Greensill-Pleite - Nach der Insolvenz sind viele Kleinanleger verunsichert / Was bei der Auswahl einer Bank zu beachten ist

Wie sicher ist mein Erspartes?

Von 
Steffen Preißler
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Ein Schild mit dem Firmennamen «Greensill Bank» hängt am Eingang der Bremer Privatbank. © Sina Schuldt (dpa)

Berlin. Die Insolvenz der Bremer Greensill Bank hat viele Anleger aufhorchen lassen. Angelockt von guten Zinsen haben nicht nur Kommunen und Institutionen ihr Geld dort auf Konten deponiert, sondern auch Kleinanleger. Wahrscheinlich wird nicht jeder Großinvestor alle angelegten Euro wiedersehen. Umso mehr stellen sich nun Fragen rund um Geldanlagen. Unsere Redaktion hat dazu Experten befragt:

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Wie sind Sparer bei einer Bankpleite geschützt?

Der Sparer ist vor Verlusten durch die Einlagensicherung geschützt, wenn er die Sicherungsgrenzen beachtet. Europaweit sind das 100 000 Euro inklusive Zinsen je Bank und Kunde. Einige Geldinstitute sind zusätzlich Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Die Sicherungsgrenze liegt dort aktuell bei 15 Prozent des haftenden Eigenkapitals eines Geldinstituts. Da das Mindesteigenkapital einer Bank in Deutschland bei fünf Millionen Euro liegt, sind mindestens 750 000 Euro geschützt, in der Praxis aber deutlich mehr.

Bei der Greensill Bank beträgt die Sicherungsgrenze knapp 75 Millionen Euro pro Anleger. Insgesamt geht es um drei Milliarden Euro, die bei Greensill zurückgezahlt werden müssen. Dabei entfallen eine Milliarde Euro auf die gesetzliche Einlagensicherung und zwei Milliarden Euro auf den Bankenentschädigungsfonds.

Wie schnell bekommt man im Fall einer Insolvenz sein Geld zurück?

Die Entschädigung der Greensill-Kunden steht dem BdB zufolge kurz vor dem Abschluss. In den vergangenen Tagen seien bereits circa 2,7 Milliarden Euro an mehr als 20 500 Einleger ausgezahlt worden. Die deutsche Einlagensicherung überweist innerhalb von sieben Tagen, allerdings beginnt die Frist erst am Tag nach der Feststellung des Entschädigungsfalles. Schon vorher wird in der Regel von der Finanzaufsicht BaFin ein Moratorium verhängt, das maximal sechs Wochen dauern kann. Ab diesem Zeitpunkt sind keine Auszahlungen bei der gefährdeten Bank mehr möglich. Es können also durchaus einige Wochen vergehen, bis man nach der Schieflage einer Bank sein Geld zurückhat.

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Wie häufig kommt es zur Pleite einer Bank?

In den vergangenen zehn Jahren sind rund 20 Institute in Deutschland pleitegegangen, darunter die WestLB und das Hamburger Bankhaus Wölbern & Co.

Kann man sich als Kunde vor Bankpleiten schützen?

„Der Kunde kann Probleme kaum im Vorfeld erkennen“, sagt Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg. Deshalb sei es immer wichtig, auf die Höhe der Einlagensicherung zu achten und nicht mehr Geld anzulegen, als abgesichert ist. Anleger können aber im Vorfeld nach kritischen Medienberichten über die Bank suchen. Doch solche Berichte allein signalisieren noch keine mögliche Bankpleite. Auch die Stiftung Warentest hatte in ihrem März-Heft von „Finanztest“ die Greensill Bank noch empfohlen. „Voraussehen, ob das Geschäftsmodell einer Bank auf Dauer funktioniert, können wir nicht“, heißt es dazu bei „Finanztest“.

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Wie arbeiten Vermittlerportale für Tages- und Festgeld?

Die Vermittlerportale Weltsparen und Zinspilot bieten Tages- und Festgeld von vielen – vorwiegend ausländischen – Banken aus Europa an. Die Zinsen sind meistens deutlich höher als bei Filial- und Direktbanken in Deutschland. Der Kunde muss sich einmal registrieren und eröffnet dann ein Verrechnungskonto bei einer deutschen Bank, mit denen die Portale zusammenarbeiten. Von dort wird dann das Geld an die Bank überwiesen, bei der es angelegt werden soll, und nach Ablauf fließt es wieder auf das Verrechnungskonto zurück. Der Vorteil ist, dass sich der Kunde nicht für jedes neue Zinsangebot legitimieren muss.

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Hätten die Portale die Vermittlung nicht früher stoppen müssen?

„Als Plattform dürfen und können wir nicht in den Markt eingreifen und die Rolle der Aufsicht übernehmen“, sagt Nicole Breforth von Weltsparen. „Schließlich könnten dann die privaten Marktteilnehmer den Zugang zur Liquidität lenken und Marktsignale senden, die weder vom Gesetzgeber noch von der Aufsicht gewünscht sind.“

Lohnt sich Tages- und Festgeld überhaupt noch?

Die polnische Bank Getin Noble bietet 1,31 Prozent für ein dreijähriges Festgeld und damit deutlich mehr als deutsche Institute, die zum Teil auch schon Negativzinsen verlangen. Wer nur der deutschen Einlagensicherung vertraut, muss sich in der Niedrigzinsphase mit sehr geringen Renditen abfinden. So bieten etwa die Deutsche Handelsbank und die Ford Money Bank für eine dreijährige Anlage 0,70 Prozent. Sparer können abwägen, welches Risiko sie eingehen. Greensill zeigt, dass auch deutsche Banken pleitegehen können. Entscheidend ist, dass die Einlagensicherung funktioniert.