2. Fußball-Bundesliga - SV Sandhausen unterliegt beim FC Erzgebirge Aue mit 1:3 / Dennis Diekmeier sieht Rot / Julius Biada betreibt mit seinem Tor Ergebniskosmetik Keine Fans, kein Glück und keine Punkte

Von 
Maximilian Wendl
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Vor leeren Rängen im Erzgebirgsstadion kämpfen Aues Florian Krüger (Mitte) und Sandhausens Gerrit Nauber (M. r.) um den Ball – die Geisterkulisse schien die Gäste zu lähmen, die mit 1:3 verloren. © dpa

Es war eine gespenstische Ruhe, die sich über dem sonst so lauten Erzgebirgsstadion ausbreitete. Das lag aber nicht daran, dass die gastgebenden Auer eine schwache Leistung dargeboten hätten und deswegen von ihren Anhängern mit Nichtachtung gestraft wurden. Im Gegenteil: Die Sachsen mussten ihren 3:1 (1:0)-Heimsieg im Stillen genießen, da Fans bei Großveranstaltungen aufgrund der Corona-Auflagen nicht erlaubt sind. Auf der Gegenseite schien sich der SV Sandhausen von der Geisterkulisse lähmen zu lassen.

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Trotz der Niederlage konnte SVS-Trainer Uwe Koschinat der Partie aber etwas Positives abgewinnen: „Ich muss ehrlicherweise sagen, dass meine Gefühle vor dem Anpfiff deutlich negativer waren, aber ich habe von der ersten Sekunde an ein echtes Wettbewerbs-Spiel gesehen. Ich hatte immer befürchtet, dass sich der Fußball sehr verfremdet. Aber das, fand ich, war nicht der Fall. Emotionen und Aggressivität haben von beiden Seiten auf gar keinen Fall gefehlt. Das Spiel hatte schon sehr viel von einem normalen Zweitliga-Spiel.“

Das jedoch für den SVS nicht gut begann: Schon nach vier Minuten sah Dennis Diekmeier die Rote Karte, nachdem er im Laufduell ins Straucheln kam und im Strafraum ungeschickt in die Beine seines Gegenspielers Florian Krüger fiel. Zu allem Überfluss entschied Schiedsrichter Florian Badstübner nicht nur auf Elfmeter, sondern schickte den Kapitän auch noch vorzeitig zum Duschen. Sandhausens Geschäftsführer Volker Piegsa kritisierte die Doppelbestrafung: „Das ist eine klare Fehlentscheidung. Der Elfmeter geht in Ordnung, aber eine Rote Karte ist das niemals. Es ist enttäuschend, dass auch der Videoschiedsrichter geschlafen hat.“ Viel schlechter hätte das erste Spiel nach 66 Tagen Corona-Zwangspause wohl nicht beginnen können, denn Dimitrij Nazarov verwandelte sicher und flachste: „Einen Strafstoß zu schießen, ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht.“

Reihenweise falsche Einwürfe

Einige Spieler schienen aber doch die eine oder andere Grundlage während der Unterbrechung verlernt zu haben: Reihenweise wurden Einwürfe, die zum alltäglichen Repertoire eines jeden Fußballers gehören sollten, falsch ausgeführt und mussten wiederholt werden. Im Verlauf des Spiels akklimatisierten sich beide Seiten aber immer besser. „Das ist absolutes Neuland für alle: die Atmosphäre, die ganzen Regeln und Vorschriften. Aber ich denke, die Mannschaften haben es ganz gut gelöst, mit dieser komischen Stimmung umzugehen“, fand Aue-Trainer Dirk Schuster.

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Seine Mannschaft übte früh Druck aus und unterstrich auch ohne Publikum, weshalb sie zu den besten Teams daheim gehört. Nach einer halben Stunde verhinderte SVS-Schlussmann Martin Fraisl gegen Krüger zunächst noch den 0:2-Rückstand, doch in der zweiten Halbzeit hatte der Österreicher das Nachsehen (64.). Sechs Minuten später war die Partie dann endgültig entschieden, als Malcolm Cacutalua das dritte Tor der Gastgeber erzielte.

Der SVS gab sich aber nicht auf. Dabei profitierten die Schwarz-Weißen von Nachlässigkeiten der Auer Defensive. Clemens Fandrich leistete sich einen fatalen Rückpass, den Julius Biada aufnahm und auf 1:3 verkürzte. „Ich habe auf den Fehler spekuliert und hatte auch etwas Glück, aber im Endeffekt können wir uns dafür nichts kaufen.“ Denn ein weiteres Erfolgserlebnis war den Kurpfälzern nicht vergönnt.

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Der SV Sandhausen hat den Re-Start verpatzt, obwohl einige positive Aspekte erkennbar waren. Da allerdings der Karlsruher SC im Tabellenkeller gegen Darmstadt 98 gewann, beträgt der Vorsprung des SVS auf den Abstiegsrelegationsplatz nur noch zwei Zähler. Der Sportliche Leiter Mikayil Kabaca weiß: „Wir müssen die Köpfe jetzt aufrichten und gegen Regensburg einen Dreier landen.“ Die Partie findet am Samstag, 23. Mai, im heimischen BWT-Stadion am Hardtwald statt (Spielbeginn: 13 Uhr). Dort wird neben den Zuschauern auch der gesperrte Kapitän Diekmeier fehlen. Dafür kann Koschinat wieder auf Kevin Behrens, den mit elf Treffern erfolgreichsten Torschützen, zurückgreifen.

Redaktion Maximilian Wendl ist freier Mitarbeiter vor allem im Bereich Sport. Er betreut unter anderem den SV 1916 Sandhausen (Fußball), die Kurpfalz-Bären (Frauenhandball) und die HG Oftersheim/Schwetzingen (Männerhandball). Außerdem ist er Experte für Motorsport.