Erntehelfer - Warnung vor längerer Versicherungsfreiheit DGB schlägt Alarm

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ZRB
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Berlin. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt eine Ausdehnung der versicherungsfreien Beschäftigung für ausländische Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft ab. „Wenn wir in der Saisonarbeit nicht ebenso dramatische Zustände wie in der Fleischindustrie wollen, müssen Erntehelfer besser geschützt werden“, sagte Anja Piel, Vorstandsmitglied des DGB, dieser Redaktion.

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Mehrere Agrarverbände fordern eine Ausweitung der geltenden 70-Tage-Regelung auf bis zu 115 Tage, um den Anreiz für die Einreise von Saisonkräften zu erhöhen. Eine kurzfristige Beschäftigung sollte nur für Schüler und Studenten zulässig sein – und zwar für maximal 50 Tage pro Kalenderjahr.

„Teil des Ausbeutungssystems“

„Selbstverständlich können Menschen auch dann länger als 70 Tage bleiben und arbeiten, wenn sie von vornherein sozialversichert sind“, meinte Piel. „Erntearbeit ohne Sozialversicherung ist kein Naturgesetz, sondern Teil des Ausbeutungssystems der Arbeitgeber.“ Die Bundesregierung dürfe nicht von Lobbyisten und Landwirtschaftsverbänden einknicken.

„Eine weitere Verlängerung der Frist für sogenannte ‚kurzfristige Beschäftigung‘ erleichtert Missbrauch“, ist die Gewerkschafterin überzeugt. Es sei zynisch zu behaupten, eine längere Beschäftigung ohne sozialen Schutz würde zu weniger Infektionen beitragen, weil die Helfer dann seltener getauscht werden müssen, sagte Piel.

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Auch wenn Erntehelfer nicht in kalten, feuchten Räumen wie in der Fleischwirtschaft arbeiteten, so seien sie doch denselben Infektionsrisiken ausgesetzt, argumentiert Piel. Oft würden sie in vollen Bussen zum Arbeitsort befördert und in schlechten Unterkünften mit Gemeinschaftstoiletten und -duschen untergebracht. „Es ist ein Unding, dass Menschen unter solchen Bedingungen oft nicht einmal krankenversichert sind“, so Piel. Diese Zustände dürfe die Bundesregierung nicht noch durch befördern. ZRB