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3. Handball-Liga Frauen - Droht Abschaffung zugunsten von Spitzenvereinen und Nationalmannschaft? / Vereine befürchten Verlust der Basis, von Zuschauern und Sponsoren

Ganze Spielklasse soll ausgelöscht werden

Von 
Mike Junker
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Im Gastspiel bei der HSG St. Leon/Reilingen steigt Cara Reuthal von der TSG Ketsch II hoch – eine solche Szene aus der 3. Handball-Liga könnte der Vergangenheit angehören, wenn es nach Forderungen von Axel Kromer, DHB-Vorstand Sport, geht. © Lenhardt

„Mehr Qualität, mehr Erfolg“, so überschreibt der Deutsche Handballbund (DHB) ein Strategiepapier, welches vor Kurzem präsentiert wurde. Ziel sei es, dem deutschen Frauenhandball den Weg in eine erfolgreiche Zukunft zu ebnen. Das klingt nach dem ersten Eindruck durchaus ehren- und lohnenswert. Die weibliche Sparte soll wirtschaftlicher, ja lukrativer werden, die Nationalmannschaft endlich die immer wieder hochgesteckten Ziele erreichen. Denn der letzte Podestrang bei einem großen internationalem Turnier liegt doch einige Zeit und hinter den Ansprüchen zurück (2007). Finalplätze sind aber weiterhin angestrebt.

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„Wir müssen in einer umfassenden und vielschichtigen Reform die Struktur des Frauenhandballs entwickeln, die Qualität der Spielerinnen verbessern und so mit Vereinen und Nationalmannschaft auf Top-niveau konstant konkurrenzfähig zu werden“, fordert deshalb der DHB-Vorstand Sport, Axel Kromer.

Und diese angedachten Veränderungen ab der Saison 2022/23 haben es in sich. Das Niveau der Bundesliga soll gehoben werden (unter anderem durch eine Verkleinerung auf zwölf Teams und mit Play-offs), um der europäischen Spitze Paroli bieten zu können. Außerdem sei eine Idee angedacht, „künftig zweite Mannschaften auch in der 2. Bundesliga (Anmerkung: in der dann zweigleisigen Liga zu je 14 Mannschaften) spielen zu lassen“, erläutert Kromer und fügt noch kurz, quasi als Nebensatz, an: „Das Ligen-System bleibt auch nach dem mittelfristigen Wegfall der 3. Liga durchlässig, so dass weiterhin Mannschaften aus den Oberligen in die 2. Liga aufsteigen können.“

Bislang unterlagen die beiden obersten Spielklassen allerdings der Kompetenz der Vereinigung Handball Bundesliga Frauen (HBF). Es wurden jedoch Gerüchte durchgesteckt, dass der Grundlagenvertrag, mit dem die Zusammenarbeit zwischen DHB und HBF geregelt wird, gekündigt sein soll.

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Exkurs in die Geschichte

1975, mit der Einführung der Frauen-Bundesliga, wurden die damaligen fünf Regionalligen (teilweise mit je zwei Staffeln) zur zweiten Spielebene. Zuvor gab er nur Regionalmeisterschaften und die Oberligen der einzelnen Landesverbände. Zehn Jahre später kam die 2. Bundesliga hinzu. Die Regionalliga unter dem Patronat der inzwischen größtenteils aufgelösten Regionalverbände hatte dann Bestand bis 2010. In der Saison 2010/11 wurde sie durch die 3. Liga unter dem Dach des DHB ersetzt. Verbandszugehörigkeiten spielten nun für diese Klasse keine Rolle mehr. Eventuell soll nun aber schon 2024 die 3. Liga der Frauen wieder Geschichte sein.

Die Arbeitsgruppe Frauenhandball besteht aus Präsident Andreas Michelmann, Vorstandsvorsitzendem Mark Schober, Vorstand Sport Axel Kromer, den Vizepräsidenten Hans Artschwager (Sprecher der Landesverbände) und Carsten Korte (Vorsitzender der Jugendspielkommission), HBF-Vorsitzendem Andreas Thiel und der ehemaligen Nationalspielerin Anna Loerper. In weiteren Gruppen waren themenspezifisch die früheren Nationalspielerinnen Clara Woltering, Anja Althaus und Julia Behnke, die Bundesligatrainer André Fuhr, Markus Gaugisch und Herbert Müller, Chef-Bundestrainer Nachwuchs Jochen Beppler und HBF-Geschäftsstellenleiter Christoph Wendt aktiv. Unbekannt ist, wer sich wieweit bei der Ausarbeitung des Papiers eingebracht hat.

Proteste und Kritik

Es hat eine Weile gedauert, aber mittlerweile hat deutschlandweit eine Protestwelle eingesetzt, denn das Vorhaben trifft nicht überall auf Gegenliebe. „Verantwortungslos und weltfremd“ titelt der Gießener Anzeiger und hält in einem Kommentar die Abschaffung für „zweifelhaft, Standorte werden geschwächt, es fehlt die Perspektive: Das Ende der 3. Liga im Frauenhandball wäre ein Eigentor für den DHB“. „Bei einer derartigen Zentralisierung bricht es an der Basis weg“, befürchtet Arnold Manz, Trainer der SG Kappelwindeck/Steinbach. Gabriele Kubik, Co-Trainierin der TG Pforzheim, befürchtet, dass bei einem reinen Oberliga-Spielbetrieb, der dann die dritte Ebene bilden würde, Zuschauer und Sponsoren ausbleiben würden. Die Oberligen sollen indes auf nunmehr zehn Bereiche (aktuell zwölf) zu je zwölf Mannschaften reduziert werden. Ihr Vorsitzender Matthias Schickle nennt das Projekt einen „Schlag ins Gesicht der Vereine, die sich in den letzten Jahren eine Basis aufgebaut haben“.

„Für die kleineren Vereine wird das zum Problem, bei uns wird es keine Profistruktur geben können“, erwartet auch Coach Kai Harbach vom Königsborner SV. „Wir sind absolut dagegen und finden die Maßnahmen hoch problematisch“, kritisiert auch Kirchhofs Managerin Renate Denk, sieht ebenfalls Probleme bei der Sponsorenakquise. „Diese Maßnahmen stärken nur die Spitzenteams.“ Steffen Schmude vom SVG Fritzlar vermisst dabei jegliche „Wertschätzung für die kleinen Vereine, die über Jahre in der 3. Liga gute Arbeit geleistet haben“.

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„Müssen fundamental handeln“

Von DHB-Seite heißt es via Kromer da nur: „Natürlich berührt die Veränderung des Ligen-Systems die Breite, aber wir müssen fundamental handeln.“ Der Oftersheimer Peter Knapp, Präsident des badischen Landesverbandes (BHV) und von Handball Baden-Württemberg (HBW), will sich dazu noch nicht äußern. „Zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich meine eigene, persönliche Meinung zurückhalten, da ich dem Meinungsbildungsprozess auf den verschiedenen Ebenen nicht vorgreifen möchte.“

Der sei innerhalb des BHV im Vorstand von HBW in vollem Gange, außerdem gebe es am 7. August in Kassel noch ein Treffen der Landes-verbands-Präsidenten, wo dieses Thema sicherlich auch behandelt wird. Und am 3. Oktober soll der DHB-Bundestag darüber beraten und abstimmen.

Freier Autor Dem Handball verbunden, aber immer flexibel

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