergoldeten Rücklagen der Lünettenreliefs und Nischenfiguren wurden mit neuem Blattgold versehen.

Mit Abbau des Gerüstes Ende 2019 erfolgte eine Inaugenscheinnahme des Bodenbelages und Planung zum sinnvollen Austausch.

„Glücklicherweise konnten die aus der Sanierung des Kaisersaals stammenden Bodenplatten für die Vorhalle wiederverwendet werden“, teilt das Domkapitel mit. Diese lagerten in Speyer, wurden überarbeitet und fügen sich nun harmonisch in das Gesamtbild ein. zg

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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