Gedenken

Wehrhaft Übergriffe verhindern

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst fordert zum Hinschauen auf

Von 
Jürgen Gruler
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Am Mahnmal für die Opfer der Judenverfolgung an der Stelle der einstigen Synagoge hinterm heutigen Galeria Kaufhof gedachten am Mittwochabend mehr als hundert Menschen der Ermordeten und Verfolgten des Naziregimes. © Gruler

Speyer. Mehr als 100 Menschen folgten dem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Stadt, bei einem Schweigemarsch und einer Kundgebung am Mahnmal für die Opfer der Nazi-Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung zu gedenken. DGB-Vorsitzender Axel Elfert forderte zum Widerstand gegen die neuen Rechten auf – auch gegen die im Anzug von der AfD – die nur das Ziel verfolgten, die Menschen aufzuhetzen und die Demokratie zu zerstören.

OB Stefanie Seiler wandte sich gegen Sozialneid und Ausgrenzung, die gesät würden von den Feinden der Demokratie bei der AfD. Sie wünsche sich ein menschliches Speyer, das zusammenstehe, sicherte der jüdischen Gemeinde vollste Unterstützung zu.

Landesrabbiner David Schwezoff erinnerte an die zahllosen Opfer und betete und sang für sie. Der Gewerkschaftschor „Rote Raben“ stimmte die „Moorsoldaten“ an.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst erzählte vom israelischen Autor Etgar Keretim. Er habe die Lebensgeschichten seiner überlebenden Mutter aus Warschau veröffentlicht. „Manche sind zum Schmunzeln, manchmal schüttele ich fassungslos den Kopf, oft bin ich gerührt, einmal muss ich weinen – bei der Geschichte vom Engel in der sie erzählt, wie sie überlebt hat“, so Wüst. Sie erinnert daran, wie zerbrechlich alles ist: „In Berlin und Warschau, in Speyer und anderswo. Wo Menschen jüdischen Glaubens so selbstverständlich dazugehörten. Sie waren Politiker und Beamte, Schauspieler und Schriftsteller, Industrielle und Ladenbesitzer. Sie waren Kollegen und Nachbarinnen, Kriegskameraden und Schulfreunde. Waren hoch geachtet und wertgeschätzt. Plötzlich waren sie Feinde, Untermenschen, Ungeziefer, das man ausrotten muss. Und ein ganzes Volk schaut zu“, so Wüst.

Seit 2015 verzeichne das Statistische Bundesamt Jahr für Jahr eine deutlich steigende Anzahl von antisemitischen Übergriffen, die polizeilich verfolgt wurden. Mit 3027 Delikten wurde im vergangenen Jahr ein trauriger Höchststand erreicht – dazu käme die hohe Dunkelziffer.

Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.

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