Fußball - Leipzig fürchtet in der Champions League ein Ende der Liverpooler Krise Die Angst vor dem Befreiungsschlag

Von 
dpa
Lesedauer: 
Jürgen Klopp (l.) und Julian Nagelsmann standen sich schon 2017 gegenüber. Damals trainierte Nagelsmann noch Hoffenheim. © dpa

Leipzig/Liverpool. Jürgen Klopp nahm einen kräftigen Schluck aus seiner „The Normal One“-Tasse und gewährte einen seltenen Einblick in sein Seelenleben. „Ich brauche keine Pause. Wir hatten privat eine schwere Zeit, aber das zog sich über einen Zeitraum hin, und wir haben das als Familie geschafft“, sagte der Trainer des FC Liverpool vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League am Dienstag (21 Uhr/DAZN) gegen RB Leipzig. „Aber das hat nichts mit meinem Job zu tun. Ich kann Dinge trennen und abschalten. Ich trage das nicht mit mir herum.“

AdUnit urban-intext1

Nach Liverpools dritter Liga-Niederlage nacheinander waren in der englischen Hafenstadt am Wochenende Gerüchte aufgekommen, Klopp würde über eine Pause nachdenken. Ein Grund soll der kürzliche Tod seiner Mutter Elisabeth sein, zu deren Beerdigung Klopp aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht reisen konnte. Allen Rücktrittsgerüchten widersprach der 53-Jährige energisch und richtete den Fokus in seiner typischen Art auf das sportliche Geschehen. „Ich weiß, es sieht momentan nicht gut aus. Das Wetter ist nicht gut, mein Bart wird immer grauer, aber ich bin voller Energie. Ich sehe das als interessante Herausforderung.“

Das aufgrund der Pandemie in die Puskas-Arena von Budapest verlegte Spiel gegen Leipzig dürfte zu Klopps größeren Herausforderungen zählen. Seine Mannschaft steckt in der schwersten Krise seiner Amtszeit, Leipzig hat sich nach einem kleinen Tief wieder gefangen und zuletzt viermal nacheinander gewonnen. „Die Ergebnisse waren zuletzt nicht gut, aber wir müssen weitermachen. Wir haben keinen schlechten Fußball gespielt“, sagte Klopp, der keinen Favoriten im Duell mit RB sieht: „Mit 50:50 kann ich gut leben. Damit hätten wir jede Chance auf den Sieg, mehr brauche ich nicht.“

Fokus auf Königsklasse

Sein Leipziger Amtskollege Julian Nagelsmann wollte das Straucheln des englischen Meisters ebenfalls nicht überbewerten. „Die Ergebniskrise haben sie nicht in der Champions League, sondern in der Premier League. Dort haben sie den Titel abgehakt, und ihr Fokus liegt jetzt nur noch auf der Champions League. Sie werden versuchen, die negativen Dinge abzuschütteln“, sagte der 33-Jährige kurz vor dem Abflug nach Budapest.

AdUnit urban-intext2

Liverpool wirkt gerade wie ein angeschlagener Boxer. Fast am Boden, aber immer zu einem Lucky Punch in der Lage. Schließlich ist die Champions League für Klopp die letzte Chance, in dieser Saison etwas zu gewinnen. „Wir brauchen einen Top-Tag, um auf Augenhöhe zu sein“, betonte Nagelsmann. Liverpool sei aufgrund der enormen Erfahrung für ihn immer noch leichter Favorit.

Das sehen einige Beobachter anders. Ralf Rangnick sprach von einem 50:50-Duell, der frühere Liverpool-Profi Dietmar Hamann sogar von mehr. „RB hat eine Riesenchance aufs Viertelfinale, es ist ein guter Zeitpunkt, gegen Liverpool zu spielen“, sagte der frühere Nationalspieler der „Leipziger Volkszeitung“. Liverpool würden „Frische, Dominanz und Durchschlagskraft fehlen. In ihren Glanzzeiten haben sie den Gegnern die Luft zum Atmen genommen. Momentan müssen sie sehr hart für jeden Sieg arbeiten.“

AdUnit urban-intext3

Leipzig kann bis auf Emil Forsberg in Bestbesetzung antreten. Liverpool plagen hingegen seit Wochen Personalprobleme.