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Hockey

Schwester Julie Pieper: „Cécile ist mein großes Vorbild“

Julie Pieper (16) aus Oftersheim möchte in die Fußstapfen ihrer Schwester treten, die gerade WM-Vierte mit dem DHB-Frauenteam geworden ist

Von 
Michael Rappe
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„Sie ist auf jeden Fall eine sehr gute Hockeyspielerin“ – das ist auf Julie Pieper (l.) gemünzt und kommt aus berufenem Munde – von Schwester Cécile Pieper. © Pieper

Oftersheim. Es war ein echtes Familientreffen in Sachen Hockey. Cécile Pieper aus Oftersheim hatte mit den deutschen Hockey-Frauen bei der WM das Halbfinale im spanischen Terrassa erreicht, ihre Schwester Julie spielte mit dem U16-Nationalteam ein Acht-Nationen-Turnier an gleicher Stelle. Da ließen es sich die Eltern nicht nehmen, aus dem heimischen Oftersheim erst nach Amsterdam – da fand die Vorrunde der WM statt – und dann nach Spanien zu reisen, um die beiden Töchter spielen zu sehen.

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Aus Julie konnte eigentlich nichts anderes als eine Hockeyspielerin werden. Mit der Geburt bekam sie von ihren großen Geschwistern – neben Cécile noch Philip und Matthieu – einen Hockeyschläger geschenkt und begann im Alter von zarten drei Jahren beim Mannheimer HC. „Der Schläger war so groß wie ich“, grinst die 16-jährige Schülerin des Ludwig-Frank-Gymnasiums in Mannheim. Zwar machte sie auch neun Jahre lang Ballett, doch der Spaß am Spiel und Training mit anderen überwog schnell. „Im Ballett war ich schlecht, im Hockey gut“, hat sie eine einfache Erklärung für ihre Entscheidung.

Die Entwicklung ihrer Schwester mit Länderspielen, der Teilnahme an Welt- und Europameisterschaften und zweimal an Olympia (2016, 2021) motivierte sie zusätzlich. „Ich schaue zu ihr auf, das, was sie erreicht hat, möchte ich auch erreichen“, gibt Julie zu. „Ja, man wird verglichen, aber das ist auch eine Ehre und spornt mich eher an.“

Neuerdings Außenverteidigerin

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Rein größentechnisch wird das mit dem Aufschauen nicht mehr lange funktionieren, denn mit 1,65 Meter hat sie Cécile (1,67 Meter „an guten Tagen“, wie die ältere Schwester witzelt) bald eingeholt. Doch sportlich wird es für sie noch ein langer Weg. Das Turnier in Terrassa war schon mal „ein krasses Erlebnis“. 3:2 gegen England, 1:1 gegen Belgien und 5:0 gegen Schottland in den Gruppenspielen, dann ein 1:3 gegen Spanien im Halbfinale und ein Sieg im Penaltyschießen gegen Belgien im Spiel um Platz drei – das waren gute Ergebnisse für den deutschen Hockeynachwuchs. „Insgesamt bin ich mit dem Turnier sehr zufrieden, auch wenn meine Leistungen in den ersten beiden Spielen nicht so gut waren.“ Nachdem sie lange Zeit im Mittelfeld gespielt hat, agiert sie seit diesem Jahr als Außenverteidigerin. Nun kommt für Julie Pieper der Sprung in den U18-Jahrgang, wo sie erst mal zu den Jüngeren gehört. „Ich hoffe, dass es irgendwann mit dem A-Kader klappt“, sagt sie.

Für Cécile Pieper verlief das Ende der WM mit Platz vier unglücklich. „Eine Medaille wäre sehr verdient gewesen“, sagte sie. Im ersten Moment überwog nach dem 1:2 gegen Australien im Spiel um Platz drei die Enttäuschung, aber „relativ schnell danach hatte ich ein gutes Gefühl und der Stolz überwog, weil wir so gutes Hockey gespielt haben“, berichtete Pieper.

Sie kritisierte den Zeitplan, denn nach dem Halbfinale gegen Argentinien (2:4 im Penaltyschießen), das erst um 21.30 Uhr angepfiffen wurde, hatte das Team nach Pasta um ein Uhr nachts und dem Zubettgehen zwischen drei und vier Uhr nur vier Stunden Schlaf, um dann am nächsten Abend gegen Australien anzutreten.

„Man hätte Freitag und Sonntag spielen können“, so Cécile Pieper. In der Vorrunde hatte das deutsche Team nur gegen den späteren Weltmeister Niederlande mit 1:3 verloren. „Zu dem Zeitpunkt hat noch ein Stück gefehlt“, gab Pieper zu. Sie ist mittlerweile mit 27 Jahren die älteste Feldspielerin einer insgesamt sehr jungen Mannschaft, die in der K.-o.-Runde Südafrika und Neuseeland jeweils 1:0 schlug und damit erstmals nach zwölf Jahren wieder ein WM-Halbfinale erreichte.

Cécile Pieper hat ihren Lebensmittelpunkt mittlerweile ganz nach Den Haag verlegt. Beim HGC hat sie gerade einen Vertrag für die neue Saison unterschrieben, zudem arbeitet sie 20 Stunden die Woche im Retail-Marketing für ein deutsches Start-up.

Dass die Eltern und Julie in Terrassa dabei waren, freute sie sehr, denn allzu oft kommt sie nicht mehr nach Oftersheim. „Meine Eltern sind beide immer voll dabei, ich glaube, sie sind aufgeregter als ich.“ Die Entwicklung von Schwester Julie sieht sie ganz entspannt. „Sie ist auf jeden Fall eine sehr gute Hockeyspielerin, aber ganz anders als ich, obwohl die Position ähnlich ist.“ Julie schlenzt Ecken, was Cécile gar nicht macht, zudem sei die jüngere Schwester eine „krasse Athletin, die gut Muskeln aufbaue.“ Mit 16 könne man noch nicht wissen, wie die Entwicklung mal verlaufe, das weiß Cécile Pieper aus eigener Erfahrung.

Olympia 2024 ist bei ihr fest eingeplant, es könnte das Karriereende sein. 2023 freut sie sich auf die Heim-EM in Mönchengladbach.

Freier Autor

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