Pandemie - Vollständig Geimpfte können ihren Status jetzt auch über ihr Smartphone nachweisen

Impfpass per App – so geht’s

Von 
Alessandro Peduto und Julia Emmrich
Lesedauer: 
Seit Donnerstag ist es komplett Geimpften möglich, ihre Daten per Handy-App einzulesen. © dpa

Berlin. Rund 20 Millionen Bundesbürger sind inzwischen vollständig geimpft, jeden Tag werden es mehr. Bislang ist der Impfschutz in der Regel mit zwei kleinen Aufklebern im gelben Impfheft festgehalten. Mit dem digitalen Impfpass soll der Nachweis beim Einkaufen, bei Restaurantbesuchen und Reisen einfacher werden. Die entsprechende App lässt sich seit Donnerstag aufs Smartphone laden, in den kommenden Tagen sollen vollständig Geimpfte die nötigen digitalen Codes von Impfzentren, Arztpraxen und Apotheken bekommen.

AdUnit urban-intext1

„Es geht jetzt los“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag in Berlin. Aber: „Nicht alle Stellen werden heute oder morgen schon angeschlossen sein.“ Heißt: Nicht jeder wird den digitalen Impfpass sofort aufs Handy laden können. Der Grund dafür liegt darin, dass einige Länder die zu scannenden QR-Codes von Menschen, die ihre Impfung im Impfzentrum bekommen haben, per Post zustellen. Andere müssen sich dazu eine Apotheke suchen, die dann aber auch dazu in der Lage sein muss, digitale Impfcodes zu erstellen. Bis spätestens Ende Juni aber soll jeder, der möchte, die Möglichkeit haben. Wichtig: Der alte gelbe Impfpass bleibt weiter gültig – auch bei internationalen Reisen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie funktioniert der digitale Impfnachweis?

Geimpfte bekommen vom Impfzentrum, in der Arztpraxis oder im Nachhinein bei den Apotheken ein ausgedrucktes Dokument mit einem QR-Code oder Barcode. Dieser Code lässt sich mit der Handykamera scannen und so in geeignete Apps importieren. Möglich ist das aktuell mit der Corona-Warn-App und der neuen App „CovPass“. Beide Apps laufen auf allen aktuellen Android- und iOS-Smartphones. Die Speicherung ist für die Nutzer kostenfrei, die Apotheken können den Nachweis abrechnen.

Wo ist der Nachweis überall erhältlich?

Grundsätzlich soll in Zukunft die Ausstellung dort erfolgen, wo Menschen geimpft worden sind – also in einem Impfzentrum oder in einer Arztpraxis. Die 20 Millionen bereits Geimpften können sich den Nachweis nachträglich holen, beim Arzt oder vom kommenden Montag (14. Juni) an bei Apotheken. Da aber nicht alle Apotheken daran teilnehmen, empfiehlt sich ein Blick in das Onlineportal mein-apothekenmanager.de, um zu sehen, welche Apotheke vor Ort digitale Impfzertifikate ausstellt. Um den Impfnachweis nachträglich digitalisieren zu lassen, braucht man die Impfbescheinigung (in der Regel das gelbe Impfheft) und einen amtlichen Lichtbildausweis.

AdUnit urban-intext2

Wie überprüfen Veranstalter den Impfstatus?

Es wird eine spezielle Überprüfungs-App für Dienstleister geben. Mit ihr können mittels der Smartphone-Kamera die Nachweise vom jeweiligen Display gescannt werden. Dies läuft ab wie bei Ticketkontrollen oder beim Boarding am Flughafen. Um Missbrauch zu vermeiden, werden die Daten eventuell mit einem amtlichen Lichtbildausweis abgeglichen.

Welche Daten werden in dem Nachweis gespeichert?

Das Zertifikat enthält laut Ministerium Informationen zu Impfstatus, Impfdatum, Vakzin sowie Namen und Geburtsdatum. Die Daten werden für die Erstellung des Zertifikats gespeichert und anschließend gelöscht. Nach dem Einlesen in die App sind sie nur dort gespeichert. Eine zentrale Speicherung ist nicht vorgesehen, ein bundesweites Impfregister soll es nicht geben.

AdUnit urban-intext3

Kann man mehrere Nachweise in einer App speichern?

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums können auch digitale Impfnachweise von Partnerinnen und Partnern sowie Kindern gespeichert werden. Künftig sollen auch Genesenen-Nachweise in den Apps gespeichert werden können, um dadurch eine überstandene Infektion nachzuweisen. Die Zertifikate lassen sich laut der Dokumentation beliebig oft vom Blatt in die App scannen. Man kann sie also auch auf mehreren Smartphones nutzen. Bei Verlust oder Neuanschaffung eines Handys muss man den Code einfach nur wieder ins neue Smartphone einscannen.

AdUnit urban-intext4

Kann ich mit dem Ausweis wieder auf Reisen gehen?

Ja. Das EU-Parlament hat am Mittwoch grünes Licht für ein europaweit gültiges Impfzertifikat gegeben. Deutschland setzt mit dem CovPass das gemeinsame EU-Vorhaben um. Damit soll vereinfachtes Reisen in der EU möglich werden. Jedoch hat weiterhin jeder Mitgliedstaat einen Ermessensspielraum, welche konkreten Erleichterungen für Inhaber des Zertifikats vor Ort gelten. Hier kann es also regional zu Unterschieden kommen.

Und was sagen die Kritiker des digitalen Impfpasses?

Der Deutsche Hausärzteverband übt scharfe Kritik am Vorgehen von Gesundheitsminister Spahn: „Der CovPass ist ein erneutes Beispiel dafür, wie Projekte erst jahrelang verschlafen und dann plötzlich übers Knie gebrochen werden“, sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Weigeldt unserer Redaktion „Vor drei Jahren haben wir bereits einen digitalen Impfnachweis gefordert, damals war nichts passiert.“ Nun werde mit der heißen Nadel eine Zwischenlösung gestrickt, für die Ärzte seien viele Fragen offen.

Autor

Autor