Aschermittwoch im Südwesten - SPD macht sich über Ministerpräsident Kretschmann lustig / FDP knöpft sich Grüne vor – und die CDU poltert gegen alle „Gurken statt Schurken in der Landesregierung“

Von 
Michael Schwarz
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Politischer Aschermittwoch im Wohnzimmer: Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck plaudern mit dem zugeschalteten Winfried Kretschmann. © dpa

Stuttgart. So ganz auf den politischen Aschermittwoch wollen die Parteien im Südwesten in Corona-Zeiten nicht verzichten – und wenige Wochen vor der Landtagswahl schon drei Mal nicht. Es sind zwar nur digitale Formate möglich, aber bei diesen geben sich die Parteien durchaus kreativ. Die SPD lässt eine Brassband in einem Studio in Schwäbisch Gmünd spielen, die FDP hat in Karlsruhe in einem Brauhaus mit Kaminholz und Holzfass eine zünftige Kulisse aufgebaut, um die Zuschauer am Bildschirm zu halten. Warum die liberalen Redner auf einem runden, rosa Teppich stehen, bleibt jedoch ihr Geheimnis.

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„Man hat das Gefühl, dass in der Landesregierung keine Schurken am Werk sind, sondern Gurken“, sagt SPD-Landeschef Andreas Stoch – und bezieht sich dabei auf den Auftritt von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kürzlich in der ZDF-Sendung von Markus Lanz. Kretschmann verteidigte die Ministerpräsidenten und sagte, es seien keine Schurken am Werk. Baden-Württemberg brauche jedoch nicht nur eine Regierung, die philosophiert, sondern agiert, knöpft sich Stoch den Regierungschef weiter vor.

„Winseln um Regierungsposten“

Kretschmann selbst ist zugeschaltet zu einer Veranstaltung in Berlin mit den beiden Parteichefs Robert Habeck und Annalena Baerbock, die in Wohnzimmer-Atmosphäre den Worten des Ministerpräsidenten lauschen. „Wir müssen Orientierung geben und Führung übernehmen“, lässt Kretschmann die Zuschauer wissen.

In den Wahlkampfmodus schaltet an dem Tag Manuel Hagel, Generalsekretär der Südwest-CDU. Weil um die Mittagszeit aus seiner Partei niemand in den Ring steigt, holt er gegenüber dieser zum politischen Rundumschlag aus. „Die SPD tritt bei der Landtagswahl wie ein Sumo-Ringer beim Hochsprung an: Sind die Erwartungen nur gering genug, kann jeder Hopser bald bejubelt werden. Im Fall der SPD der langersehnte Hopser zurück ins grüne Bettchen“, sagt Hagel. Das Winseln der SPD um Regierungsposten werde immer lauter, so Hagel weiter.

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Und die FDP? „Die Sorge um den Arbeitsplatz beschäftigt immer mehr Menschen. Eigentlich bräuchte es da kluge Ideen von der FDP. Stattdessen: laut, lauter, Rülke. Der selbsterklärte Superminister fällt nur mit populistischen Sprüchen auf“, schießt Hagel rhetorisch scharf. „Das Wahlziel der FDP steht schon lange fest: Macht um jeden Preis, Hauptsache Dienstwagen – Marke egal“, so Hagel.

Die Parteispitze der FDP knüpft sich die derweil Grünen-Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter vor, der aus ihrer Sicht Eigenheime verbieten wolle. „Das war kein Zufall, das ist in der DNA der Bundesgrünen um Anton Hofreiter und Jürgen Trittin angelegt“, sagt Parteichef Michael Theurer. Und FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke? Er verspricht im Brauhaus, er wolle für den Verbrennungsmotor kämpfen. AfD-Spitzenkandidat Bernd Gögel gibt hingegen beim Livestream den Altparteien unter anderem die Schuld daran, dass die Fasnacht ins Wasser gefallen ist.

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