Im Interview - Harald Schäfer äußert sich zur Fortsetzung der Saison / Der Vorsitzende des Fußballkreises Mannheim sieht die Tendenz immer schwieriger werden / Gewisse Lethargie macht sich breit „Ein Abbruch wäre der schlechteste Fall“

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Andi Nowey und Andi Nowey
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Die Handballer haben es bereits beschlossen, nun zog der Tischtennisverband nach und beendete die Saison 2020/2021 vorzeitig. Bei den Fußballern im badischen Verband und im Kreis Mannheim besteht nach wie vor ein Hoffnungsschimmer, den Spielbetrieb doch noch fortzusetzen. Doch die Aussichten sind mehr als ungewiss, wie Kreisvorsitzender Harald Schäfer (kleines Bild) im Gespräch mit unserer Redaktion betont.

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Herr Schäfer, der bundesweite Lockdown wurde bis zum 7. März verlängert. Was bedeutet das für den Amateurfußball?

Kreisklasse A: Beide Mannschaften schenkten sich nichts. Rheinaus Abbas El-Ahmar ( l.) gegen den Badenia Hirschacker-Kapitän Pascal Roth (r.). Ob in dieser Saison noch mal gespielt wird, steht in den Sternen. © Fischer/Nix

Harald Schäfer: Das bedeutet hauptsächlich, dass wir gezwungen sind, die Füße still zu halten und nicht auf den Fußballplatz zurückkehren können. Das Schlimme ist, dass man einfach auch keine Perspektive hat, wann es weitergehen könnte. In letzter Zeit bekommen wir schon vermehrt Anrufe von Vereinsvertretern, die fragen, ob wir überhaupt noch einmal spielen. Vor vier Wochen hätte ich gesagt, dass wir auf jeden Fall noch mal spielen. Jetzt geht die Tendenz immer mehr in die Richtung, dass es schwer wird.

Welche Szenarien sind denn – Stand heute – überhaupt noch realistisch und vertretbar?

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Schäfer: Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder wir spielen die Vorrunde noch fertig, sofern wir noch genügend Spieltage haben. Oder aber – und das wäre der Worst Case – wir müssten die Runde abbrechen. Alle anderen bisher angedachten Szenarien sind jetzt nicht mehr durchführbar.

Wie erfahren die Vereine, wann und wie es weitergeht?

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Schäfer: Bevor eine Entscheidung getroffen wird, werden wir alle Vereine noch einmal in einer Videokonferenz zusammenrufen und hier auch die Meinungen der Clubvertreter anhören.

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In Bayern wurde die vergangene bereits abgebrochene Spielzeit einfach in die neue Saison übertragen und fortgeführt. Wäre das in Baden auch denkbar, quasi eine Saison 2020/2022 zu machen und im Sommer den eingefroren Stand fortzusetzen?

Schäfer: Vor der Pandemie hatten wir diesbezüglich noch keine Regelung. Auf den beiden Verbandstagen in 2020 haben wir dazu aber einiges geregelt. Und klar ist, dass wenn nicht 50 Prozent aller Spiele absolviert sind, dann gilt die Saison als annulliert. Wir hoffen aber weiterhin, dass wir zumindest diese Marke, also die Vorrunde zu absolvieren, noch schaffen.

Könnten die Erfahrungen aus den letzten beiden Spielzeiten der Startschuss sein, vermehrt alternative Saisonmodelle zu testen wie es im Odenwald praktiziert wird?

Schäfer: Man muss immer berücksichtigen, dass wir hier im Mannheimer Kreis eine andere Ausgangslage und in den vergangenen Jahren witterungsbedingt nicht die schlechten Erfahrungen gemacht haben. Das ist im Odenwald anders. Wenn die Pandemie aber auf dem Rückmarsch ist, dann werden wir wohl zu den traditionellen Spielmodellen zurückkehren. Wenn allerdings die Vereine sagen, dass sie etwas verändern wollen, dann werden wir uns davor nicht verschließen.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Was macht ein Kreisvorsitzender in dieser Zeit sonntags?

Schäfer (lacht): Ich gehe viel spazieren und besuche meine Enkelkinder, soweit es geht. In Bezug auf Fußball zieht eine gewisse Lethargie ein.

Das sagen die Trainer aus unserem Verbreitungsgebiet

Wir haben uns unter den Trainern zu dem Thema umgehört. Und das sind die Aussagen.

Kay Gerwig (FV 08 Hockenheim): In allererster Linie geht natürlich immer die Gesundheit vor. Da ist mir der Fahrplan der Politik und des Landes aber auch zu wachsweich, da jeder gefühlt alles besser weiß und unterschiedlich entschieden wird. Als würde Covid-19 Unterschiede machen zwischen Bundesländern und Tageszeiten. Was den Fußball betrifft, denke ich, dass es schwierig ist, die Saison noch mal zu starten. Allein schon aus terminlichen Aspekten und unter der Voraussetzung einer halbwegs guten Vorbereitung. Natürlich wäre es in unserer Position wohl besser, die Runde abzubrechen – so könnten wir die Klasse im Falle einer Annullierung wohl halten. Allerdings ist, wenn jede Woche eine oder mehrere Mannschaften positiv getestete Fälle hätte, keinem geholfen, die Runde noch zu Ende zu spielen. Das endet im vorprogrammierten Chaos. Das jetzt erreichte Ergebnis, für das wir in der Gesellschaft sehr viel geopfert haben, wäre damit komplett über den Haufen geworfen. Vielleicht ist im Sommer die Situation endlich unter Kontrolle und wir können dann ohne größere Einschränkungen wieder unserem geliebten Sport nachgehen.

Marco Obeldobel (FC Badenia Hirschacker): Die Pause ist schon etwas zu lange. Man würde für den neuen Spielbetrieb eine Vorbereitung von einem Monat benötigen, damit die Spieler wieder auf ihr Level kommen. Ich wäre für eine jahresübergreifende Saisonfortführung, das heißt, die restlichen sieben Spiele ab September weiterzuführen und dann die Rückrunde im Jahr 2022 zu beenden. Das wäre für alle Beteiligten der kleinste Widerstand – man hätte genug Zeit, sich vorzubereiten.

Sascha Dörrmann (SC Olympia Neulußheim II): Ich denke, es sollte noch mal gespielt werden, um zumindest die Vorrunde komplett zu haben. Zum einen für Auf- und Absteiger, zum anderen kann man das hervorragend als Vorbereitung nehmen. Natürlich sind jetzt schon vier Monate Pause, von daher wäre es sehr wichtig, den bei uns begonnenen Umbruch in der Spielanlage abschließen zu können. Unsere Meinung ist daher, dass man es definitiv versuchen sollte, irgendwie noch mal zu spielen. wy

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Freie Autorenschaft Schwerpunkte: Mannheimer Kreisfußball, Kreisklassen A und B, Kreispokal, Waldhof-Legenden