Alles nur noch online?

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In den letzten Wochen und Monaten habe ich oft an Online-Veranstaltungen im und für den Bildungsbereich teilgenommen. Eigentlich eine spannende Sache, denn es tuen sich mit digitalen Plattformen und Tools vermehrt neue Welten auf. Doch werden diese Welten von uns allen ‚bereist‘? Wie finden sich ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, mit unterschiedlichen Sprach- und Schulkenntnissen in diesen Welten zurecht?

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Die Erkenntnisse einer pflegenden Angehörigen - Frau G. erläutert ihre Sicht der Dinge

Ich kann mich noch sehr gut an die ersten ‚Schritte‘ mit dem PC erinnern. Obwohl ich sehr jung war, als ich das erste Mal am PC saß, war das Internet in meiner Generation noch gar nicht Bestandteil unseres Lebens. Das kam erst später. Und ich kann mich gut daran erinnern, wie ich ängstlich war, einen falschen Knopf zu drücken. Obwohl das Teil ja wirklich nicht explodiert wäre, geschweige denn, dass ich es hätte kaputt machen können. Aber das ist nicht der Punkt: Wie viele unserer Generation, ältere, aber auch jüngere Menschen haben wir Angst davor, Fehler zu machen. Fehler, die Konsequenzen nach sich ziehen können. Und dasselbe ist der Fall, wenn sich heute Menschen mit Programmen und Tools auseinandersetzen müssen, die sie vorher noch nie benutzt haben oder von denen sie keinerlei Vorstellung haben. All dies bereit vielen Menschen Kopfschmerzen.

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Man muss sich Zeit nehmen

Um mit der Welt der Digitalisierung Schritt zu halten, muss man sich ein wenig Zeit nehmen. Doch selbst dann ist nicht gesagt, dass man alles gleich versteht oder es auf Anhieb klappt. Viele Programme oder Apps sind relativ einfach handhabbar und intuitiv zu benutzen. Dennoch schwierig für Menschen, die eventuell älter sind und sich in einer Pflegesituation befinden. Wie kann man seine Rechnungen ins Krankenversicherungsportal zur Erstattung hochladen? Und wie kann ich zuvor die App auf mein Handy runterladen und dort installieren? Was, wenn das System fehlerhaft ist und es gar nicht an einem selbst liegt, wenn eine Fehlermeldung kommt? Hat man zu all dem noch Nerven, wenn man jemanden pflegt, die Familie versorgen muss und noch arbeitet? Ehrlich gesagt: NEIN! Ich glaube vieler Ortens werden die Menschen schon gar nicht mehr richtig ‚mitgenommen‘. D.h. wenn Sie sich nicht selbst darum kümmern oder Ihnen jemand zur Seite steht haben Sie eindeutig die schlechteren Karten.   

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Generationsübergreifende Hilfen

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Gerade in diesen Bereichen wünsche ich mir mehr Interaktion zwischen den Generationen. Junge Menschen stehen ihren Großeltern oder älteren Verwandten häufig recht nahe und möchten auch etwas zurückgeben, besonders wenn sie in einer von Liebe und wertschätzender Atmosphäre großgeworden sind. Sie sind die ‚Digitalberater‘ von morgen. Scheuen Sie sich nicht, junge Menschen um Hilfe zu bitten oder gar einen ‚Deal‘ vorzuschlagen: App einrichten und erklären lassen gegen Omas Rindergulasch mit Knödeln. Da kann doch keiner ‚Nein‘ sagen, oder? Oder den PC wieder auf Vordermann bringen und somit das Taschengeld aufbessern. Es gibt unzählige Möglichkeiten doch Sie müssen wahrscheinlich wieder einmal selbst die Initiative ergreifen. Wenn Sie sich dazu überwunden haben, gibt es bestimmt so einige, die Ihnen helfen werden. Sei es in der Familie oder von Freunden und Bekannten. Ein besonders gutes Beispiel ist es, jetzt den Corona-Termin zu ‚ergattern‘! Hier sind definitiv die Kinder oder Enkel am Zug, besonders da die Terminvergabe über das Smartphone erfolgt, was beileibe nicht jeder hat. Aber gerade hier sehen wir gutes Teamwork zwischen den Generationen.

Aktiv sein und bleiben

Wir müssen aktiv sein und bleiben. Sei es im Kopf oder/und physisch. Auch wenn die Hürde im Kopf vielleicht sehr hoch ist: Probieren Sie aus! Seien sie neugierig und wissbegierig. Beschränken Sie sich nicht selbst, denn das ist die größte Hürde, die sie überspringen müssen. ‚Geht nicht – gibt’s nicht‘. Sehen Sie die Möglichkeiten, die so manch ein Tool oder die zunehmende Digitalisierung selbst Ihnen bietet. Gerade wenn Sie längere Zeit ans Haus gebunden sind, durch eine Pflegesituation, kann das Benutzen einer digitalen Plattform oder das ‚sich tummeln‘ in sozialen Netzwerken die seelische Rettung für den einzelnen bedeuten. Versuchen Sie Spaß bei der Sache zu haben und probieren Sie einfach mal ein paar Sachen aus.  

Bleiben Sie gesund und bleiben Sie neugierig und machen Sie einfach! Nicht zu viel nachdenken oder Bedenken haben.

Ihre Waltraud Gehrig