2. Fußball-Bundesliga - Zehnminütiger Tiefschlaf kostet SV Sandhausen weiteren Befreiungsschlag / Freiräume nicht erklärbar „Die Endspiele beginnen jetzt“

Von 
Maximilian Wendl
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Sandhausen-Trainer Michael Schiele steht in Regensburg am Spielfeldrand – Freude konnte nach der verspielten 1:0-Führung nicht mehr aufkommen. © dpa

Und plötzlich sind die Sorgenfalten auf der Stirn von Sandhausens Trainer Michael Schiele wieder deutlich erkennbar. Da hatte der 42-jährige Fußballlehrer darauf gehofft, dass seine SVS-Profis ihn zum ersten Mal mit zwei Siegen nacheinander beschenken könnten und dann das: Bei der 1:3 (1:0)-Niederlage beim SSV Jahn Regensburg (wir berichteten) war es das alte Lied. Vorne die Chancen nicht verwertet, hinten die Gegentreffer kassiert. Die Folge: Ein richtungsweisendes Spiel ging verloren.

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Mit einem Sieg hätte der SVS mit den Oberpfälzern gleichziehen können, doch nun bleiben sie punktgleich mit dem Neuling Eintracht Braunschweig, der auf dem Abstiegsrelegationsplatz liegt. Nur einen Zähler weniger hat der Tabellen-17. FC St. Pauli auf dem Konto. „Es ist für mich unerklärbar, wie es zu diesem Einbruch kommen konnte“, sagte SVS-Geschäftsführer Volker Piegsa, nachdem die Kurpfälzer eine 1:0-Führung leichtfertig aus der Hand gegeben hatten.

Es war die Abwehrreihe, die für wenige Minuten komplett auseinanderfiel. Die Einsätze von Aleksandr Zhirov, Tim Kister und Alexander Rossipal standen vor dem Spiel noch auf der Kippe. Doch die medizinische Abteilung der Sandhäuser hatte sich ins Zeug gelegt und das Trio rechtzeitig fit bekommen. „Wir haben schon am Samstag grünes Licht bekommen, dass wir auf sie zählen können“, erklärte Schiele.

„Nach der Pause indiskutabel“

Hätte es für die in der Trainingswoche angeschlagenen Akteure nicht gereicht, wäre der Coach zu Umstellungen gezwungen gewesen. Dann wäre eine Defensivreihe auf dem Feld gestanden, die vorher noch nie zusammengespielt hätte und deren Abstimmungsprobleme leichter erklärbar gewesen wären. Das war aber nicht der Fall und so sind die Freiräume der Regensburger zwischen der 58. und der 68. Minute nur schwer vermittelbar. Ausgenutzt wurden sie von Jann George (58./68.) und Sebastian Stolze (64.). „Wir haben nicht mehr so kompromisslos verteidigt wie im ersten Durchgang und haben dem Gegner zu viele Räume angeboten. Die Leistung nach der Pause war indiskutabel“, bestätigte der Sportliche Leiter Mikayil Kabaca.

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Hinzu kam, dass im zweiten Durchgang eigene Chancen Mangelware waren. „Wir haben die entscheidenden Zweikämpfe verloren und der Gegner hat das eiskalt ausgenutzt. Die zehn Minuten waren spielentscheidend“, sagte Emanuel Taffertshofer und Innenverteidiger Nils Röseler, der mit einem Traumanspiel die frühe 1:0-Führung von Daniel Keita-Ruel einleitete, sagte: „Solche Fehler dürfen wir nicht machen. Wir müssen über die kompletten 90 Minuten kompakt stehen.“

Gegen Heidenheim war dem SVS das noch gelungen. Jetzt folgte wieder ein kleiner Rückschritt. Durch den kurzzeitigen Einbruch verschärft sich die Lage im Abstiegskampf wieder und die Aufgaben werden auch nicht einfacher. Mit dem VfL Bochum kommt am Sonntag, 24. Januar, ein Aufstiegsanwärter an den Hardtwald, der die letzten vier Ligaspiele allesamt gewonnen hat und auch im DFB-Pokal mit einem 3:0-Sieg im Elfmeterschießen gegen den Bundesligisten 1. FSV Mainz 05 glänzen konnte.

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Während Röseler glaubt, man wisse, was künftig zu tun sei, drängt Piegsa auf die Kehrtwende: „Wir müssen dieses Spiel abhaken und alle Kräfte für die anstehenden Partien mobilisieren. Die Endspiele beginnen jetzt.“

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Im Kampf um den Ligaverbleib zählen nur Punkte. Bleiben diese aus, werden die Sorgenfalten auf der Stirn von Michael Schiele nicht verschwinden.

Redaktion Maximilian Wendl ist freier Mitarbeiter vor allem im Bereich Sport. Er betreut unter anderem den SV 1916 Sandhausen (Fußball), die Kurpfalz-Bären (Frauenhandball) und die HG Oftersheim/Schwetzingen (Männerhandball). Außerdem ist er Experte für Motorsport.