2. Fußball-Bundesliga - Nächste Runde im Streit um die Erweiterung des Vereinsgeländes SVS geht auf Gegner zu

Von 
Maximilian Wendl
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Der selbsternannte „Ligazwerg“ möchte wachsen und sich auch abseits des Fußballfeldes weiter professionalisieren. So einfach ist es für den Zweitligisten SV Sandhausen aber nicht, denn auch eineinhalb Jahre nach Bekanntwerden der Erweiterungspläne bezüglich des Sportgeländes an der Jahnstraße stoßen die Verantwortlichen immer noch auf Widerstand. Von einem Start der Bauphase sind sie meilenweit entfernt.

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In der Diskussion geht es darum, dass der SVS auch aufgrund der Vorgaben der Deutschen Fußball-Liga (DFL) fünf Trainingsplätze vorweisen muss, damit das Nachwuchsleistungszentrum auch als ein solches anerkannt bleibt. Allerdings sei die ausgewählte Fläche südlich der „Inwo-Tribüne“ im Flächennutzungsplan nicht als potenzielle Baufläche ausgewiesen. Zudem handle es sich – nach Informationen von Sandhausens Ortsbaumeister Michael Schirok – um einen Naturschutzbereich. Der Gemeinderat genehmigte im April 2018 den „Bebauungsplan Sportzentrum Süd“ trotzdem und sorgte damit für Unmut bei der Bevölkerung. Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Sandhäuser Wald“ schreibt auf ihrer Homepage: „Es ergibt keinen Sinn, Wald zu roden. Gibt es vielleicht außerhalb des Hardtwaldes einen viel geeigneteren und besser zu erreichenden Platz?“

Für die BI, in der nach eigenen Angaben auch SVS-Fans mitwirken, sei es nachvollziehbar, dass der SVS Bedarf an weiteren Trainingsplätzen habe. Es sei in Zeiten des Klimaschutzes aber keine Lösung, den Wald zu roden. Tatsächlich geht es um zwei Hektar Wald, wobei Sandhausen eine Gemarkungsfläche von 1400 Hektar aufweise. Knapp die Hälfte, 680 Hektar, davon seien Wald. Für Bürgermeister Georg Kletti ist klar, dass man die zwei Hektar, die herausgenommen werden könnten, an anderer Stelle wieder aufforstet.

Nehmen Bedenken ernst

Nun hat sich zum ersten Mal der Club selbst geäußert und Gesprächsbereitschaft signalisiert. Präsident Jürgem Machmeier erklärt: „Wir nehmen die Bedenken aller Bürger und aller Beteiligten ernst und möchten eine einvernehmliche Lösung finden. Wenn alle Beteiligten ebenfalls an einer gemeinsamen Realisierung interessiert sind, bin ich überzeugt, dass wir einen Konsens finden werden, der wieder Ruhe in unsere Gemeinde eintreten lässt.“ Die Schwarz-Weißen schlagen einen runden Tisch mit Vertretern der Gemeinderatsfraktionen, der Gemeindeverwaltung, der BI sowie des benachbarten Tennisclubs und des FC Sandhausen vor.

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Für Samstag hat die SPD eine Podiumsdiskussion geplant, in der das Thema besprochen werden soll. Daran wird der SVS nicht teilnehmen, da die Verantwortlichen es „für den falschen Weg halten, die Vorschläge öffentlich zu diskutieren“. Außerdem schreibt der SVS, der nach der Gemeinde der zweitgrößte Arbeitgeber Sandhausens ist, in einer Pressemitteilung, er könne nicht von seinem Standpunkt abweichen, habe aber bereits mögliche Lösungen präsentiert, die bei allen Beteiligten auf große Akzeptanz stoßen würden.

Doch noch sitzen die Beteiligten nicht an einem Tisch und deswegen wird es dauern, bis eine tatsächliche Lösung gefunden werden kann und die Bauphase beginnt. Positiv zu bewerten ist jedoch, dass der SVS nicht mit aller Macht an seinen Zielen festhält, sondern eine einvernehmliche Lösung für möglich hält. Um weiter zu wachsen und es sich gleichzeitig nicht mit dem eigenen Lager zu verscherzen, könnte sich dieser Weg als der richtige erweisen.

Redaktion Maximilian Wendl ist freier Mitarbeiter vor allem im Bereich Sport. Er betreut unter anderem den SV 1916 Sandhausen (Fußball), die Kurpfalz-Bären (Frauenhandball) und die HG Oftersheim/Schwetzingen (Männerhandball). Außerdem ist er Experte für Motorsport.