Handball-Bundesliga Frauen - Ketscher Kurpfalz-Bären geben Führung gegen Blomberg-Lippe aus der Hand / Degradierte Samira Brand bleibt außen vor Großer Kampf wird nicht belohnt

Von 
Maximilian Wendl
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Die Bären halten gegen Blomberg-Lippe lange mit. Hier versuchen Cara Reuthal (l.) und Lena Feiniler (2. v. r.), die Gästeabwehr zu überwinden. © Bamberg

Sechseinhalb Minuten fehlten den Kurpfalz-Bären, um in der Handball-Bundesliga der Frauen eine Überraschung einzufahren. Gegen die HSG Blomberg-Lippe – immerhin Vierter in der Tabelle – roch es in der Neurotthalle über weite Strecken der Partie nach einem Coup, doch am Ende musste sich das Schlusslicht am Samstagabend mit 23:25 (13:12) knapp geschlagen geben.

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Zweifellos boten die Bären eine gute Leistung. Letztendlich setzte sich aber die individuelle Qualität der HSG durch. Bären-Coach Adrian Fuladdjusch freute sich dennoch über den couragierten Auftritt seiner Mannschaft: „Wir hatten uns viel vorgenommen und konnten eine ganze Menge davon umsetzen. Deswegen finde ich, das war ein toller Auftritt. Am Ende haben die Spielerinnen angefangen, nachzudenken. Vielleicht hatten sie ein wenig Angst, zu gewinnen.“

Bären – Blomberg 23:25 (13:12)

Bären: Moormann, Wiethoff; Feiniler (3), Haupt, Brand, Filmar, Herrmann (alle n. e.), Sommerrock (1), Marmodee (1), Fackel, Reuthal (9/8), Möllmann, Bühl, Engelhardt (4), Eckhardt (5), Winnewisser.

Beste Spielerinnen: Engelhardt, Reuthal – Franz, Veith.

Schiedsrichter: Daniela Kuschel/Sandra Senk. – Zuschauer: keine. zg

Insgesamt war es wohl ein Mix aus fehlender Abgezocktheit und körperlicher Frische. Fuladdjusch verzichtete jedoch auf große Wechselspiele und frische Impulse von der Bank. Stattdessen machte er seine Andeutung wahr und setzte auf Lea Marmodee und Cara Reuthal. Die bisherigen Leistungsträgerinnen Saskia Fackel und Samira Brand ließ er, nachdem die Bären die Vertragsangebote für das Duo zurückgezogen hatten, draußen. Linkshänderin Fackel ist die zweitbeste Schützin ihrer Mannschaft, durfte gegen Blomberg-Lippe aber gerade einmal zehn Minuten ran. Die bisherige Stammspielmacherin Brand konnte sich die Dusche nach der Schlusssirene sogar ganz sparen.

Fuladdjusch ließ sie 60 Minuten auf der Bank schmoren und wich nach Spielende der Frage aus, ob seine Entscheidung mit der Vertragssituation zu tun habe. Er begründete es so: „Auch Jule Haupt, Marlene Herrmann und Anna Filmar saßen die komplette Spielzeit draußen. Alle Spielerinnen haben die Berechtigung, im Kader zu stehen und als Trainer muss ich das Für und Wider abwägen und wenn wir mit zwei Toren gegen eine Topmannschaft der Liga verlieren, dann habe ich nicht alles falsch gemacht.“ Dennoch bleibt bei einigen Anhängern der Bären ein fader Beigeschmack zurück, das ist in den sozialen Netzwerken nachzulesen.

54 Minuten mitgehalten

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Für den Coach und sein Team spricht aber, dass die Bären über 54 Minuten sogar sehr viele Dinge richtig gemacht haben. Zeitweise führten die Bären im zweiten Durchgang mit 16:13. Selbst in einer Phase, in der es kurzzeitig so aussah, als würde Blomberg die Kontrolle übernehmen und davonziehen (17:19), hatte Ketsch eine Antwort parat. Der Schlüssel war die penetrante Ketscher Deckung, mit der die Gäste überhaupt nicht zurechtkamen. „Das war ein ganz komisches Spiel. Es hat sich von der Aggressivität her so angefühlt, als wäre es ein Kaffeekränzchen mit ein bisschen Handball. Die HSG kam mit unserer Abwehr nicht zurecht. Das war der Lohn unserer Arbeit“, fand der Übungsleiter.

Trotz des Lobes ist Fuladdjusch aber auch ehrgeizig genug. Er hätte natürlich gerne den zweiten Heimsieg mitgenommen: „Man möchte immer gewinnen und es ärgert mich auch, dass es nicht gereicht hat. Ich habe nach einer Niederlage aber auch noch nie so schnell reflektieren können, was wir geleistet haben. Das ist alles in Ordnung so.“

Duo nicht zufrieden

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Ob jedoch auch im Hintergrund alles in Ordnung bleiben wird, das wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Bisher war der Geist innerhalb der Truppe ein Trumpf. Dem degradierten Duo war aber schon während des Spiels anzumerken, dass es mit der neuen Rolle nicht zufrieden ist. Brand zeigte bei gelungenen Aktionen so gut wie keine Emotionen und bei Fackel war der fehlende Rhythmus in der kurzen Spielzeit, die sie erhielt, spürbar.

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In den kommenden Wochen ist Fuladdjusch also nicht nur als Trainer, sondern auch als Mediator mit Fingerspitzengefühl gefordert. Wenn die Spielerinnen, auf die er setzt, einen viel stärker eingeschätzten Gegner aber an den Rand einer Niederlage drängen, dann darf sich der 33-Jährige vorerst bestätigt fühlen.

Redaktion Maximilian Wendl ist freier Mitarbeiter vor allem im Bereich Sport. Er betreut unter anderem den SV 1916 Sandhausen (Fußball), die Kurpfalz-Bären (Frauenhandball) und die HG Oftersheim/Schwetzingen (Männerhandball). Außerdem ist er Experte für Motorsport.