Corona - Hausarztpraxen starten Schutzimpfung / Menge an Dosen noch überschaubar / Angebot soll ausgebaut werden

„Die Patienten kommen und freuen sich“

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lhe
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Wiesbaden: Ein Arzt impft eine Frau in einer Hausarztpraxis mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech. © Sebastian Gollnow/dpa

Frankfurt. In Hessen sind die Corona-Schutzimpfungen in den Hausarztpraxen angelaufen. Die Nachfrage unter den Patienten sei riesig und die frisch Geimpften „total happy“, berichtete der erste Vorsitzende des Hausärzteverbandes Hessen, Armin Beck, zum offiziellen Start der Impfungen durch die Mediziner am Mittwoch. „Es ist ein super Beginn. Das funktioniert klasse, das ist unproblematisch, die Patienten kommen und freuen sich.“ So viele glückliche Menschen sehe man selten in einer Arztpraxis.

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Mediziner in Zahlen

In Hessen gibt es etwa 4000 Hausärzte, die nach Angaben ihres Verbands in rund 3500 Praxen tätig sind.

Zu den niedergelassenen Medizinern gehören auch Fachärzte: Kinderärzte zum Beispiel, Augen- und Hautärzte, Gynäkologen oder Orthopäden.

Nach Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung in Hessen gibt es landesweit rund 7000 solcher allgemeinen Fachärzte (Stand Oktober 2019). lhe

Bislang erhielten die Impfberechtigten in Hessen ihre Spritze gegen das Virus vor allem in den 28 Impfzentren. Seit dieser Woche können diese auch Hausärzte verabreichen - was die vor rund drei Monaten gestartete Impfkampagne in Deutschland beschleunigen soll.

„Die Einbeziehung der ärztlichen Regelstruktur ist ein wichtiger Schritt, um die Impfungen zu erweitern und in die Fläche zu bringen“, sagte Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch. „Die gelockerten Transport- und Lagerbedingungen der Impfstoffe sowie die größere verfügbare Menge ermöglichen nun die Einbeziehung der niedergelassenen Ärzteschaft über Modellprojekte hinaus und neben den wichtigen Impfzentren und ihren mobilen Teams.“

Die Menge der Präparate, die die Apotheken an die Praxen liefern können, ist derzeit allerdings noch überschaubar: Nach Angaben des Landes Hessen stehen zu Beginn durchschnittlich etwa 20 Dosen pro Woche und Praxis zur Verfügung. Angesichts der vom Bund angekündigten erhöhten Liefermengen für die kommenden Wochen solle diese Zahl dann stetig gesteigert werden, teilte das Gesundheitsministerium weiter mit. Für die Hausärzte, die freiwillig an der Impfkampagne teilnehmen, gilt demnach: Sie wählen die Impfkandidaten „unter Beachtung der Priorisierungsreihenfolge nach Corona-Impfverordnung eigenverantwortlich aus“.

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Kalt geliefert

Mediziner Beck hat nach eigenen Angaben für seine Praxis mit mehreren Ärzten in Hofheim zunächst 54 Impfdosen bekommen. Die Patienten bekommen den Piks gegen Corona in der Praxis oder bei Hausbesuchen. Der Umgang mit dem Impfstoff sei völlig unproblematisch. Die Präparate seien am Vortag kalt geliefert worden, über Nacht im Kühlschrank geblieben und würden nun passend für die Impfungen vorbereitet. Der Verbandsvorsitzende schätzte, dass zu Beginn etwa 3000 der rund 4000 Hausärzte gegen das Virus impfen. Sobald mehr Dosen zur Verfügung stünden, gehe er von einer weitgehend hundertprozentigen Abdeckung aus.

Bereits am Dienstagnachmittag hatten die ersten Hausärzte losgelegt, etwa der Wiesbadener Mediziner Christian Sommerbrodt. „Die Patienten waren ganz erleichtert, dass es endlich vorwärts geht, dass wir einen Schritt weiterkommen“, berichtete er. Die Informationen über die Impfstoffversorgung seien aber „verwirrend“ gewesen. Zunächst habe er Patienten wieder absagen müssen. Erst am Dienstagmittag sei dann klar gewesen, dass es doch Impfstoff gebe und die ersten zwölf Patienten geimpft werden konnten.

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Mittel von Biontech/Pfizer

In den ersten beiden Wochen werden die Hausarztpraxen dem hessischen Gesundheitsministerium zufolge allein das Mittel des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer verabreichen. „In den folgenden Wochen werden weitere Impfstoffe hinzukommen, die ebenso vom pharmazeutischen Großhandel und den Apotheken vor Ort an die Arztpraxen geliefert werden.“ Das Ministerium bat Personen, die beim Hausarzt geimpft werden, einen möglicherweise bereits bestehenden Termin in einem Zentrum zu stornieren, „um anderen eine Option zur Impfung zu eröffnen“.

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Künftig sollen in Hessen auch andere niedergelassene Mediziner gegen das Coronavirus impfen dürfen: „Wir bereiten uns darauf vor, auch Strukturen wie Betriebs-, Fach- und Privatärzte einzubeziehen, sobald mehr Impfstoff zur Verfügung steht“, kündigte Minister Klose am Mittwoch an. lhe