Im Interview - Tischtennis-Bezirksvorsitzender Roland Wolff (Hockenheim) hofft auf normale Runde „Der eine oder andere Spieler wird aussteigen“

Von 
Andreas Lin
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Vor wenigen Tagen hat der Badische Tischtennis-Verband (BaTTV) seine Vereine informiert, wie es in der nächsten Saison weitergehen könnte (wir berichteten). Der Hockenheimer Roland Wolff (61) ist nicht nur als Spieler aktiv, sondern führt seit sieben Jahren als Vorsitzender den Bezirk Heidelberg an. Im Interview erzählt er, wie er die Corona-Folgen einschätzt.

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Herr Wolff, wann hatten Sie zum letzten Mal einen Schläger in der Hand?

Roland Wolff: Ich habe zuletzt am 13. März trainiert – einen Tag, nachdem die Runde durch den BaTTV abgebrochen wurde.

Rechnen Sie damit, dass es eine normale Saison 2020/21 geben wird?

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Wolff: Ich glaube, dass besondere Regelungen greifen werden, wenn sich die Lage nicht deutlich verbessert. Bei anhaltendem Risiko: Entweder die Runde wird später gestartet oder die Vorrunde entfällt komplett und es wird nur eine Halbrunde gespielt. Falls eine zweite Infektionswelle kommt, kann ich mir sogar einen Ausfall der gesamten Runde vorstellen. Auch die Anpassung der Wettspielordnung ist in Diskussion. Zum Beispiel könnte für eine Runde kein Doppel mehr gespielt werden. Aber natürlich hoffe ich, dass die Runde abläuft wie immer.

Glauben Sie, dass unter den derzeit geltenden Hygienevorschriften ein einigermaßen geregeltes Vereinstraining möglich ist? Wie machen das Vereine mit ganz kleinen Hallen?

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Wolff: Am vergangenen Dienstag wurde in Reilingen bereits trainiert, auf drei Tischen statt normalerweise auf bis zu fünf in der Halle. Das Training muss dann bei starkem Andrang einfach besser organisiert werden. Allerdings weiß man, dass außerhalb der Runde nur etwa 50 bis 70 Prozent der Spieler regelmäßig trainieren, manchmal auch weniger. Zusätzlich haben einige Spieler bereits betont, dass sie aufgrund der Maßnahmen keine Lust auf Training haben. Auch die weiterhin existente Ansteckungsgefahr hält zehn Prozent vom Training ab. Ich sehe eher Platzprobleme im Jugendbereich, da dort normalerweise durchtrainiert wird. Wir vom TTC Hockenheim sind am Mittwoch gestartet. Wir werden erst einmal beobachten, wie sich unser Hygienekonzept auf die Anwesenheit auswirkt.

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Welche Unterstützung kann der Verband und Bezirk den Vereinen derzeit geben?

Wolff: Der Verband hat diese Woche den aktuellen Maßnahmenkatalog des DTTB, des BaTTV und des BSB versandt. Zusätzlich wurde die aktuelle Verordnung des Landes mitgeschickt. Aus all diesen Maßnahmen und der Grundlage der Landesverordnungen muss nun jeder Verein ein Hygienekonzept unter den jeweiligen örtlichen Bedingungen erstellen – Hallengröße, Anzahl Zugänge zur Halle, Anzahl trainierender Sportler, gibt es Freiwillige für den Posten des Hygienebeauftragten und so weiter. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Empfehlungen der Sportverbände ein Sammelsurium möglicher Maßnahmen darstellen, letztendlich aber die Politik (in diesem Fall das städtische Ordnungsamt) entscheidet, ob die ausgewählten Maßnahmen und die immer zugrundeliegende Landesverordnung als Hygienekonzept anerkannt werden.

Was noch?

Wolff: Der Verband hat unter anderem in einem Rundschreiben betont, dass – sollten wir zu Beginn der Spielrunde 2020/21 dann nicht wie erhofft in einen Regelspielbetrieb eintreten können – es bezüglich Spielansetzungen, Mannschaftszurückziehungen und daraus normalerweise entstehende Sanktionen eine großzügige Handhabung sportlich und einen Verzicht auf Strafen geben soll. Zwar haben wir noch keinen Beschluss im Bezirksvorstand, aber die maßgeblich sportlich Verantwortlichen im Bezirk sehen dies wie der Verband.

Befürchten Sie, dass vielleicht Vereine auf der Strecke bleiben oder es sogar Folgen für die gesamte Sportart haben wird?

Wolff: Hier gibt es mehrere Punkte, die angesprochen werden müssen. Die Motivation: Es wird sicher den einen oder andere Sportler geben, der bei dieser großen Pause komplett aus dem Sport aussteigt. Auch der hoffentlich schnell vorübergehende Tatbestand des umständlichen Trainingsbetriebs oder der Ansteckungsgefahr wird seinen Teil dazu beitragen. Bei der Fortsetzung des normalen Wettspielbetriebs wird es auch Spieler geben, die bei anhaltendem Risiko oder begrenzenden Maßnahmen einfach mal ein Jahr aussetzen wollen. Das kann ungewollte Abstiege von Mannschaften nach sich ziehen oder Staffeln werden nur sehr dünn besetzt sein. Kleinere Vereine können solche Vorgänge nur schwer auffangen.

Was könnte noch auf die Vereine zukommen?

Wolff: Eines der größten Probleme für die Vereine, egal ob Sport, Kultur oder Sonstige, ist die laufende Finanzierung. In unserer Stadt finanzieren sich viele Vereine über Vereinsfeste, Straßenfeste oder die Mitarbeit beim Motodrom. Dies ist in diesem Jahr alles entfallen. Schon jetzt werden komplette Fasnachtskampagnen in 2021 abgesagt. Die Ausweitung der Finanzierungslücke wird sich weiter hinziehen. Viele Vereine werden dies durch höhere Mitgliedsbeiträge auffangen müssen. Ob das reicht, wird sich zeigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ebenfalls arg gebeutelten Gemeinden die Vereine verstärkt unterstützen können. Eine weitere Folge der Pandemie wird sein, dass bei fast allen Sportarten neue Regelungen aufgenommen werden, wie in solchen zukünftigen Fällen vorgegangen werden soll. Bild: Archiv

Autor Stv. Redaktionsleiter + Lokalsportchef Schwetzinger Zeitung