Fußball

Spielabbrüche nehmen auf hohem Niveau ab

Der Kreis Mannheim ist nach wie vor trauriger Spitzenreiter, wenn auch die Tendenz rückläufig ist

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Andi Nowey und Andi Nowey
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„Klar, jeder Spielabbruch ist einer zu viel“, sagt Harald Schäfer, Vorsitzender des Fußballkreises Mannheim. „Dennoch ist erfreulich, dass die Vorfälle weniger werden.“ In der jährlich vom Badischen Fußballverband (BFV) veröffentlichten Statistik über die Vorkommnisse bei Verbandsspielen ist der Kreis Mannheim noch immer trauriger einsamer Spitzenreiter.

45 Spielabbrüche führt die Statistik in einer Langzeitstudie der letzten acht Spielzeiten, auf dem zweiten Platz steht der Kreis Karlsruhe mit „nur“ 24 Abbrüchen. Die ländlichen Fußballkreise wie Mosbach (4 Abbrüche) oder Buchen (6) weisen hingegen nur wenige Vorfälle auf.

Harald Schäfer: „Jeder Spielabbruch ist einer zu viel.“ © Fischer

Dennoch, die Tendenz im Mannheimer Kreis ist rückläufig. Nach den Spitzenjahren 2017/ 18 mit zehn und 2020/ 21 mit neun Abbrüchen gab es in den beiden Folgespielzeiten nur deren drei beziehungsweise fünf. „In dieser laufenden Saison haben wir in unserem Kreis noch keinen Abbruch“, betont Schäfer, wohlwissend, dass mit jeder ausgetragenen Partie das Risiko, dass diese Aussage hinfällig wird, steigt. Leider bleibt auch der Jugendfußball in der nun veröffentlichten Statistik nicht außen vor. 46 Spielabbrüche zählte der BFV in den letzten acht Jahren über das komplette Verbandsgebiet von den A- bis E-Junioren. „Hier setzen sich meistens die Eltern oder Trainer mit den Schiedsrichtern auseinander“, hat Schäfer ausgemacht. Auch wenn der Anteil der Spiele mit Störungen gegenüber aller ausgetragenen Partien bei 0,46 Prozent liegt und die Anzahl der Spielabbrüche nur einen Anteil von 0,08 Prozent beträgt, steht das Thema auf der nächsten Verbandsvorstandssitzung auf der Agenda.

Weiterhin Prävention wichitg

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„Spontan sage ich, dass wir vom Verband schon viel machen. Dennoch werden wir weiter an der Prävention arbeiten“, kündigt Schäfer an. Auch in den Vereinen ist das Thema Gewalt oder Spielabbrüche präsent. Die meisten vorzeitigen Spielbeendigungen kommen in der Kreisklasse B vor. Mit gutem Beispiel geht dort im Kreis Mannheim der SV 98 Schwetzingen II voran. Die Landesliga-Reserve tritt dort nicht nur sportlich sehr attraktiv auf, sondern führt auch die Fairnesstabelle an. Einer, der den Fairplay-Begriff lebt, ist der dortige Trainer Toni Casciaro. „Ich habe sehr vernünftige Jungs, die Spaß am Fußballspielen haben. Schlägereien haben auf dem Spielfeld nichts zu suchen, sonst hat man die falsche Sportart gewählt“, sagt Casciaro. „Wenn sich jemand prügeln möchte, muss er zum Boxen, denn beim Fußball ist doch noch Fairplay da.“

Drei-Stufen-Modell für Schieris

Sehr gerne dürfte das Ivo Leonhardt hören, der Vorsitzende der Schiedsrichtervereinigung Mannheim. Dass ein Unparteiischer wegen eines Gewalt- oder anders gearteten Vorfalls seine Pfeife an den Nagel gehängt hat, ist ihm nicht bekannt. „Aber es gibt sicher etliche ehemalige Schiedsrichter, die heute nicht mehr pfeifen, weil ihnen allgemein die Umgangsformen und Feindseligkeiten ihnen gegenüber zugenommen haben“, betont Leonhardt.

Als eine der Schwerpunktmaßnahmen zur Deeskalation wurde den Schiedsrichtern ein Drei-Stufen-Modell an die Hand gegeben. Demnach soll zur Abkühlung der Gemüter eine erste Unterbrechung an den jeweiligen Ersatzbänken stattfinden, bei einer zweiten Unterbrechung soll es bei weiteren Vorfällen für einige Minuten in die Kabinen gehen. Und als drittes und letztes Werkzeug steht dann der Spielabbruch.

Strafenkatalog erweitert

„Das ist in der Theorie eine gute Sache. In Stresssituationen ist es aber nicht einfach, das nach Schema F abzuhandeln“, sagt Leonhardt, ein Mann, der direkt am Ort des Geschehens teilnimmt.

Am einfachsten ist es aber eben doch, wenn die Verantwortlichen und Trainer auf die Spieler einwirken. „Es ist sehr schade, dass es immer wieder zu solchen Situationen kommt“, sagt Pasquale Pilato, Trainer des Kreisligisten FV 1918 Brühl II. „Wir versuchen immer, es sportlich auf den Platz zu bringen und die Dinge fair zu betrachten und danach zu handeln.“

Als weitere Maßnahme zur Abschreckung wurde zuletzt auch der Strafenkatalog erweitert bis hin zu einer Maximalstrafe bei gravierenden Verfehlungen von bis zu 5000 Euro. Doch am liebsten ist allen, dass es so weit freilich gar nicht kommt.

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Freier Autor Schwerpunkte: Mannheimer Kreisfußball, Kreisklassen A und B, Kreispokal, Waldhof-Legenden