Gaspipeline - Europäische Unternehmen reagieren auf Sanktionsdrohungen der USA / Scharfe Kritik der Republikaner an neuem Präsidenten Joe Biden 18 Firmen ziehen sich aus Nord Stream 2 zurück

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dpa
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Das russische Rohr-Verlegeschiff „Fortuna“ am Wismarer Hafen. Das Schiff wird für Arbeiten an der deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 eingesetzt. © dpa

Washington. Die Sanktionsdrohungen der USA gegen die deutsch-russische Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 zeigen Wirkung. Nach deutlichem Druck der US-Regierung haben inzwischen mindestens 18 europäische Unternehmen ihre Teilnahme an dem Projekt beendet oder ihren Rückzug zugesichert. Das berichtet das US-Außenministerium an den Kongress.

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Unter den Firmen ist den Angaben zufolge auch der zur Münchener Rück gehörende Versicherer Munich Re Syndicate Limited. Bislang haben die USA wegen Nord Stream 2 lediglich Sanktionen gegen das russische Unternehmen KVT-RUS verhängt, das das Verlegeschiff Fortuna betreibt – diese Strafmaßnahmen hatte die Regierung des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit im Januar noch verkündet. Das Unternehmen und das Schiff werden auch in dem neuen Bericht ausdrücklich erwähnt. Weitere Unternehmen werden darin aber entgegen den Erwartungen nicht mit Strafmaßnahmen belegt oder bedroht.

Großteil Versicherungskonzerne

Republikaner hatten deswegen scharfe Kritik an der Regierung des neuen demokratischen US-Präsident Joe Biden geübt. So erklärte etwa Senator Ted Cruz am Wochenende: „Die Biden-Regierung signalisiert, dass sie bereit ist, zuzulassen, dass die Pipeline mit katastrophalen Folgen für die amerikanische nationale Sicherheit und für die Energiesicherheit unserer europäischen Verbündeten fertiggestellt wird.“ Das US-Außenministerium übermittelte den Bericht am vergangenen Freitag an den Kongress, machte ihn bislang aber nicht öffentlich. Der Bericht lag der dpa in Washington am Montag vor.

Bei den meisten Unternehmen, die ihre Teilnahme an Nord Stream 2 beendet haben oder beenden werden, handelt es sich dem Bericht zufolge um Versicherungskonzerne. Diese Unternehmen sind überwiegend in Großbritannien ansässig. Auch die Schweizer Zurich Insurance Group und die Axa Group mit Hauptsitz in Paris haben ihre Mitarbeit an Nord Stream 2 nach Angaben des US-Außenministeriums beendet.

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Die USA laufen Sturm gegen das Projekt, weil sie eine zu große Abhängigkeit ihrer Partner in Europa von Russland befürchten. Ende 2019 waren die Bauarbeiten an der Pipeline kurz vor der Fertigstellung gestoppt worden, nachdem die USA ein erstes Sanktionsgesetz (Peesa) gegen die Spezialschiffe in Kraft gesetzt hatten, die die Rohre verlegten. Kritiker der USA argumentieren dagegen, die Vereinigten Staaten wollten vielmehr ihr im eigenen Land gefördertes Gas nach Europa verkaufen.