Serie (Teil 1) - Der frühere Spitzen-Kegler Steffen Karl kümmert sich heute um den Jugendfußball in Walldorf Mit Miro Klose abgeklatscht

Von 
Michael Rappe
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Steffen Karl hat im Sportkegeln nahezu alles gewonnen. Er machte die ganz großen Jahre bei Frei Holz Plankstadt in den 90er Jahren mit. Sein größtes Erlebnis hatte er 1995 beim Weltpokalfinale in Budapest, als er im Mittelpaar gegen den Kroaten Nikolai Dragas einen hohen Rückstand in eine Führung umwandelte. Ralf Koch und Boris Benedik machten dann den Sieg für Plankstadt perfekt.

Lange spielte Sportkegler Steffen Karl in der Bundesliga – wie hier im Trikot des VKC Eppelheim. © Schwindtner (A), Astor
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„Dragas hat alle Tricks gegen mich versucht, aber das war mein Tag und mich hat nichts gestört“, erinnert sich Karl an diesen großen Moment, für ihn der Höhepunkt seiner langen Karriere. Fast 400 Bundesligaspiele hat der heute 50-Jährige bestritten, sein letztes, als er am 14. Januar 2017 gegen Aschaffenburg noch einmal für den Vollkugelclub Eppelheim in der ersten Mannschaft einsprang und ohne jedes Training 943 Kegel erzielte. Nach einem Bandscheibenvorfall 2009 konnte er die hohen Belastungen nicht mehr stemmen. Dass er in seinem letzten Jahr noch einmal mit einer Kegellegende wie Christian Schwarz in einem Team spielen durfte, war für ihn eine große Ehre.

Zur Person: Steffen Karl

Geboren am 23. Mai 1969 in Heidelberg. Wohnort: Eppelheim. Beruf: Elektriker. Tätig als Montagewerker bei John Deere. Verheiratet mit Simone, Sohn Dennis (18 Jahre).

Vereine: Frei Holz Plankstadt, Stolzer Kranz Walldorf, Olympia Mörfelden, Frei Holz Plankstadt, Frei Holz Eppelheim, KC 80 Plankstadt, VKC Eppelheim.

Erfolge: 2 x Weltpokalsieger, 1 x Vize-Weltpokalsieger, 1 x Europapokalsieger und 3 x deutscher Mannschaftsmeister mit Frei Holz Plankstadt, Vize-Weltmeister 1991 (Mannschaft), 2 x deutscher Einzelmeister U23, 17 A-Länderspiele, 21 U23-Länderspiele, 14 x badischer Meister. Bestleistung: 1059 Kegel.

Tätigkeiten als Funktionär: Vorsitzender Frei Holz Plankstadt (zwei Jahre), Sportwart VKC Eppelheim (sieben Jahre). Seit drei Jahren Teammanager der U17 vom FC Astoria Walldorf (Fußball). mra

Eigentlich war Steffen Karl Fußballer, er spielte beim SV Sandhausen sogar in der Landesliga und in der badischen Auswahl. Doch er verletzte sich und kam zum Kegeln, da seine Eltern in Plankstadt Freizeitkegeln machten. „Der Reiz am Kegeln war für mich die Präzision, die Kugel immer dorthin zu spielen, wo es erfolgversprechend war“, beschreibt Karl seine frühere Leidenschaft. Er trainierte und spielte zunächst in der Sandhäuser Jugend unter dem großen Richard Pelikan, dann ging er nach Plankstadt. Mit erst 14 Jahren feierte er sein Debüt in der 2. Bundesliga im Spiel von Frei Holz Plankstadt gegen Rot-Weiß Sandhausen. „Ich weiß noch, ich habe damals gegen Erhard Stritzke gespielt und 926 Kegel erzielt.“

Trainiert wie besessen

Karl trainierte wie besessen, zweimal täglich Sport treiben war für ihn in den 90ern normal. Es war der langjährige Plankstadter Betreuer Reinhold Berger, der ihm riet: „Mach freitags Pause, nur dann kannst du etwas werden.“ Und so kam es auch. Neben den Erfolgen mit Plankstadt spielte er 17 mal für Deutschland, aber eine WM-Teilnahme war ihm nicht vergönnt.

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Als beim Vollkugelclub Eppelheim 2007 der große Umbruch kam – Vladimir Galjanic, Friedhelm Zänger und Christian Schwarz hörten auf – wurde er Sportwart und leitete den Neuaufbau mit ein. Auch sein Sohn Dennis begann mit dem Sportkegeln und wurde bei der C-Jugend zweimal badischer Meister. Doch beim Filius lief es umgekehrt, er entschied sich dann für Fußball bei der TSG Eintracht Plankstadt. Vater Steffen wurde Spielausschussvorsitzender.

Nach Jahren bei der SGK Heidelberg und dem KSC spielt Dennis Karl nun für den FC Astoria Walldorf. Sein Vater ist seit drei Jahren Teammanager dort, außer mittwochs ist er jeden Tag in Walldorf. „Beim Fußball ist man an der frischen Luft“, sagt Steffen Karl und freut sich über interessante Begegnungen. Zum FC Bayern besteht ein guter Draht, erst kürzlich hat er sich nach einem Jugendspiel mit Miroslav Klose abgeklatscht.

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Aber auch wenn heute Fußball seine große Leidenschaft ist, so hängt er doch jeden Samstag am Liveticker der DCU, um die Ergebnisse zu verfolgen. Die Nachwuchssituation im Sportkegeln sieht er sehr kritisch. „Es kommt nichts mehr nach“, bedauert der klare Befürworter der 200 Wurf. „Die 120 Wurf haben es nicht gebracht“, findet er. Auch mit dem teilweise niedrigen Niveau in den obersten Ligen kann er sich nicht anfreunden. „900 Kegel muss man immer spielen, und wenn ich früher 15 Fehler gemacht hätte, dann hätte Ralf Koch mich gekillt.“