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Corona - Die Tourismusverbände im Land sind mit dem Sommer zufrieden / Befürchtete Pleitewelle blieb aus / Im Schwarzwald vorsichtiger Optimismus

Gastgeber im Südwesten atmen auf

Von 
Thomas Faltin
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Die Hänge des Schwarzwaldes sind von einem Höhenzug des Schauinsland aus zu sehen. In der Tourismus-Branche im Ländle geht es wieder aufwärts. © dpa

Stuttgart. Man kommt am Telefon kaum durch, so viele Menschen wollen derzeit gerne einen Wellnessurlaub im Mawell-Resort in Langenburg (Kreis Schwäbisch Hall) buchen: „Bitte schreiben Sie uns doch eine E-Mail“, säuselt der Anrufbeantworter. Am Ende ist der stellvertretende Direktor Andreas Behl aber zu sprechen. Er sagt: „Die Nachfrage war im Sommer einfach irre und ist immer noch ungebrochen.“ Die Wochenenden seien schon bis in den Januar hinein ausgebucht.

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So euphorisch klingt es nicht überall im Land, aber ein Aufatmen ist deutlich zu spüren: Alle Touristikverbände sprechen nach ersten Rückmeldungen der Betriebe von einem guten bis sehr guten Sommer oder sind zumindest wieder optimistisch. Konkrete Übernachtungszahlen liegen allerdings noch nicht vor. Ute Stegmann etwa, die Geschäftsführerin der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH, sagt, dass die Nachfrage im Juni noch verhalten gewesen sei, aber spätestens mit den Sommerferien seien Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze sehr gut ausgelastet gewesen: „Und das aktuelle schöne Spätsommerwetter lässt alle Betriebe noch auf eine gute Saisonverlängerung hoffen.“

Überlingen habe sich durch die Landesgartenschau sogar zu einem Besuchermagneten entwickelt. Nur manche beliebte Ausflugsziele, wie die Pfahlbauten in Unteruhldingen, würden noch von weniger Menschen besucht als in früheren Jahren, weil ausländische Gäste und auch Schulklassen noch nicht wieder in großer Zahl unterwegs seien.

Auf der Schwäbischen Alb ist man ebenfalls zufrieden: Teilweise hätten die Hoteliers sogar noch bessere Auslastungsquoten als vergangenen Sommer gemeldet, der bereits für viele Urlaubshotels sehr gut gewesen sei, teilt Louis Schumann, Geschäftsführer des Schwäbische Alb Tourismusverbandes, mit.

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Etwas zurückhaltender fällt die erste Bilanz im Schwarzwald aus: Man sei „vorsichtig optimistisch“, sagt Wolfgang Weiler von der Schwarzwald Tourismus GmbH. Zwar sei derzeit die Buchungslage besser als im vergangenen Jahr, aber sie liege deutlich hinter der im Vor-Coronajahr 2019. Vor allem sei die Nachfrage differenziert zu betrachten: „Gut gebucht sind Top-Hotels, komfortorientierte Landgasthöfe und gut ausgestattete Ferienwohnungen sowie Campingplätze. Sie sind zum Teil bis in den Herbst hinein voll ausgebucht.“ Dagegen hätten kleinere Häuser meist noch Luft nach oben. Auch hätten viele Gäste kurzfristig reserviert, so dass es für die Betriebe immer wichtiger werde, auf Online-Buchungsportalen präsent zu sein. Und: Da das Wetter wechselhaft gewesen sei und die Coronabestimmungen ständig gewechselt hätten, seien die Gäste zögerlich und volatil gewesen – beliebt waren deshalb Angebote, die man kurzfristig wieder stornieren konnte.

Auch eine aktuelle bundesweite Befragung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) bestätigt, dass die Zuversicht im touristischen Bereich wächst. Im August 2021 hätten die Umsätze noch 5,7 Prozent unter den Augustwerten 2019 gelegen, sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick: „Das ist der beste Wert, der in der monatlichen Umfrage seit Beginn der Pandemie im März 2020 festgestellt wurde.“

Daniel Ohl, Sprecher des Dehoga-Verbandes Baden-Württemberg, betont zwar, dass das befürchtete Massensterben von Hotels und Restaurants im Südwesten ausgeblieben sei: „Man muss das auch einmal loben – die Hilfsprogramme der Politik haben gewirkt.“ Dennoch hat die Umfrage ergeben, dass noch immer jeder dritte Betrieb um seine Existenz bangt.

Ein erhebliches Problem ist auch der dramatische Mangel an Mitarbeitern, viele sind in der Pandemie in andere Branchen abgewandert. Sorge bereitet den Touristikern zudem das womöglich dauerhafte Ausbleiben der Geschäftsreisenden. Die Region Stuttgart ist davon besonders betroffen, hier machen dienstliche Übernachtungen sonst 70 Prozent aus. Auch die Menschen, die sich einen Städtetrip übers Wochenende gönnen, sind bisher nicht in großem Stil zurückgekehrt. Oft sei ein solcher Kurzurlaub mit dem Besuch einer Veranstaltung verbunden, sagt Andrea Gehrlach von der Stuttgart-Marketing GmbH. „Wir sind deshalb noch längst nicht aus dem Tal der Tränen“, sagt sie. Man wolle nun verstärkt Freizeitgäste ansprechen und weitere Tagungen an Land ziehen, um für einen Ausgleich zu sorgen. Im ersten Halbjahr 2021 hatte das Minus bei den Übernachtungen landesweit bei 29 Prozent gelegen, in der Region Stuttgart bei 41 Prozent.

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Nach der Krise wird deshalb einiges anders werden müssen, davon ist der für den Tourismus zuständige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Patrick Rapp (CDU), überzeugt. Die Coronapandemie habe bestehende Entwicklungen beschleunigt und neue Nachfragetrends hervorgebracht. Gefragt sei immer mehr nachhaltiger Urlaub und Naturerlebnisse, autarke Unterkunftsformen und kurzfristige Buchungen, gepaart mit flexiblen Stornobedingungen. Gleichzeitig sei Regionalität und Authentizität gefragt wie nie zuvor. Für Patrick Rapp ist klar: „Diese Entwicklungen sind eine Herausforderung für den Tourismus, stellen aber auch eine Chance für eine grundlegende und zukunftsfähige Neuausrichtung dar.“

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