Sportkegeln - DCU-Verbandsgericht widerspricht Präsidiumsbeschluss / Bei Wertung der Saison müssten sich Plankstadts Frauen mit dem Vizetitel zufrieden geben Ist der VKC Eppelheim doch deutscher Meister?

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Michael Rappe
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Neue Hoffnung für den VKC Eppelheim und den Stolzen Kranz Walldorf. Aufgrund zahlreicher Proteste gegen die Annullierung der Kegel-Bundesliga-Saison musste sich das Verbandsgericht der Deutschen Classic-Kegler Union (DCU) damit beschäftigen. Das Präsidium der DCU hatte am 22. März entschieden, die Saison zu annullieren und keine Meister und Aufsteiger zu küren sowie keine Teams absteigen zu lassen (wir berichteten). Damit waren der bereits feststehende Gewinn der deutschen Meisterschaft seitens der Eppelheimer und der mögliche Aufstieg von Zweitliga-Tabellenführer Walldorf passé.

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Unter Federführung des Stolzen Kranzes Walldorf formierte sich ein Protest, der von 44 Clubs – nicht nur aus den 1. und 2. Bundesligen, sondern auch auf Landesebene – mitgetragen wurde. Insbesondere wurde kritisiert, dass nur noch zwei Spieltage ausstanden, also mehr als zwei Drittel der Saison absolviert war.

So würden die Entscheidungen aussehen

Vorbehaltlich der Zustimmung auf der Konferenz ergeben sich folgende Entscheidungen in Meisterschaft, Auf- und Abstieg:

Bundesliga Männer: deutscher Meister VKC Eppelheim, 2. RW Sandhausen, 3. SG GH//GW Sandhausen. Absteiger: SG Hainhausen, Blau-Gelb Nußloch. Die SG Mühlhausen hat ihr Team komplett aus dem Spielbetrieb zurückgezogen, Olympia Mörfelden hat nur noch für die 2. Bundesliga gemeldet.

2. Bundesliga Süd Männer: Meister Stolzer Kranz Walldorf, 2. SG Ettlingen und TSG Heilbronn (bei Punktgleichheit und gleicher Anzahl Spiele wird der Platz geteilt). Absteiger: Rot-Weiß Sandhausen II.

Bundesliga Frauen: deutscher Meister KSC Mörfelden, 2. SG BW/GH Plankstadt, 3. Frisch Auf Leimen. Absteiger: DJK/AN Großostheim. KF Obernburg verbleibt wegen Punktgleichheit mit dem DKC Alt Heidelberg in der Liga.

2. Bundesliga Süd Frauen: Meister Germania Karlsruhe, 2. SG RW/BF Hemsbach, 3. SG BW/GH Plankstadt und SG DKC/RW Neulußheim (punktgleich). Es gibt keinen Absteiger, da der DSKC Eppelheim II und der TV Unterlenningen punktgleich waren. mra

Das Verbandsgericht sprach nun auf immerhin 27 Seiten – das Urteil ist auf der DCU-Homepage veröffentlicht – die Empfehlung aus, dass die zuständigen Organe der DCU über die Wertung der Saison entscheiden müssen. Das sind die DCU-Konferenz und die DCU-Sportkonferenz. Diese sollen gemäß Mitteilung auf der Homepage des Verbandes am 27. Juni stattfinden, möglicherweise in Form von Video- oder Telefonkonferenzen, sofern nicht eine große Halle gefunden wird, wo die wegen Corona vorgeschriebenen Abstände eingehalten werden können. Die Kegler müssen sich also noch mindestens sechs Wochen gedulden, bis sie endgültig wissen, ob sie Meister, Aufsteiger oder Absteiger sind.

„Es ist nur ein Zwischensieg, aber ein klarer“, freute sich Walldorfs Vorsitzender Helmut Hibschenberger. Sein Verein und die Mitstreiter hatten vor allem kritisiert, dass das DCU-Präsidium nicht autorisiert gewesen sei, einen derartigen Beschluss zu treffen. „Die Betroffenen, also die Bundesligisten, hätten gefragt werden müssen“, so Hibschenberger.

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DCU-Präsident Jens Bernhard (Bild)wies dagegen nochmals daraufhin, dass schon in dem Beschluss vom 22. März vermerkt war, dass die endgültige Entscheidung nur auf den genannten Konferenzen fallen könne. „Es war uns also klar, dass wir das nicht alleine entscheiden dürfen“, sagte Bernhard. Das Verbandsgericht äußerte im Hinblick auf die unabsehbaren Folgen der Pandemie auch durchaus Verständnis für die Entscheidung. Der Gesundheitsschutz der Mitglieder im Einzelfall könne die Mitgliedschaftlichen Rechte erheblich einschränkende Maßnahmen rechtfertigen. Das Verbandsgericht legte aber unter dem Vorsitzenden Dr. Hannes Beutel, einem Richter aus Thüringen, dar, dass es „erhebliche Bedenken hinsichtlich der Erforderlichkeit der Annullierung der Bundesliga beziehungsweise auch an der vollständigen Beendigung des Sportjahres im Entscheidungszeitpunkt“ habe. Kurz gesagt: Die Aussetzung des Spielbetriebes war sicherlich richtig, eine Annullierung der Saison allerdings zumindest voreilig.

Mittlerweile hat die Bundesliga-Kommission getagt und dem Urteil des Verbandsgerichtes Folge geleistet. Die Kommission hat eine Ausarbeitung zum Saisonabschluss 2019/2020 vorgenommen, die am 26. Juni bei der ordentlichen Tagung der Bundesligakommission beschlossen werden soll. Für die DCU-Konferenz ergeht dann ein entsprechender Antrag.

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Mit diesem Entwurf werden Ligen mit elf Mannschaften in Kauf genommen, um eine möglichst faire und ausbalancierte Wertung bei Auf- und Abstieg zu erzielen. Relegationsspiele werden nicht stattfinden. Bei den Männern sollte nach dieser Saison eigentlich nur noch mit zehn Teams gespielt werden, was bei den Frauen schon der Fall war. Beide Bundesligen werden nun voraussichtlich mit elf Mannschaften starten. Aus der 2. Liga Nord Männer gab es mit dem PSV Franken Neustadt und CKC Morenden Bayreuth zwei Aufsteiger, da diese beiden Teams punktgleich sind. Nach der Saison 2020/21 werden die Ligen in einem Schritt auf zehn Teams zurückgeführt.

Pokal bleibt abgebrochen

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Der DCU-Pokalwettbewerb bleibt abgebrochen, auch alle Einzelmeisterschaften 2020 finden nicht statt. Die Verantwortlichen hoffen, dass die neue Saison 2020/21 pünktlich beginnen kann. Sollte die Pandemie andauern, wird es terminlich mit größeren Ligen schwierig. „Wenn es im November losgehen kann, kriegen wir es gerade noch hin“, sagte Jens Bernhard. Bild: DCU