2. Fußball-Bundesliga - Sandhausens Kevin Behrens ist für das nordbadische Derby gegen Karlsruhe gerüstet Spätstarter fährt mit dem Rad zum Training

Von 
Maximilian Wendl
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An Kevin Behrens (im weißen Trikot; im Zweikampf mit Bochums Maxim Leitsch) nagt, dass er seine Großchancen nicht besser nutzt. © dpa

Einer der vielen Unterschiede zwischen Fußball-Jungstar Trincão vom FC Barcelona und Sandhausens Kevin Behrens lässt sich abseits des Rasens wohl am besten veranschaulichen: Während der 21 Jahre alte Portugiese sich Anfang der Woche nach seinem ersten Profi-Tor für die Katalanen einen Lamborghini im Wert von 270 000 Euro kaufte, fährt der SVS-Angreifer täglich mit dem Fahrrad zum Training. Das zeigt die Bodenständigkeit, mit der Behrens die Werte des SVS bestens vertritt. Neben ihm fährt auch Tim Kister mit dem Drahtesel zu den Einheiten. Julius Biada komplettiert das Trio, das in der Gemeinde sesshaft geworden ist.

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Zwischen Behrens und Trincão gibt es natürlich noch weitere Unterschiede: Während Barcas Nachwuchshoffnung bis heute der jüngste Spieler des portugiesischen Clubs SC Braga ist, der einen Profivertrag unterschrieb (im Alter von 16 Jahren), gelang dem gebürtigen Bremer der Durchbruch erst mit 27 Jahren.

Gefühle im Griff

Das hatte viele Gründe, meint Behrens: „Ich war ein emotionaler Typ und war lange Zeit noch verrückter als heute. Ich habe immer mal wieder Rote Karten bekommen und den Fokus auf das Wesentliche auf dem Platz verloren.“ Inzwischen hat er seine Gefühle im Griff. Im Trikot der Schwarz-Weißen wurde der heute 30-Jährige nie vom Platz gestellt.

Ein Teamplayer war er immer. Behrens arbeitet unermüdlich für seine Kollegen und ist mit sechs Treffern hinter Daniel Keita-Ruel der zweitbeste Schütze des abstiegsbedrohten Zweitligisten. Es hätten aber durchaus auch mehr Tore sein können in dieser Spielzeit. Allein bei der 1:2-Niederlage beim SV Darmstadt 98 vergab Behrens mehrere Großchancen in der ersten Halbzeit. Das nagt an ihm. „Ich bin nicht gut darin, solche Aktionen abzuhaken. Früher ist mir das leichter gefallen“, gesteht er.

Kopf spielt entscheidende Rolle

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Aber auch die aktuelle Phase geht am zweifachen Familienvater nicht spurlos vorbei. „Der Kopf spielt eine entscheidende Rolle. Es hapert an der Chancenverwertung. Wir sind derzeit nicht so gefestigt, um kleine Rückschläge zu verdauen. Sie ziehen uns runter und wir bewahren nicht die Ruhe.“ Mit Blick auf das anstehende Duell am Samstag gegen den Karlsruher SC (Spielbeginn: 13 Uhr), gegen den Sandhausen seit drei Spielen sieg- und torlos ist, meint Behrens: „Wir müssen unsere guten Leistungen, die wir immer wieder abrufen, veredeln. Es ist eine gute Frage, warum das nicht funktioniert, aber wir arbeiten daran.“

In Arbeit dürfte auch ein neues Vertragsangebot sein, denn Behrens gehört zu den Fixpunkten im Offensivspiel des SVS. Das derzeit gültige Arbeitspapier endet nach Angaben des Internetportals „Transfermarkt.de“ am 30. Juni. Behrens, der in seiner Karriere bereits für Traditionsmannschaften wie Werder Bremen, Hannover 96, Alemannia Aachen und den 1. FC Saarbrücken gespielt hat, macht aber auch keinen Hehl daraus, früher oder später mit der Familie wieder in den Norden zurückkehren zu wollen. „Ich denke, das wird schon so kommen. Ob es dann Bremen, Hamburg oder Hannover wird, das wird man sehen.“ Erst im Sommertransferfenster stand er im Fokus des 1. FC Union Berlin. Die SVS-Verantwortlichen entschieden sich aber gegen einen Wechsel, zu wichtig ist Behrens in den Planungen.

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Sein Karlsruher Pendant heißt Philipp Hofmann, der ebenfalls bei den „Eisernen“ auf dem Wunschzettel stand. Auch er musste bleiben. Es wird spannend zu sehen sein, wer im direkten Duell die Nase vorn haben wird. Hofmanns Trainer Christian Eichner möchte indes von einer Favoritenrolle nichts wissen. Bei der Pressekonferenz sagte er: „Wir fahren mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein nach Sandhausen, aber das allein wird nicht reichen. Wir müssen an die Leistungen der vergangenen Wochen anknüpfen.“

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Im Gegensatz zum KSC, der die kurze Anreise mit dem Bus zurücklegen wird, könnte Kevin Behrens die 600 Meter von seinem Zuhause wieder mit seinem schwarzen Hollandrad in Angriff nehmen. Ein perfektes Aufwärmprogramm für einen ungewöhnlichen Fußballprofi, um im nordbadischen Nachbarschaftsduell mit Toren zu glänzen.

Redaktion Maximilian Wendl ist freier Mitarbeiter vor allem im Bereich Sport. Er betreut unter anderem den SV 1916 Sandhausen (Fußball), die Kurpfalz-Bären (Frauenhandball) und die HG Oftersheim/Schwetzingen (Männerhandball). Außerdem ist er Experte für Motorsport.